Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1905)
- Article
- Die ökonomische Lage der jüdischen Kolonieen in Palästina
- Date
- 1905-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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- 5 - haben, ein sehr großer: er beträgt die Hälfte und j sogar 4/5 sämtlicher Kolonisten. Das ISTicht- : Vorhandensein lebenden Inventars bei einem so j großen Prozentsatz von Kolonisten ist entschieden } als ein großer Mangel der Kolonieen zu bezeichnen, j Im Abschnitte über die Einkünfte der Koloj nisten betrachtet Ettinger zuerst die Erträge des Weinbaues. Die Kosten des Anbaues eines Dunam mit Trauben veranschlagt Ettinger auf 15 Fr., die Bruttoeinnahme auf 35 Fr. und den j reinen Ertrag auf 20 Fr. Wenn wir noch die j verschiedenen Steuern und Abgaben abziehen, j die in Palästina sehr hoch sind, so stellt sich der ] Reinertrag auf 15 Fr. Die durchschnittliche | Größe des Weinbergs in Palästina beträgt 55,7 ] Dunam, es ergibt sich also, daß der ganze Er- ] trag eines Weinbergs sich auf 850 Fr. stellt, j ein Betrag, der als ziemlich niedrig bezeichnet werden muß. In nicht besserer Lage befinden sich diejenigen Kolonien, die dem Ackerbau obliegen. Besondere Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht verdient die Arbeiter-Kolonie Kastinie, die von den vereinigten Palästina-Kolonisations-Vereinen gegründet ist. Die Meinung der Rotkschild'schen Administration lief darauf hinaus7 daß der Ackerbau eine vollständig ungeeignete Beschäftigung für die Kolonisten sei. Aber die durchaus nicht glänzenden Resultate, die beim Weinbau erzielt waren, riefen in den neunziger Jahren eine Reaktion gegen den Gartenbau hervor. So kam es, daß die Gründer der Kolonie Kastinie sich mit dem Gedanken trugen, regelrechte Bauern zu schaffen, die Ackerbau und Viehzucht treiben sollten. Aber ihre Hoffnungen sind nicht in Erfüllung gegangen. „Im gegebenen Moment", sagt Ettinger, „steht die Kolonie Kastinie nicht nur nicht höher als die anderen Kolonien, sondern in vielen Hinsichten sogar viel niedriger." Die übrigen Kolonien, die ausschließlich Ackerbau treiben, befinden sich in Galiläa. Auch ihre ökonomische Lage kann nicht befriedigend genannt werden. Der Grund dieses Mißstandes liegt in den kleinen Landanteilen und in der Einförmigkeit der Kulturen. Die durchschnittliche Größe der Bodenfläche, die in Palästina notwendig ist, um eine befriedigende Wirtschaft zu führen, beträgt 300—400 Dunam; dagegen sind in fünf rein ackerbauenden Kolonien, faßt bei der Hälfte der Kolonisten Anteile von geringerem Umfange als 250 Dunam anzutreffen. Das Ergebnis der Landwirtschaft hat klipp und klar bewiesen, daß es eine Sache der Unmöglichkeit ist, in Palästina mit einem einzigen Zweige des Landbaues zu wirtschaften, daß vielmehr die verschiedensten Kulturen vereint werden müssen. Die jüdischen Kolonisten fallen von einem Extrem ins andere, indem sie sich bald nur dem Ackerbau hingeben, bald nur dem Weinbau. Daher werden solche ungünstige Resultate erzielt. Tabelle XL .5 .5 - j - - - 1 5* ' c T- 5 o 5 _~ ■ 11 T. «S '? 03 - £: 7 =5 u Jl Ausgaben h£ 3; c o; :S 5 CffS erbav Motu et £3 _L i -r 3 3 'B T: S O "3 z) ■ -2^ £ 3 Ii S*^ (in Pres.) ]» ~Z M i o £ C CJ jSjU : o X *-* O < < für > < < < Die Zahl der See len 7 i 7 6! 6 4 5 8 5;> Getreide . 420 347 290 200 214 214 222 226 111 Fleisch u. Fische. . 255 247 150 110 179 75 137 40 64 Fette . . . 56 72 66 76 38 45 62 36 26 Milchprod. | u. Eier. . 190 110 i 210 220 150 180 118 10 22 Gemüse u. Früchte . 98 86 i 128 60 50 47 94 110 54 22 Gewürze . 29 52 I 63 42 37 33 18 22 Zucker . . 42 85 1 96 80 40 40 48 24 28 Getränke. 55 56 64 55 20 21 38 16 7 Tabak . . 50 48! 24 30 40 _ 18 _ 18 Kleider. . 827 269! 414 282 225 239 120 25 60 Medicin. . 69 331 | 49 99 30 878 55 26 34 Wohnung 143 156 1125 197 60 66 80 20 99 Fahrten . 20 40! 60 20 30 18 — — — Schule . . 275 200 1 6 — — 4 12 — — Geistige i Bedürfn. 112 44! 63 110 42 8 4; 2 — Insgesamt 217l|2143jl808|l587|ll55|l073|l026|557!ö43 Der Autor führt uns 9 charakteristische Budgets jüdischer Kolonisten vor. Obgleich diese Zahl nicht groß ist, läßt sich doch aus den Budgets der Grad, in welchem die jüdischen Kolonisten ihre Bedürfnisse befriedigen, mit annähernder Sicherheit erschließen. In Tabelle 11 sind die 9 Budgets zusammengestellt und zeigen an, wieviel jede Familie für ihre verschiedensten Bedürfnisse verausgabt. Um eine richtige Vor-