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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Zur physischen Anthropologie der Juden
Date
1905-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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_ 4 —• sehr großer Prozentsatz von Kreuzungsprodukten finden, die fast rein als x oder als y zu definieren sind. Man wird also für manche Kassen von einer sehr geringen, für andere von einer sehr großen „Energie der Vererbung" reden können. Untersuchungen, die ich in Adalia, der alten Hauptstadt von Pamphylien im Südwest!. Kleinasien, angestellt habe, lassen es als wahrscheinlich erscheinen, daß unter der dortigen Bevölkerung griechisch-orthodoxen Glaubens Nachkommen der alten „armenoiden" Urbevölkerung und Nachkommen semitischer Einwanderer seit Jahrtausenden sich vermischt haben, ohne daß die beiden so verschiedenen Typen in einander aufgegangen wären. In jeder einzelnen Familie, die ich darauf hin untersuchen konnte; landen sich Kinder mit extremen Eigenschaften vom Typus x und andere mit extremen Eigenschaften y, Ja es kam vor, daß beide Eltern dem Typus x angehörten, die Kinder aber dem Typus y, oder umgekehrt. Ganz genau dasselbe zeigt sich in Tirol, wo wir ohne die allergeringste Schwierigkeit täglich eine große Anzahl von Familien beobachten können, deren Angehörige zum Teil der alpinen, zum Teil der nordeuropäischen Kasse angehören. Auch da finden sich zahlreiche Individuen vom Typus x oder y, deren Ascendenz einen Typus A hätte erwarten lassen. Ja ich kenne sogar Fälle aus Tirol und aus Adalia, in denen beide Eltern vollständig charakterlose Misch - Typen repräsentierten, während die Kinder trotzdem wieder ganz reine Typen aufwiesen. So ist es also klar, daß — wenigstens in einzelnen Fällen — auch latente Eigenschaften mit der größten Energie vererbt werden — eine Tatsache, die natürlich mit in die große Gruppe der als Atavismus zusammengefaßten Erscheinungen gehört. Allerdings gibt es auch Kassen, die viel leichter in einander aufgehen und zur Bildung neuer Typen, etwa in der Kichtung der arithmetischen Mittel zahlen zu neigen scheinen. Gerade in Mittel-Europa scheint vielfach die Energie der Vererbung gering zu sein und das Entstehen wirklicher „Misch - Typen" zu fördern. Es ist klar und braucht nicht erst unter Beweis gestellt zu werden, daß wir über die allerwichtigsten anthropologischen Verhältnisse so lange im unklaren bleiben wTerden, ehe nicht für eine große Menge von Kassen mit Sicherheit festgestellt sein wird, welcher Art die Energie ist, mit der ihre Angehörigen ihren Typus auch bei Mischheiraten auf ihre Nachkommen vererben. Hier mitzuarbeiten ist jeder berufen, der Augen hat, zu sehen. In erster Linie sind hierzu aber Aerzte auserwählt, die im Stande sind, die körperlichen und auch die geistigen Eigenschaften ihrer Patienten durch mehrere Generationen hindurch zu verfolgen und schriftlich festzulegen. Nur aus einer großen Anzahl von zuverlässigen Einzelbeobachtnngen werden wir einmal im Stande sein. Vererbungsgesetze wirklich zu erkennen, die wir einstweilen nur ahnen. Ganz besonders auch über die Entstehung der Blonden werden wir so mit der Zeit hoffen j dürfen, etwas mehr zu erfahren, als uns gegen-! wärtig bekannt ist. | Ich selbst habe früher einmal versucht, die I rund 11 °/0 Blonden, die wir in Syrien und daher | auch unter den modernen europäischen Juden I finden, auf eine alte Einwanderung blonder Nord- | europäer in Vorderasien zu beziehen — es schiene | mir wichtig, durch eine auf breiter statistischer i Basis stehende neue Untersuchung auch diese | Vermutung einer strengen Nachprüfung zu | unterziehen. I Aber auch für zahllose andere Fragen | können wir aus statistischen Untersuchungen | über die Juden wichtige Aufschlüsse allgemeiner j Art und reiche Belehrung für die physische | Anthropologie erwarten; ich habe deshalb die Nachricht von der Gründung dieser neuen Zeitschrift mit doppelter Freude begrüßt und rufe ihr hier ein hoffnungsfrohes vivat, crescat, floreat zu.

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