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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 3

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die jüdische Auserwählungsidee und ihre biologische Bedeutung
Date
1905-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 - Rasse" ein. Der Bassen stolz ist eine fast allen Völkern der Erde eigene Empfindung. Nur sich selbst hielten die Aegypter für Menschen (romet)l): allbekannt ist der Gegensatz, den der Grieche zwischen sich und dem Barbaren sah. Dem j Spanier kann einer ein wackerer Mann sein, auch j wenn er nicht das Glück hat, in Spanien geboren \ zu sein. Bochara ist das Paris der Mittel- I asiaten2). Die Manaos am oberen Rio Negro I nennen sich selbst die „Echten"3) u. s. w. j Der (unbegründete) Bassenstolz an und für j sich ist somit noch nicht biogenetisch gewertet, j obwohl er natürlich in den weitaus meisten j Fällen nachteilig sein wird. Dieser Nachteil wird praktisch um so größer sein, je mehr ein Volk Beibungen mit anderen Völkern ausgesatzt ist. Das war speziell der Fall bei den Juden durch die geographische Lage ihres Landes, durch das die große Heerstraße von Asien nach Afrika führt. Und der Bassenstolz war oder besser wurde unermeßlich groß, insofern der Bassenstolz bei den Juden sich zu . einer spezifizierten Form, der Auserwählungsidee, umprägte, die sich als starres Glaubensdogma so zäh vererbte, weil sie die Eitelkeit der Gesamtheit wie die des Einzelnen kitzelte. In der Auserwählungsidee lag nun zugleich eine absolute Ausschließlichkeit, die praktisch betätigt wurde durch strenge endogamische Gesetze innerhalb des Volkes, durch Verachtung und Grausamkeit gegen die anderen Völker. Der Bassenstolz erzeugte den Bassenhaß in seiner schärfsten Form — die Folge war der dauernde Rassenkampf. Das Wort, das Exodus 12,8 für „fremd" gebraucht wird, nakir, hat im Assyrischen stets die speziellere Bedeutung „Feind"4). Das jüdische Volk stand prinzipiell im Kampf gegen die ganze Welt: naturgemäß deshalb auch die ganze Welt gegen das jüdische Volk. Der Kampf endete mit der Zerstörung Jerusalems und der Vernichtung des Reiches, als den Römern auf ihrem Siegeszuge die früheren Gründe der Staatsklugheit keine Bücksicht gegen die Juden mehr auferlegten.!) Erman, Aegypten, p. 56. : 2) Vamoery, Skizzen aus Mittelasien, p. 131. j y) Martins, Rechtszustand, p. 11. 4) Schräder. Keilinschriften and altes Testament, p 6-1. Und dennoch blieben die Juden auch in der Zerstreuung Juden bis auf den heutigen Tag — kraft ihrer Auserwählungsidee. Sie war der Kernpunkt der jüdischen Bassencharaktere, sie benahm ihm durch ihre Ausschließlichkeit die Möglichkeit der Anpassung, die Variabilität. Als Jesaias als erster den Gedanken der Weltgeschichte erfaßte, erfaßte er zugleich die Notwendigkeit alles Geschehenden als den Ausfluß eines heiligen göttlichen Willens und versperrte damit seinem Volke die aktive Teilnahme an der Weltgeschichte. Das Christentum ist nicht ein Sprößling des Judentums; es ging hervor aus der Beaktion gegen die geistige Unfreiheit des Judentums, Der Inder sieht den Hauptunterschied zwischen Mensch und Tier in der Gerechtigkeit: Güte haben auch die Tiere1). Gerechtigkeit ist die Empfindung der ideellen Beciprocität im Menschenverkehr. Der ideellen Beciprocität entspricht in der Kindheit der Völker die materielle, d. h. Bechts* grundsatz ist: Auge um Auge. Zahn um Zahn. So lehrten die Manichäer2), daß die Seelen der Ackerbauer in Kräuter übergingen, in Getreide und Gemüse, damit sie ihrerseits gemäht und abgeschnitten werden. Die Brotbäcker werden zu Brot werden und selbst gegessen. Wer ein Huhn tötet, wird selbst zum Huhn, wer eine Batte tötet, zur Batte. In den buddhistischen Tempeln Siams ist oft die Strafe für das Fischen abgebildet; der Fischer wird von Dämonen mit Angelhaken aus einem Pechpfuhl gefischt. Auf dem gleichen Bechtsgrundsatz beruht die Blutrache, wie sie allenthalben geübt wird. Ein Häuptling in Wadai verteidigte damit seinen eigenen Kannibalismus, da ihm ja sonst das Schicksal, von andern aufgefressen zu werden, drohenj. In Togo4) wird der Mörder mit den Waffen umgebracht, mit denen er selbst gemordet, die brasilianischen Indianer suchen dem Mörder dieselben Wunden zu schlagen, an denen der Ermordete starb5). Das Judentum verharrte auf diesem Bechtsgrundsatz des „Auge um Auge, J) Kern. Buddhismus. I, 538. 2) Bastian, Völker der östl. Asien. If. 15. 3) Bnch des Sudan, übs. von Rosfn. 1847. p. 45. 4) Mitteilungen von Forschnngsreisenden etc. II, 77. 5) Martins, Rechtszustand, p. 75.

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