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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Die Auserwähltheit der Juden im Lichte der Biologie
Date
1905-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 hoch bevorzugt, aber darum auch bestimmt, sie zu Teilnehmern zu machen an dem Besten, was es selbst yon Jahve empfangen hat."*) Ueberhebung, Stolz und Eitelkeit stehen demnach in direktem Gegensatz zur eigentlichen Berufung Israels und zu dem geistig-moralischen Charakter, welcher der Nation von ihren Führern als Ideal vorgehalten wurde. Darum haben sich die Lehrer des Mosaismus in den späteren Epochen bemüht, in die Gemüter des Volkes Einsicht und Bescheidenheit zu pflanzen. III. Ist diese erzieherische Arbeit auch keineswegs als abgeschlossen und gelungen zu betrachten, treibt auch der Rassenhochmut der Juden in Verkennung der Pflichten der Auswähltheit bis heute seine Blüten, so hat doch die Idee der Auserwähitheit im mosaischen Sinne einen unverkennbaren positiven Einfluß auf die Geschichte und Gestaltung des jüdischen Stammes ausgeübt. Als erstes und frappantestes biologisches Ergebnis dieser Idee tritt uns die Tatsache des Bestehens und der noch immer ungewöhnlichen Lebens- und Reproduktionskraft der Juden entgegen. Der mosaische Gedanke eines „ewigen Volkes" scheint sich verwirklichen zu wollen. Dies allein weist schon darauf hin, daß die Auserwähitheit der Juden etwas Anderes und Tieferes ist, als der gewöhnliche Rassenstolz, der andere viel mächtigere Völker vor dem Untergange nicht zu bewahren vermochte. Sie erreichte den ewigen Bestand des jüdischen Volkes durch die biologischen Wirkungen ihres intellektuellen Zieles und ihres moralischen Gebotes. Aus der Pflicht eines reinen und heiligen Lebens ergab sich in physiologischem Sinne ein gesundes und lange währendes Leben. Der Mosaismus ließ es sich bekanntlich angelegen sein, diese Konsequenz auf's Klarste zu ziehen, indem er strenge Speise- und Ehegesetze erließ, demnach die zwei physiologischen Hauptfunktionen der Ernährung und Reproduktion in mustergiltiger Weise regelte. Nicht minder sorgsam *) A. lü! o neu. ..Volksreüirion mvl Vvellreligion." Deutsche Ausmalte, Aerius is-:;. S. wurde die geistige Erziehung des Vol&es organisiert, indem die mosaische Lehre alle ihre Bekenner zum Studium des Gesetzes verpflichtete. Gleichzeitig wurde dadurch der moralische Sinn gepflegt: denn das Studium des Gesetzes impfte nicht nur die Gebote der Familien- und Nächstenliebe den breiten Volksschichten ein, sondern brachte ihnen auch die besondere moralische Berufung Israels zum Bewußtsein. Und zweifellos hat trotz der Epochen des Abfalls: während des jahrtausendelangen Bestandes des jüdischen Volkes diese Idee in hervorragendstem Maße erzieherisch gewirkt. Wurde so durch die zielbewußten Anstrengungen zahlreicher Generationen von Denkern und Politikern ein Volk von reinem, weder durch venerische Krankheiten noch durch Alkohol vergiftetem Blute, von ausgeprägtem Familiensinn, eingewurzelter Gewohnheit zum tugendhaften Leben, ungewöhnlicher geistiger Regsamkeit und idealer Geistesrichtung herangezüchtet, so war es eine selbstverständliche ergänzende Maßregel, daß diese höchsten ethischen Schätze nicht der Vernichtung auf dem Wege der Vermischung mit minder sorgfältig gezüchteten Rassen preisgegeben wurden. Das Verbot der Mischehen bewirkte es, daß der erste rassenbildende Faktor, die Vererbung, seine Wirkungskraft in höchster Potenz betätigen konnte, indem die angedeuteten Vorzüge nicht nur unvermindert von Generation auf Generation übergingen, sondern dank der Inzucht sich stetig steigerten. So erst konnte das Volk entstehen, welches Ibsen den „Adel der Menschheit" nennt. Keineswegs aber wurde durch diese volle Wirkung der Vererbung der zweite Faktor, die Anpassung, gelähmt und die Entwicklung ausgeschlossen. Das durch die Idee der Auserwähitheit gesteckte Ziel, die stetige Vervollkommnung, involvierte die Entwicklung. Und dem entsprechend war vor allem die jüdische Lehre, dieses vornehmste Instrument der Rassenbildung, von Anfang an so angelegt, daß sie vor aller Erstarrung bewahrt bleiben und unablässiger zeitgemäßer Umgestaltung entgegengeführt werden mußte. Die geistigen Führer jedes Zeitalters haben dieses Werk zu besorgen (Deuter. 17,9—11),

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