Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Die jüdische Auserwählungsidee und ihre biologische Bedeutung
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Gesetzen der allgemeinen Biologie in ihrer speziellen Anwendung und ümdeutung auf die Anthropologie aufbaut. Und somit ist auch die Geschichte des Judentums nicht mehr ein Produkt von Einwirkungen irgend eines außerhalb der Erde stellenden Gottes auf die Masse des Volkes, die gleichsam nur ein passives Plasma für den moralisch sich selbst bestimmenden göttlichen Künstler darstellt, sondern sie ist das Produkt der Fähigkeiten und Ansprüche, die das Volk selbst von der Geburt an mitbrachte, die sich in seinen Individuen durch Vererbung lebendig erhielten. Da nun aber kein Volk der Erde isoliert lebt und leben kann, so kommt noch ein zweites geschichtsbestimmendes Element hinzu: die Berührung und Eeibung mit der übrigen Menschheit der Erde, die Anpassung an dieselbe. AVollen wir es gleich vorweg nehmen: die Fähigkeit zu solcher Anpassung, die Variabilität fehlte dem jüdischen Volke durch die in eisernen Reifen ewig gleichmäßig erhaltene Vererbung seiner spezifischen Rassen Charaktere. Und da die Psyche eines Volkes im innigsten Zusammenhang mit seiner physiologischen Begabung steht, so war die Psyche des jüdischen Volkes von vornherein zu einer stagnationsartigen zeitlichen Gleichförmigkeit verurteilt. Selbstverständlich wirkt aber auch die Psyche rückwärts auf den Körper — hier in gleichem Sinne ewiger Einförmigkeit. Die Geschichte des Judentums ist Tradition, nicht Fortschritt (Teleosis). Bei der Betrachtung der jüdischen Klassencharaktere fällt einer vor allem auf, der der Eckstein der Entwicklung und Bestimmung des Volkes geworden ist: die Theorie der Auserwählung. Es ist hier nicht der Ort, diese Idee geschichtlich darzulegen, all ihren Auswüchsen bis zu der grotesken Übertreibung im Pharisäertum zu folgen. Sie hat für uns Wert als biologisches Element, als übermächtigster Faktor zur Bestimmung der Lebensführung des jüdischen Volkes. So einzigartig sie hier erscheint in der allgemeinen schroffen Hervorkehrung und bizarren Karrikierung, so wenig ist sie trotz alledem ein Spezialgut oder besser Spezialübel der Juden. Genesis 12;2 zeigt deutlich, was der ursprüngliche wesentliche Inhalt der ganzen Vorstellung gewesen. Auf zwei Wegen kann die Expansion eines Volkes erfolgen: durch Unterwerfung der Nachbarn im Kriege auf indirekte Weise, auf direkte Weise friedlich durch Fruchtbarkeit und Vermehrung des eigenen Stammes. Nur auf letzterem Wege konnte das arme kleine Völkchen der Israeliten hoffen, sich auszubreiten, sich Achtung und Anerkennung und Geltung in der Weltgeschichte zu verschaffen, wenn es seinem Nationalstolz genügen wollte. In der Erkenntnis der Möglichkeit dieses Weges liegt ein besonderer Vorzug des Judentums gegenüber der brutalen Art aller anderen "gleichzeitigen Völker: und insofern hat die Auserwähkmgsidee ihre Berechtigung. Daß dieser Weg nicht allzulange beschritten werden konnte, daß er praktisch eigentlich überhaupt unmöglich ist, ändert daran nichts. Auch dem Christentum liegt ja diese Utopie zu Grunde; und dennoch haben seine Glaubensapostel nicht lange ihr nachgestrebt, der andere Weg war kürzer und führte darum schneller zum Ziel: kaum 120 Jahre nach der Eroberung Granadas war die vielhundertjährige Kultur der spanischen Mauren völlig vernichtet. Die Auserwählungsidee dominiert im Judentum so übermächtig, daß alle anderen Rassencharaktere dagegen zurücktreten. Ihre Wurzel liegt in dem „Rassenstolz." Auf ererbten Vorzügen beruht die Tüchtigkeit einer Rasse. Aber den Individuen der Rasse sind nicht diese allein lieb und wert. Das Rassengefühl kennt nur die Gesamtheit der Eigenschaften, gleichviel ob es vorteilhafte oder nachteilige sind. Es weiß, daß seine Rasse eben durch die Gesamtheit derselben als eines alt er erbten Besitzes sich heute wie einst von allen anderen Rassen unterscheidet und (scheinbar oder wirklich) dadurch auszeichnet. Diese Empfindung habe ich als Rassenstolz1) deliniert. So ist es einleuchtend, daß auch die Auserwählungsidee sich zäh erhielt: denn nur auf ihrer Vererbung beruht ihr Wert für den Rassenstolz. Wie ich aber eben schon angedeutet, schließt der Rassenstolz noch nicht die „Tüchtigkeit der J) Michaelis; Prinzipien der natürlichen und sozialen Knt- 'vvicklungsgeschichte dos Menschen. Jena 19:4. § 19.