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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 59

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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schaft und Sprachgewalt besitzt, die an das Herz der Menschen rührt. Er ist seit langem der Erzieher von Generationen junger jüdischer Menschen. Denn man spürte: hier geht es um das „Logon didonai", um eine Rechenschaftslegung über Sinn und Gestalt des jüdischen Lebens. Allerdings war man ihm nicht immer gefolgt. Seine Formulierungen blieben einer ganzen Generation nur Formel. Sie verdichteten sich nicht zur Erkenntnis, aus der heraus man die Wirklichkeiten anpacken konnte. Seine Wirklichkeit war nicht immer die des harten Lebensraumes. Er war zu wenig „konkret'v Aber seit seinem „Kampf um Israel" (wenn wir von der Bibelübersetzung in diesem Zusammenhang absehen wollen) hat Buber mitten in die bitteren Fragen jüdischer Wirklichkeitsbewältigung gegriffen. Im Büchern, Ansprachen, Artikeln, Lehrgesprächen— immer mehr stieß er über die reinen Tagesfragen zu einer Rechenschaftslegung des jüdischen Seins, zu einer grundlegenden Analyse der Elemente einer echten jüdischen Existenz vor. Man war gepackt. Seine Rechenschaft war hart, aber wirkungsvoll und mitreißend. Er sprach über Jugend und Landschaft, über Menschen, über das Lernen, über Israel und die Kirche, über unser Leben, über Zion, unser Leid und unsere Hoffnungen, — man ging mit ihm mit, denn er begann am Ursprung zu denken und dachte zu Ende. Buber hat in den letzten Jahren viel veröffentlicht. Nun hat der Schocken-Verlag eine Zusammenstellung und Auswahl von Worten aus Die Sammlung von einigen für die geistige Position des deutschen Zionismus der Vorkriegszeit so sehr charakteristischen Aufsätzen unseres Bundesbruders Moses C a 1 v a r y durch unseren Bbr. Walter Groß ist ein Verdienst der Schocken-Bücherei, das zu mehr als drei Jahrzehnten gebracht (1900—1932), die zum Teil bereits in „Kampf um Israel" und in den Reden über das Judentum erschienen sind. Diese Zusammenstellung heißt: Zion als Ziel und Aufgabe. Buber ist Zionist. Aber sein Zionismus ist weder der der politischen Formel, noch in die Schablonen der Parteipolitik zu pressen. Er versucht, das Formale des jüdischen Nationalismus zu einer Grundhaltung aufzulockern, die der spezifischen Eigenart und Aufgabe des Volkes Israel gerecht wird. Der Sinn der jüdischen Renaissance sei ein anderer als der Sinn der Erneuerung der Völker. Sie wollen ihr Leben reicher, größer, schöner machen. Wir wollen wieder zu einem Leben kommen. Sie wollen stärker werden. Wir wollen von unseren Wunden genesen. Sie wollen freier werden. Wir wollen uns aus dem Bann der Fremde befreien. Wir brauchen Zion. Aber Zion ist größer als ein Stück Land. Man kann nicht nach Palästina gehen wie in jedes beliebige andere Land, in dem man leben und Existenz finden will. Dadurch degradiert man es zu einer Dependance des großen Galuth- Hotels. Palästina ist nur sinnvoll als Zion, als das Land, in dem der jüdische Geist, getragen von einer zum Volk geeinten Menschengruppe, gelebte Wirklichkeit wird. Zion als Ziel und Aufgabe ist der neue Humanismus, in den sich der jüdische Nationalismus weiten muß, und der in großartiger Formulierung in der sozialen Tradition der Propheten und den Forderungen unserer Überlieferung vorgebildet ist. Alfred Jospe. s neue Judentu m" weiterer Schatzgräberarbeit nur ermutigen kann. Es wäre sicherlich eine nicl\t weniger dankenswerte Aufgabe, dieser aufschlußreichen Auslese eine Sammlung folgen zu lassen, die die wertvollen Dokumente aus der Frühzeit Aus der Frühzeit des Zionismus Aus Anlaß von Moses Calvary: „Da (Schocken-Verlag 1937). 140

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