Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Zur physischen Anthropologie der Juden
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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saminen, deren Sprachen untereinander auf das engsie verwandt sind. Mit ihrem strengen Trilitteralismus, mit ihrer außerordentlich ebenmäßigen Grammatik und mit ihrem einheitlichen Wortschatz hängen diese Sprachen untereinander j wohl noch sehr viel enger zusammen, als dies j etwa die arischen Sprachzweige tun. Aber schon j die alJereinfachste Betrachtung der Schädelformen j und des allgemeinen Habitus lehrt uns, daß dieser j sprachlichen Einheit eine somatische lieberem- | Stimmung nicht entspricht. Zudem sehen wir, j daß schon in der allerältesteu Zeit in Babylonien j unter den Summeriern und Akkadiern neben | einem semitischen auch ein fremdes, nicht- I semitisches Element auftritt, das wir jetzt auch! sprachlich kennen zu lernen beginnen. i Ich habe schon in Ulm berichtet und ich bin heute mehr als je davon überzeugt, daß nur die Wüstenaraber, die echten Beduinen, als wirklich rassenreine Semiten betrachtet werden dürfen. Alle anderen semitisch redenden Völker, die Babylonier, die Assyrer, die Hebräer, die Phö-! nizier, die Aramäer, die Abessinier u. s. w. sind mehr oder weniger stark mit fremden Elementen vermischt. Lange und verhältnismäßig schmale Köpfe sind nun eine hervorragende Eigenschaft der heutigen Beduinen und wir sehen auf alt-; aegyptischen Denkmälern, daß die Beduinen von! damals schon gerade so aussehen wie die Bej duinen von heute. Vor allem sehen wir, daß | diese rassenreinen Semiten immer eine kurze, j kleine und wrenig gebogene Nase haben., die in j jeder Beziehung das Gegenteil von dem ist, wras der Laie gegenwärtig als ..echte Judennaseu zu bezeichnen liebt. Solche echten Judennasen aber und gleichj zeitig ganz extrem kurze, hohe und schmale Schädel, finden wir schon im frühesten Altertum in Vorderasien auf Denkmälern abgebildet, die; dem hethitischen Kulturkreise angehören. Ganz besonders typische Reliefs dieser Art habe ich in Sendschirli ausgegraben und im dritten Hefte der „Ausgrabungen in Sendschirliauf Tafel 40, 41 und 42 veröffentlicht. Diese Bildwerke gehören ungefähr der Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends an und sind zweifellos typisch für die ganze Bevölkerung von Vorder asien um diese Zeit. "Wenigstens sehen wir, daß vielfach m Syrien und in Kleinasien sich ähnliche Typen bis auf den heutigen Tag erhalten haben und zwar überall da, wo äußere Umstände dem Zuströmen fremder Elemente ungünstig waren. So sehen wir, daß in schwer zugänglichen Hochgebirgsdörfera, in weit abseits vom allgemeinen Verkehre gelegenen Sumpf landschaften und ebenso in einzelnen alt - aristokratischen Familien und unter in sich abgeschlossenen Sekten sich dieser alte Typus sehr viel zahlreicher findet als in der. großen Städten, an Küstenorten und in den großen Flußniederungen. Besonders rein hat sich diese Rasse auch unter den heutigen Armeniern erhalten, die etwa zu 90°/0 durch extrem kurze, breite und hohe Köpfe und durch eine sehr große und schmale Nase ausgezeichnet sind. Vereinzelt linden wir die gleichen Typen allerdings auch unter der heutigen griechischen und mohammedanischen Bevölkerung, aber immer als verhältnismäßig seltene und am einfachsten durch Atavismus zu erklärende Formen. Der wirkliche Sachverhalt ist wahrscheinlich der, daß wir ursprünglich für ganz Vorderasien eine vollkommen einheitliche und ungemischte Bevölkerung anzunehmen haben, die genau so aussah wie heute die große Mehrheit der Armenier. — Diese alten Vorderasiaten redeten und schrieben Sprachen, die uns im einzelnen bisher nur unvollkommen bekannt sind. Besonders die verschiedenen Versuche, hethitische Inschriften zu lesen, sind bisher noch nicht von ein ein ganz durchschlagenden Erfolge begleitet gewesen, aber eins steht doch als unumstößliche Tatsache fest, daß diese Sprache keine semitische war. Zu dieser einheitlichen und in sich geschlossenen, jedenfalls nicht semitischen Bevölkerung kam nun etwa um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends ein Strom semitischer Einwanderer, für den Abraham als Heros eponymos zu gelten hat. Wie groß oder wne klein die Zahl der ersten semitischen Einwanderer in Syrien gewesen ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls war sie groß genug, um der eingeborenen Bevölkerung eine neue Schrift, eine neue Religion und eine neue Sprache aufzuzwingen, aber sie war zu klein, um auch die