Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die Juden in den Vereinigten Staaten
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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- 38 - (Schwitzsystem} einführten, das die Arbeitsteilung in dem Schneiderhandel sehr ausdehnte. ..Haufen" von Arbeitern brachten einen einzigen Artikel in viel größeren Quantitäten heraus, und ein einzelner Teil der Arbeit wurde von Neulingen leichter erlernt. Russisch-Jüdische Einwanderer, welche zu dieser Zeit (von 1881 an) in großer Anzahl eintrafen, waren durch ihre körperliche Konstitution nicht in der Lage, schwere Arbeit zu leisten und hatten in einzelnen Fällen mit dem Kontrakt-Schneider-System in England oder Sussland begonnen; sie waren daher bereit. Schneiderarbeit in den ..sweat-shops*' zu übernehmen, weil dies das einzige Mittel war, das ihnen gleich nach der Ankunft einen Lebensunterhalt verschaffte. Ihre Teilnahme am Gewerbe wuchs immer mehr und mehr, bis sie in New- York, dem Zentrum desselben, vorherrschend wurde. Im Jahre 1888 waren unter 241 Kleiderwarenfabrikanten in New-York-City 234 Juden. Während vor dem Jahre 1880 der Import fertiger Kleider waren aus Deutschland ungefähr |10000000 jährlich betrug, belief er sich im Jahre 1894 auf weniger als $ 2 000000. Andererseits lieferte die Kleiderindustrie im Jahre 1880 in den fünf Haupt-Zentren Waren im Betrage von 1157 513 528 und im Jahre 1900 für $ 311 387 858 — eine Zunahme von 97,22 Prozent. Im Jahre 1900 gab es 8166 Kleider Warengeschäfte in New-York-City, die 90 950 Arbeiter beschäftigten, ein Kapital von $ 78 387 849 besaßen und jährlich für $ 239 879 414 (Twelfth Census, Ed'. VIII, 622) produzierten. Professor Pope sagt: „Mehr als jedem anderen Volke ist den Juden die großartige Entwicklung, die dieKleiderwarenindustrie erreicht hat, zuzuschreiben^. (1. c. p. 293.) V. Oekonoini sehe Lage. Die ökonomische Lage der amerikanischen Juden, auch der kürzlich eingetroffenen, ist außerordentlich befriedigend. Berücksichtigt man die Tatsache, daß der jüdische Einwanderer nur mit einem Durchschnitts vermögen von § 15 ankommt, so ist nichts bemerkenswerter als die Geschwindigkeit, mit welcher er sich einen Lebensunterhalt selbst verschafft. Selbst diejenigen, die sich nach ihrer Ankunft an Wohl fahrtseinr ichtun gen um geringen Beistand wenden, kommen bald ohne Hilfe weiter. Von 1000 Bittstellern, die sich im Oktober 1894 an die United Hebrew Charities in New-York wandten, haben 602 nie wieder Unterstützungen in Anspruch genommen, und fünf Jahre später waren nur noch 67 Familien in den Büchern verzeichnet, welche Zahl sich, im Oktober 1904 (Bernheimer. „Russian Jew" S. 60, Philadelphia 1905) auf* 23 reduzierte. Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß der jüdische Arbeiter für weit niedrigere Löhne arbeitet als andere Arbeiter. Wahr ist, daß in den achtziger Jahren, als die Juden sich zuerst der Kleiderwaren-Industrie zuwandten, sie sich mit wahren Hungeriöhnen begnügten; zu Ausgang des Jahrhunderts jedoch verdienten jüdische Arbeiter in Kleider Werkstätten $ 11,36 wöchentlich gegen $ 9,82 für amerikanische Arbeiter im aligemeinen, während jüdische Frauen, die in der Frauen-Bekleidungs-Branche arbeiteten, $ 5,86 gegen j 5.46 bei den christlichen Frauen verdienten. Während ihre Löhne verhältnismäßig hohe sind, sind durch ihren Hang zur Anhäufung die Wohnungsmieten sehr gestiegen, sodaß — nach Abzug des für Miete zu zahlenden Betrages — die Löhne jedenfalls nicht so günstig sind. So ist in Boston beobachtet worden, daß 39,65 Prozent der russischen Juden im „armseligen und schlechten Wohnungen" wohnen, wogegen die Irländer nur 27,15 Prozent dieser Art, die Italiener allerdings sogar 56,23 Prozent aufweisen. Auch in New-York hatten von 1795 russisch-jüdischen Familien, die von der Federation of Charities aufgesucht wurden, 1001 dunkle .Räume, und nur 158 hatten Badegelegenheiten. In Philadelphia betrug auf eine jüdische Bevölkerung von 688 die durchschnittliche Personenzahl für ein Zimmer 1,39, während in drei Chicago er Distrikten durchschnittlich 1,26 Personen auf einen Raum kamen (Wohnungsverhältnisse in Chicago, S. 64). Die durchschnittliche Anzahl i für ein jüdisches Haus in Philadelphia betrug I 9,17 gegen 5,4 für die allgemeine Bevölkerung; | von 75 Häusern hatten nur 8 Badewannen, i Aehnlich hatten in Chicago von 10 452 Juden! nur 3,73 Prozent Badegelegenheit. Es muß jedoch | hinzugefügt werden, daß die russischen Juden; die öffentlichen Badeanstalten, die in großer An-