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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die jüdische Auserwählungsidee und ihre biologische Bedeutung
Date
1905-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 ~ Zaim um Zahn". Und da er von Jehovah selbst geoöenbart worden war, da Jehovah nach ihm handelte seinem eigenen Volk gegenüber, so ward er ein integrierender Bestandteil jener Auserwählungsidee, die an sich schon die Anpassungsfähigkeit unterband. Was noch etwa gefehlt hätte, leistete dieser starre Rechtsgrundsatz, dessen Wesen ja der Ausschluß jeden Nachgebens auch nur um Haaresbreite ist. Als dann nach der Zerstörung Jerusalems dem Juden die außerpolitische Tätigkeit genommen war, ward dieser Rechtsgrundsatz zum Prinzip des innei politischen Lebens. Mit dem Zeitverlauf, der die Arbeit und ihre Ertrag, d. i. Geld allein zum Wertmesser des Individuums machte, legte er sich auf das einzige dem Juden offene Gewerbe, den Handel. So ward der Jude zum Schacherer. Die Möglichkeit der unveränderten Vererbung dieses Volkscharakters innerhalb des Judentums war selbst hier wieder schon durch diesen, d. h. die Auserwählungsidee, gegeben. Diese forderte den innigsten Familiensinn, wie er in Abrahams Patriarchat vorgebildet war. Dieser Familiensinn erhielt sich dauernd im Judentum auch unter den drückendsten Lagen: ich möchte diesbezüglich nur an das jüdischbocharische Gedicht Chudäidät erinnern. Erleichtert ward seine Erhaltung durch den Rassenhaß des Juden gegen den Nichtjuden und die Reaktion dazu, den Rassenhai] des Nichtjuden gegen den Juden. Letzterer führte zur Absperrung des Judentums ins Ghetto: der Jude nahm in der Wertschätzung seiner Gegner höchtens die Stelle einer race maudite, ähnlich den Cagots (bei Francisque Michel) ein. Diese Wertschätzung war aller Orten und aller Zeiten die gleiche; sie blieb unwandelbar, wie der Volkscharakter des Juden selbst es war und weil er es war. Daraus erklärt sich, daß noch heute uralte Beschuldigungen und Anklagen erhoben und geglaubt werden, wie besonders etwa die des Ritualmordes. Gern befassen sich auch die Sprichwörter ethnologischen Inhaltes mit den Juden; was deutsche Priameln behaupten: Trau keinem Juden bei seinem Eid, gibt Ibn Duraid nur in anderer Form: Doppelzüngiger als ein Jude. Und das Achacoso eomo judio en sabado gilt nicht nur in Spanien. Dbf allgemeine Jüdische ürbeiterbund (Sund) in Russland, Polen und Littauen. Von Esther Schneerson, Berlin. Der „Bund" ist eine sozialistisch-revolutionäre Organisation jüdischer Arbeiter in Russland, die heute ungefähr 30000 Mitglieder umfasst. Seinem Programm nach verfolgt der „Bund" ökonomische, politische und nationale Zwecke, die sich im Laufe seiner Entwicklung modifiziert und präzisiert haben, sodass man auf seine ersten Anfänge zurückgreifen muss, um seine Bedeutung richtig beurteilen zu können. Vorgeschichte. In der Mitte der achtziger Jahre sammelte sich ein Häuflein jüdischer Studenten und Studentinnen in der Hauptstadt Littauens, Wilna. Ein Teil von ihnen war von den Universitäten Moskau und Petersburg relegiert worden, die anderen waren von vornherein wegen mangelnden Wohnrechtes an den „Ansiedelungsrayon" gebannt. Eben noch war (in den Anfängen der Regierungszeit Alexander III) die revolutionäre Bewegung der „Narodnaja Wolja" mit blutiger Wucht zu Boden geschmettert worden, nnd schon erhob sich eine neue sozial-revolutionäre Doktrin, die sozialdemokratische, die auf dem westeuropäischen Marxismus basierte. Die Studenten und Studentinnen zu Wilna gaben sich den sozialdemokratischen Lehren mit aller Leidenschaft hin. Sie glaubten in der russischen Arbeitermasse, die zum Klassenbewußtsein erweckt werden sollte, die gewaltige Kraft zu finden, die die neuen Grundlagen der politischen Freiheit für 'Russland schaffen würde. Aber diese russische Arbeitermasse, der ihr Herz voll zugewandt war, war ihnen örtlich ganz entrückt. Gezwungen, wenn sie überhaupt tätig sein wollten, sich ihrer nächsten Umgebung zuzuwenden, wurden sie auf die jüdischen Arbeiter Wilnas aufmerksam und versuchten bald, sie durch Propaganda für die sozialdemokratische Arbeiterbewegung zu gewinnen und auszubilden. Der Typus des jüdischen Arbeiters unterscheidet sich wesentlich von dem des westeuropäischen oder russischen industriellen Arbeiterproletariers. Größere Fabriken gibt es im jüd. „Ansiedelungsrayon" nur in beschränktester Zahl.

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