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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 63

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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Stützung des ärztlichen Hilfswerks der Waldemar- und Helene-Meyer-Stiftung ein aufschlußreiches statistisches Werk entstanden. Die Verfasser haben sich der großen Mühe unterzogen, 14 083 Todesfälle in der jüdischen Gemeinde Berlins aus den Jahren 1924—1926 und 1932—1934 zu verarbeiten. Sie haben dann zum erstenmal eine jüdische Statistik aufgestellt, die ihre Schlüsse nicht aus den absoluten Zahlen, sondern aus der Vergleichung mit den Zahlen einer „Normalbevölkerung" (Standardbevölkerung) zieht. Leider konnten sie noch nicht die vollkommene Standardisierung der rohen Ziffern durchführen, mußten sich vielmehr mit der Einstellung auf Altersgleichheit begnügen und die Verschiedenheit der sozialen und beruflichen Struktur und andere Momente noch unberücksicht lassen. Für die Jahre 1932—1934 war auch nicht einmal der Altersaufbau der Berliner Juden festzustellen. Die Standardziffern aus diesen Jahren können daher nur aus der Analogie mit den Ergebnissen der Jahre 1924—1926 hergeleitet werden; denn für diese Epoche läßt sich aus Silbergleits Werk „Die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden'1 der Altersaufbau der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung gegenüberstellen. Aber die statistische Deutung der Zahlen geschah nicht etwa durch Vergleichung mit den allgemeinen Berliner Sterbeziffern, da in jener Zeit auch die nichtjüdische Bevölkerung Berlins bereits an Überalterung litt, sondern mit der Reichsbevölkerung von 1910, die noch den normalen Altersaufbau zeigt: ein Drittel Kinder, die Hälfte Eltern, ein Sechstel Großeltern. Zur Beleuchtung der Situation sei darauf hingewiesen, daß schon bei den Berliner Juden von 1925 die Großelternquote erheblich über der Kinderquote liegt. Das bedeutet: Überalterung der jüdischen Bevölkerung mit einem jährlichen Sterbe-Überschuß. Da seit 1933 durch starke Auswanderung der Jugend die Überalterung gewaltig zugenommen hat, dürfte der Untergang des Judentums in Deutschland kaum noch aufzuhalten sein. Was nun zunächst die Gesamtsterblichkeit der Juden in Berlin betrifft, so war sie in den für die Statistik herangezogenen Zeiträumen günstiger als bei der nichtjüdischen Bevölkerung. Merkwürdigerweise wird in Statistiken, die Heinrich Singer in seiner „Allgemeinen und speziellen Krankheitslehre der Juden" schon vor mehr als dreißig Jahren veröffentlicht hat, ebenfalls die günstige Sterbeziffer der Juden hervorgehoben, und zwar sowohl in Amerika als auch in Rußland, Polen, Ungarn usw. Auch aus der preußischen Statistik von 1881 bis 1901 geht hervor, daß in jedem dieser zwanzig Jahre die Sterbeziffer der Juden weit unter der der Gesamtbevölkerung lag. Besonders gut schneidet bei uns die Kindersterblichkeit ab, sowohl nach älteren Statistiken als auch nach der von Goldmann und WolfL Dagegen wird die Sterbeziffer der Juden vom 50. Lebensjahre an relativ höher. Die Autoren vermuten, daß hierfür die große Zahl ortsfremder Greise verantwortlich sei, die in Berliner Krankenanstalten sterben. Daraus sei auch die hohe absolute Zahl der Todesfälle trotz günstiger Sterbeziffern der Kleinkinder und Jugendlichen zu erklären. Betrachtet man nun die wichtigsten Krankheiten, die als Todesursachen in Frage kommen, so forderte die Tuberkulose unter den Juden kaum halb so viele Opfer wie unter der nichtjüdischen (^Bevölkerung. Auch die Sterbeziffer an bösartigen Geschwülsten war bei den Juden unter Berücksichtigung des Altersaufbaus niedriger als bei den Nichtjuden. Die Todesfälle an Erkrankungen der Atmaingsorgane (ohne Tbc) zeigten keine erheblichen Unterschiede. Jedoch starben relativ mehr Juden an Zuckerkrankheit, wenn auch die Zahl lange nicht so hoch ist, wie vielfach angenommen wird. Es starben jüdische Männer nur 1,4 mal und jüdische Frauen nur 1,7 mal so oft an Diabetes wie Männer und Frauen der Gesamt-, bevölkerung. 144

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