Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Soziales und biostatisches Verhalten der livländischen Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
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— 70 - bei den Russen 1,54, bei den Deutschen 1,59, j bei den Esten 0,93, für die ganze Stadt 1,19; j offenbar entfalten die Juden in dieser Beziehung j die größte Beweglichkeit, was aus ihrer starken Hinneigung zum Handelsstande verständlich wird. Unter den zeitweilig Abwesenden gab es bei den Juden 79 °/o Nahewanderung und 21 °/o Fernwanderung, unter den zeitweilig Anwesenden 33 % Nahewandei uug und 67 % Fernwanderung. In der Stadt Dorpat sind die Juden, wie Körber bemerkt, heimatsberechtigt, nicht aber auf dem flachen Lande; nachdem sie in der Stadt sesshaft geworden, ziehen sie für kürzere oder längere Zeit auf die umliegenden Güter, um sich als Schindelmacher, Klempner oder Schneider zu verdingen oder sich mit Hausierhandel zu beschäftigen. (75 °/0 Gewerbe, 18,8 % Handel, 6;2 % Hauswirtschaft.) Der Altersaufbau der Dorpater Juden nach fünfjährigen Stufen geht aus folgender Zusammenstellung hervor: Jahre j Männer u. Weiher j Männer \ Weiber 1000 j 527,8! 472,2 Auf den entsprechenden graphischen Darstellungen zeigt der Altersaufbau, und zwar auch hinsichtlich der zehnjährigen Stufen, sehr bedeutende Unregelmäßigkeiten, was gewiß auch mit dem Umfang des Materials zusammenhängen wird. Wir können hier also nicht darauf rechnen, nationale Besonderheiten darzustellen. Unterscheidet man jedoch J) nur drei Altersklassen: l) v. Besser und Ballod, Allgemein. Statist. Archiv Band IV Jahrg. 1895 S. 52S. Nichtarbeiter (0—15 J.), Halbarbeiter (16—20 und 60—70 J.) und Ganzarbeiter (20—60 J.), dann ergeben sich für die jüdische Bevölkerung ganz besonders ungünstige Verhältnisse,, wie aus einer Vergleichung mit den entsprechenden Befunden an Deutschen, Esten und Bussen hervorgeht: Auf 100 Einwohner scho c © CO PS © Ö © beiderlei Geschlechts entfallen: -t-=> CO U2 Q n 51,7 57,5 53,0 48,0 18,9 18,4 15,7 15,3 99 9 28,5 31,0 36,7 Auf 100 Arbeiter entfallen Nichtarbeiter: 41,1 40,2 45,1! 58,1 Die Zahlen deuten an, daß die produktiven Altersstufen bei den Dorpater Juden gegenüber den anderen Bevölkerungsgruppen in auffallender Weise zurücktreten, vielleicht u. a. im Zusammenhang mit Unterschieden der KinderzahL Gleichgewicht der Geschlechter. Die Gesamtbevölkerung Dorpats ist durch auffallenden "Weiberüberschuß (1161) im Verhältnis zu den Zuständen in Deutschland (1040 v. Mayr, Finnland 1032, Österreich 1039) ausgezeichnet, was aber hier seine besonderen sozialen und ökonomischen Gründe hat. Der Uberschuß ist am größten bei den Deutschen (1341) und beträgt bei den Esten 1188. Die anderen Stämme hingegen zeigen Männerüberschuß, und zwar entfallen bei den Bussen auf 1000 Männer 960 Frauen v » -luden „ „ „ 895 „ „ „ Letten „ „ „ 878 „ „ „ Bolen „ „ „ 290 „ Man kann aber auf diese Zahlen nicht viel geben, denn sobald die studierende männliche Jugend ausgeschieden wird, erscheint auch bei den Russen ein deutlicher Frauenüberschuß von 1186, für die Juden ein solcher von 1148. Der Familienstand. Zieht man die Frage zwischen Jugend und erwachsenem Alter (Heiratsmündigkeit) beim 19. bezw. 17. Lebensjahr, dann ergibt sich hinsichtlich des allgemeinen Familienstandes insofern ein gewisser nationaler Unterschied, als für das männliche Geschlecht die kindlichen Stufen bei den Juden am stärksten 0— 5 105,5 51,2 54,3 5—10 124,1 1 63,0 61,1 10—15 123,4 64,8 58,6 15-20 120,4 56,2 64,2 20-25 133,3 78,4 54,9 25 - 30 117,3 76,6 40,7 30-35 53,1 25,9 27,2 35-40 48,7 i 16,6 32,1 40-45 32,0 16,0 16,0 45-50 42,0 22,2 19,8 50—55 30.3! 17,3 13.0 55-60 22,8! 16,0 6,8 60-65 17,3 9,9 7,4 65—70 14,9 1 5,6 9,3 70—75 6,2; 2,5 3,7 75-80 8,1 5,6 2,5 80 u.+ 0,6! 0,0 0,6