Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die Juden in den Vereinigten Staaten
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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- 37 - Lebensunterhalt als Landwirte in den Vereinigten Staaten gewinnen. Es wird vielleicht interessant sein; die gegenwärtigen Ziffern für die Berufe von 88 827 russischen und polnischen Juden und 24 221 Jüdinnen in New-Vork vom Jahre 1900 hinzuzufügen. Männl. Weibl. In der Konfektionsindustrie Angest. 25 674 8 545 Arbeiter (ohne nähere Angaben) . 4 088 — Agenten......... 1 663 — Handlungsgehilfen und Schreiber 2 754 — Höker und Hausierer..... 4 215 — Kleine Kaufleute...... 9 016 — Großkaufleute....... 3 256 11 306 Schuhmacher........ 1 554 — Zimmerleute und Tischler ... 1574 — Advokaten........ 217 — Hut- und Mützenmacher ... 1543 — Fabrikanten und Beamte ... 2 513 — Tabak- und Zigarrenarbeiter . . 1 778 — Lehrer und Professoren .... 526 132 Aerzte und Chirurgen .... 305 — Geistliche......... 298 — Zahnärzte......... 75 — Musiker......... 403 114 Elektrotechniker...... — — Gesinde und Auf Wärterin neu . — 2 878 Schneiderinnen....... — 2168 Schauspielerinnen...... — 37 Es zeigt sich, daß das Schneiderhandwerk der hervorragendste Industriezweig der russischen Juden ist, und die Konfektionsindustrie und der Kleiderhandel kann im allgemeinen als die Haupter wer bsqueile der Juden in den Verein. Staaten angesehen werden. Die Geschichte dieses Berufszweiges ist kürzlich von J. E. Pope (The Clothing Industry in New-York, Columbia Mo. 1905) untersucht worden. Bis ungefähr um das Jahr 1850 waren danach die arbeitenden Klassen für ihre tägliche Kleidung in der Hauptsache entweder auf Selbstanfertigung zu Hause oder auf renovierte getragene Kleidung angewiesen. Dieser letztere Handel war hauptsächlich in den Händen der Juden. Als die Erfindung der Nähmaschine den Handel in fertigen Kleidungsstücken ermöglichte, fertigten die Juden nicht allein Kleider an, sondern sie waren es auch, die zuerst ein System des Vertriebes fertiger Kleid8r entwickelten, und es ist ihr Werk, daß die Kleider,; die ungefähr bis zum Jahre 1840 in allgemeinen | Warengeschäften verkauft wurden, von besonderen Kleiderwarengeschäften auf Lager genommen und verkauft wurden, die von da ab fast ausschließlich von Juden unterhalten wurden. Abgesehen von dem Juwelenhandel war bis zum Jahre 1860 der Kleiderhandel fast die einzige | Beschäftigung der Jaden, und viele große Kauf-; leute und Firmen, die sich später dem Groß-; handel in anderen Branchen zugewandt haben,; wie Seligman, Wormser and Seasongood, fingen mit dem Kleiderhandel an, kamen jedoch durch I den Bürgerkrieg, der plötzlich dem umfang- \ reichen Handel mit dem Süden Einhalt tat, j davon ab. Verschiedene der jüdischen Schneider- | ateliers bemühten sich, ihr Geschäft durch Lie- | ferung von Uniformen für die Bundessoldaten aufrecht zu halten, andere Firmen maßten sich jedoch auf neue Industriezweige werfen. Nach Beendigung der Feindseligkeiten stellte sich ein sehr großer Kleiderbedarf ein für die anderthalb Millionen Menschen, die plötzlich von ihren Uniformen befreit wurden, und dieser Bedarf wurde hauptsächlich durch jüdische Schneider gedeckt, welche anscheinend zu dieser Zeir das Contract-System eingeführt haben, indem sie den Unterlieferanten in den ländlichen Distrikten Aufträge für große Kleiderlieferungen gaben, die , an die großen Concerns abgeliefert und von da im ganzen Lande verteilt Warden. In dieser Entwickelungsphase der Schneiderindustrie, welche ungefähr von 1865 bis 1880 dauerte, waren die Juden hauptsächlich die großen Lieferanten und Auftraggeber, aber die effektive Arbeit wurde auf dem Lande außerhalb der großen Zentren jüdischer Tätigkeit getan. Im nächsten Stadium scheint die Industrie für die städtischen Distrikte wieder zurückgewonnen zu sein, indem die Arbeit in Fabriken untergebracht wurde. Das war ebenfalls direkt ein Werk der Juden. Eine Anzahl englischer i Juden, die das S hneidergeschäft erlernt hatten, j gingen in den siebziger Jahren nach Boston und j siedelten anfangs der achtziger Jahre nach New- I York über, wo sie das bekannte „Bostoner System"