Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Auserwähltheit der Juden im Lichte der Biologie
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-3187624-3187628-3188042--0093-3188066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 5 - Andererseits aber ergab sich aus dem Eingen nach dem ewigen Bestände, das ebenfalls ein Gebot der Auserwähltheit war. eine in der Menschheitsgeschichte fast beispiellose j Zuchtwahl. In dem Daseinskämpfe der Nation, i die durch Schwert und Feuer, durch den härtesten j wirtschaftlichen und moralischen Druck und durch j stetige Abfallsverlockungen in ihrem Gefüge er- | schlittert wurde, konnten sich nur die geistig i und moralisch stärksten und physisch zähesten; Individuen erhalten und fortpflanzen: jene, die I im höchsten Maße eine das Dasein nicht gej fährdende, sondern sichernde Kunst der Anpassung | besaßen. Und darum gilt bis heute das jüdische | Volk geradezu als das anpassungsfähigste. j Ein Blick auf die Geschichte der Juden gej nügt, um uns über seine unablässige Entwicklung j in Anpassung an die aufeinanderfolgenden Kultureii der Menschheit zu belehren. Denken wir an das babylonische und das alexandriniscbe Judentum, an das spanische und deutsche. Betrachten wir die Juden des europäischen Ostens und ihre Umgestaltung unter dem Einflüsse der amerikanischen Kultur. Ohne ihr Wesen, das sorgsam gehütete Erbe der früheren Generationen, aufzugeben, schreiten die Juden, Hand in Hand mit anderen Völkern, in steter Entwicklung den großen Zielen der Menschheit zu. Daß sie es mit vollem Bewußtsein tun, daß sie sich von der Geschichte nicht treiben lassen, sondern sie zu beeinflussen trachten, darin gipfelt die Idee ihrer Auserwähltheit und aus diesem Gesichtspunkte sind die biologischen Wirkungen dieser Idee zu erklären. von t! Oes HiFHiewiGfif der Joden. Dr. Richard Weinberg, Privatdocent an der Universität Dorpat. Die nationalen- und Stammeseigentümlichkeiten der Juden sind bekanntlich bereits von zahlreichen Forschern und nach verschiedenen Richtungen hin behandelt worden. Auch die anatomische Anthropologie hat vielfach versucht, sich des Gegenstandes zu bemächtigen. Seit Blumenbach, Pruner Bey und H. Welcher, auf die die ersten tatsächlichen Feststellungen auf diesem Gebiete zurückführen, sind die Beobachter, bewaffnet mit Zirkel und Meßband, immer tiefer in den Rassenkörper des jüdischen Volkes vorgedrungen. Es ist eine Fülle von Tatsachen und Ergebnissen gewonnen worden, die hoffentlich einmal reiche Früchte tragen, wenn es erst gelingt, in dem weitverzweigten Material das wesentliche vom nebensächlichen zu scheiden und bei seiner Darstellung mit begründeten Methoden nach einheitlichen Gesichtspunkten vorzugeben. Schon jetzt liegen namentlich aus dem Osten und Südosten unseres Kontinents, neuerdings jedoch auch aus Amerika mehrere statistische Massenerhebungen vor, die auf eine systematische Ermittelung des allgemeinen körperlichen Signalements, der Kopfformen, der Piginentverhiiitnisse, der Gliederproportionen hinzielen und selbst gewisse physiologische und pathologische Beziehungen in sich begreifen. Immerhin ist zu gestehen, daß die bisherige Forschung hier noch ganz im Vorhof des zu ergründenden Rassenorganismus sich bewegt hat. Seine inneren Gemächer, jenes Allerheiiigste, das in verschlungenen Zügen von Gehirnwindungen, in einem wunderbaren Gefüge zarter Nervenmassen, in labyrinthischen Systemen und Geästen von Zellen und Fasern die erhabensten Rätsel des Menschengeistes umschließt, ist nie eröffnet und erhellt worden. Selbst begeisterte und unerschrockene Forscher haben es nicht gewagt, sich ihm zu nähern und an seine Pforten zu klopfen. Und doch ist es wahr, daß nirgends anders als im Gehirn die „Geburtsstätte" der Menschheitsgeschichte ihren Platz hat, die Wiege der Kunst und jenes mysteriöse Brautbett, worauf Seele und Leib, die Götter des Lichts und die Kinder der Natur ihre Orgien feiern (Reil); daß n%ht bloß die Schicksale der Individuen, sondern ebenso die Vergangenheit und Zukunft ganzer Stämme und organischer