Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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enthält mehr, als der Titel verspricht. Denn in kurzer und übersichtlicher Form werden zunächst die geschichtlichen und begrifflichen Grundlagen des gesamten jüdischen Minderheitenrechts behandelt, und der Verfasser beschränkt seine Ausführungen nicht — wie etwa in der im Jahre 1924 von Georg Landauer zum gleichen Thema erschienenen Schrift — auf die Angelegenheiten der Ostjuden. Vielmehr geht Stillschweig bei Schilderung der historischen Zusammenhänge auch auf die Lage der Westjuden ein und befaßt sich gelegentlich mit dem Genfer Abkommen, soweit es die Lage der Juden in Oberschlesien betrifft. Ausführliche Schrifttumsangaben, die eine sorgfältige und gründliche Arbeit des Verfassers erkennen lassen, sind geeignete Wegweiser zu weiterem Studium. Besonders verdient hervorgehoben zu werden, daß Stillschweig sich nicht mit historischen Ausführungen begnügt, sondern es auch an gelegentlichen Ausblicken nicht fehlen läßt. Dies konnte leider nur andeutungsweise geschehen, manchmal nur durch den Hinweis auf das neueste Schrifttum, insbesondere auf den Aufsatz von Schmid-Burgk im Archiv des öffentlichen Rechts (neue Folge, 25. Band, S. 129 ff). Wenn nicht alle Anzeichen trügen, befindet' sich das Minderheitenrecht in einem starken Umbruch. War sein Zweck bisher der Schutz von Minderheitenindividuen gegen Ungerechtigkeit, so tritt jetzt ein Bedeutungswandel dahin ein, daß das Recht des einzelnen durch das seines Volkstums ersetzt wird. Dieses ist aber auch dort vorhanden, wo es als Staatsnation erscheint und fühlt sich hier erst recht befugt, und zwar genau unter Anwendung von Grundgedanken des .Minderheitenrechts, fremde Bestandteile im Wege der Dissimilation auszuscheiden. Aus dem Minderheitenrecht im Sinne des genitivus subjectivus wird so unversehens ein genitivus objectivus, eine Entwicklung, an die sicherlich die Schöpfer des Minderheitenrechts nicht gedacht haben, am allerwenigsten Leo Motzkinr dessen Gedächtnis Stillschweig sein Buch widmet. Max P o lk e. Philo* Zitaten* Lexikon Von Dr. Eugen Tannnenbaum. Herausg Philo-Verlag. Als erster Versuch eines „jüdischen Büchmann" eine durchaus anerkennenswerte Leistung, der als Nachschlagewie als Lektürebuch bester Erfolg zu wünschen ist. Der Untertitel „Worte von Juden, Worte für Juden" gab die Berechtigung, den Rahmen des Begriffs „Zitat" denkbar weit zu spannen. Bei der Auslese aus der aller jüngsten Zeit ist der Herausgeber für unseren Geschmack freilich mitunter zu weit gegangen, offenbar um einige Prominente verschiedenster jüdischer Richtungen zu ehren. Es finden sich da eine Reihe etwas allgemein gehaltener Aussprüche, die bei der nächsten Auflage besser wieder verschwinden sollten. Eigentliche Versehen sind nur in ganz geringer Zahl unterlaufen, ein Zeichen für die Gewissenhaftigkeit der Herausgeber. Übrigens, wenn man etwa Max Liebermann zitiert: „In meines Vaters eben und beendet von Dr. Ernst Fraenkel, Haus sind viele Wohnungen. Wie in der Religion so in der Kunst", so muß man schon bei einem der Evangelien unkundigen jüdischen Lesepublikum anführen, daß der erste Satz seinerseits ein Zitat aus Johannes 14,2 darstellt. Zum Literaturnachweis ist folgendes zu bemerken: die bei Reklam erschienene Neuausgabe der „Geflügelten Worte" bringt allerdings im Text keine Aussprüche jüdischer Autoren mehr. In der eigentlichen Fortsetzung der Hauptausgabe des Büchmann <Verlag Haude '8D Spener) sind dagegen, laut Besprechungen in der Tagespresse, diese* Aussprüche gerade aus grundsätzlichen Erwägungen nach wie vor enthalten, jedoch unter je* weiligem Hinweis darauf, daß sie von einem Autor jüdischer oder nichtarischer Abstammung herrühren. Conrad Kaiser 142