Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Zur physischen Anthropologie der Juden
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- 8 - anatomischen Eigenschaften der alten Rasse ver-! schwinden zu machen. Jedenfalls sehen wir, daJ] in ganz Syrien und Kleinasien die alten Kurzschädel noch in einem, an verschiedenen Orten wechselnden Prozentsatz vertreten sind, im Ganzen vielleicht aber noch etwa 50°/ö der! heutigen Bevölkerung ausmachen. Man ist sich über diese Verhältnisse lange j nicht klar gewesen, besonders weil die wenigen S Kopfmessungen, die man überhaupt aus Vorder- Asien zur Verfügung hatte, in ganz ungeschickter Weise zur Bildung von Mittelzahlen verwandt wurden. Aus der Bevölkerung eines Landes A könnte man z. B. hundert Individuen herausgreifen, von denen etwa 40 extrem kurze Schädel haben, deren Breite zur Länge sich wie 90 zu 100 verhält, während 40 andere mit sehr langen und j schmalen Köpfen einen solchen „Längenbreitenj Index"„von nur 70 haben; die letzten 20 Leute konnten einen Index von 80 haben — jeder vernünftige Mensch würde aus solchen Zahlen schließen, daß die ersten 40 Menschen von einer j extrem kurzköpfigen Rasse abstammen, die zweiten , 40 von einer sehr langschädligen und die letzten : 20 vielleicht von einer dritten Rasse oder von Mischlingen aus den beiden anderen Elementen. \ Gewisse Anthroprologen aber haben aus diesen j Zahlen ein arithmetisches Mittel gezogen und j dann für die Bevölkerung A von einem durchj schnittlichen Längenbreiten-Index von 80 gesprochen. Fand sich nun in irgend einem benachbarten Lande B eine durchaus homogene Bevölkerung mit Indices, die nur zwischen 79 und 81 schwankten mit einer Mittelzah!, die auch 80 betrug, so war es für diese Gelehrten klar, j daß die Bevölkerung von A und die von B j identisch sein müsse. Dies ist in der Tat ganz j genau so töricht, als wollte man das Klima; zweier Länder nach ihrer mittleren Jahres- \ temperatur beurteilen. Irgend eine Wüstenj landschaft in Innerasien mit extrem hohen j Sommer-Temperaturen und extrem kaltem Winter kann das genau gleiche Jahresmittel haben mit einer Insel in Oceanien, auf der fortwährend, Tag und Nacht, im Winter und im Sommer immer gleichmäßig schöne Frühlingstemperatur herrscht. Es wtlrde Irrsinn sein, wollte man behaupten, daß diese beiden Landschaften mit dem gleichen Jahresmittel genau gleiches Klima haben — aber die Gleichstellung jener Bevölkerung von A mit der von B wegen der Uebereinstimmung der arithmetischen Mittel ihrer Indices würde nicht um ein Haar vernünftiger sein. Um diese Verhältnisse richtig beurteilen zu können, ist es durchaus nötig, sich erst einmal klar darüber zu werden, was geschieht, wenn Menschen mit extrem von einander verschiedenen körperlichen Eigenschaften sich vermischen. Theoretisch könnte man sagen, die Nachkommen x + y hätten die Eigenschaften —g— - weE2 x &e Eigenschaften des Vaters und y die Eigenschaften der Mutter bedeute. In der Praxis kann ein ähnliches Resultat vielleicht als arithmetisches Mittel aus einer sehr großen Zahl von Einzelbeobachtungen sich ergeben, für den einzelnen Fall selbst wird es so gut wie niemals zu erwarten sein. Unsere Erfahrung lehrt vielmehr, daß die Nachkommen aus einer solchen Ehe unter Umständen ganz die Eigenschaften von x oder die von y haben können, oder daß ihre x ~f* y Formel irgend wie zwischen x und —9— zu. liegen kommt. Wenn man Weißwein und Rotwein zusammengegossen hat, so kann keine Macht der Erde diese Mischung wieder in ihre alten Bestandteile zerlegen. Wenn man aber weiße und rotgefärbte Steinchen auch noch so innig unter einander mengt, wird es stets wiederum möglich sein, sie auseinander zu lesen, sofern nur etwa die roten Steinchen nicht allzusehr abgefärbt haben. Ganz ähnlich ist es bei Kreuzungen zwischen verschiedenen Typen; sie sind mit einem mechanischen Gemenge zu vergleichen, nicht mit einer chemischen Verbindung. Allerdings scheinen verschiedene Rassen sich bei Kreuzungen sehr verschieden zu verhalten; bei manchen Rassen kann jedes einzelne Produkt der Kreuzung tatsächlich sich mehr weniger stark der Formel x 4y —ö— nähern, bei anderen Rassen wird sich ein