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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 28

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Aufbau der jüdischen Bevölkerung in Baden während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1906-02-01
Page
Seite 28 (sequence 7)
Language
German
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- 28 den der Universitäten haben also 85 % Kaufleute, Industrielle und Rentner zu Vätern, bei denen der Karlsruher Hochschule 92 %•*) Ein Vergleich dieser Zahlen mit denen der christlichen Studierenden ergibt, daß bei diesen sich die Eltern nur zu 2c u/0 (bei den Universitätsstudierenden) bezw. 36 % (bei den Technikern) aus den genannten Berufen rekrutieren. Bei Tabelle XI und XII stützte ich mich besonders auf das in Crom „Glaubensbekenntnis und höheres Studium. Aus den Akten der Universitäten Heidelberg und Freiburg und der Technischen Hochschule Karlsruhe 1869—93", Heidelberg 1900, gebotene Material. Tabelle XIII behandelt die Verbrechen und Vergehen badischer Juden gegen Reichsgesetze in der Zeit von 1892—1901. Der Niedrigste Standpunkt ist sowohl bei den Juden wie bei den Christen das Jahr 1892, in welchem die wenigsten Verbrechen pro 10 000 Einwohner einer Konfession zu verzeichnen waren. Die meisten Bestrafungen fanden bei den Juden 1896 statt. Von diesem Zeitpunkt an geht die Anzahl der bestraften Juden bis 1898 zurück, steigt 1899 wieder und fällt dann sowohl von 1899 auf 1900, auch von 1900 auf 1901, in welchem Jahre auf 10 000 Juden 55,6 Bestrafte kamen, eine Zahl, die bedeutend hinter dem Durchschnitt der Jahre 1892—1901 (65,0) zurückbleibt. Die Anzahl der christlichen Bestraften war im Jahre 1901 85,4 pro 10 000 christliche Einwohner, für den Durchschnitt 1892—1901 77,7, also höher als bei den Juden. Auch im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bestraften stehen die Juden günstig da, indem sie für den Durchschnitt 1892—1901 1,3% derselben bildeten, für das Jahr 1901: 0,9%, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung 1,4 % betrug. Es ist nicht uninteressant hier die kriminalistischen Ziffern für das Reich zum Vergleiche heranzuziehen. Nach Ruppin**) kamen im Durchschnitt der 4 Jahre 1899—1902 jährlich in ganz Deutschland: *) Die gleiche Erscheinng ist in Heft 6 des 1. Jahrgangs dieser Zeitschrift für Elsaß-Lothringen festgestellt. **) Die Kriminalität der Christen und Juden in Deutschland 1899—1802 in Xo. 1 des 1 Jahrganges der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Vgl. auch den Abschnitt über Kriminalität der Juden in Ruppin: „Die Juden der Gegenwart". 78,87 Juden zur Bestrafung, ferner 86,0 Christen; in Baden, wie bereits oben dargelegt, 1892 bis 1901 durchschnittlich jährlich nur 65,0 Juden und 77,7 Christen, woraus zu ersehen ist, daß die Kriminalitätsziffern für Baden günstigere sind, als diejenigen für das Reich. Die letzte Tabelle XIV ist eine Selbstmordstatistik der jüdischen Badenser und umfaßt die Zeit von 1896—1901. Aus derselben ist ersichtlich, daß die Selbstmorde unter den badische}] Juden ebenso häufig sind als unter den badischen Christen und mit Ausnahme des Jahres 1900*) die Selbstmordziffer eine reguläre genannt werden Tabelle XIII. Jahr Es wurden verurteilt in Baden wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze Auf 100 0 Einwohner der betreffenden Konfession treffen Verurteilte bei den Christen Juden al\ny^°r absolut urteilteii Christen Juden Durchschnitt 1892-1901 13 416 169 1,3 77,7 65,0 1892 10 954 127 1,2 66,1 47,6 1893 11 752 157 1,3 70,9 58,8 1894 12 517 179 1,4 75,5 67,0 1895 12153 209 1,7 73,3 80,0 1896 13 259 203 1,5 76,6 78,1 1897 13 247 182 U 76,5 70,0 1898 14193 136 0,95 82,3 52,3 1899 14 865 181 V2 86,2 69,6 1900 15 256 171 1,1 81,5 65,5 1901 15 960 145 . 0,9 85,4! 55,6 Tabelle XIV. Es kamen vor im Jahre Selbstmorde von Christen Selbstmorde von Juden Selbstmorde auf 10 000 Personen derselben Konfession bei den Christen j Jaden 1896 334 2 1.9 0,8 1897 324 5 1,8 * 1,9 1898 352 7 2.1 2,7 1399 345 6 2,0 2,3 1900 357 13 1,9 5,0 1901 389 6 2,1 2,3 Durchschnitt unt. Ausschaltuno: des Jahres 1900 . 1,99 2,00 *) Dieses Jahr, in welchem bekanntlich die wirtschaftliche I Depression in Deutschland einsetzte, traf natürlich die in den in j Mitleidenschaft gezogenen Berufen prozentual viel häufiger tätigen I Juden entsprechend mehr als die Christen, und kann daraus wohl j leicht die außergewöhnlich hohe Selbstmordziffer von 5,0 pro 10 000 i erklärt werden.

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