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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 58

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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verteidigen, im Kampf selbst ist ohne das Gefühl nichts zu erreichen; „Liebe und Stolz, Liebe zur nationalen und menschlichen Freiheit, und verwundeter Stolz waren lebendig in mir," sagte Trumpeldor 1919. Alles das ist wohl schon öfter ausgesprochen worden. Und doch kann man gar nicht genug von dem Primat der Idee sprechen — gerade heute, da die arabischen Terrorakte in Erez Israel für viele eine bedenkliche Erschütterung ihres nationalen Bewußtseins bedeuten: ubi bene, ibi patria. Wenn es nicht gelingt, überall die Gewißheit des Erfolgs zur Selbstverständlichkeit zu machen, .— wird der Sieg zwar nicht verloren gehen; er ist gewiß, aber: — wird die Zusammenfassung aller Kräfte erheblich verzögert. Kurz vor ihrem Tode schrieb, im Bewußtsein der zu jener Zeit vollkommenen Erfolglosigkeit ihrer Arbeit, eine der größten jüdischen Frauen unseres Jahrhunderts den Satz nieder: „Niederlagen sind wichtiger als Erfolge. Aus der Niederlage erkennt man den Weg zum Endsieg." In diesem Sinn sind die Todesopfer des letzten Jahres im Lande nicht umsonst gefallen. Wer das erkennt, — und erkennen kann man es nur aus der Geschichte —, kennt seinen Weg und weiß, wozu er lebt. Uber Böhms Arbeit im Einzelnen braucht dem Kreis, an den diese Blätter sich richten, nicht weiter gesagt zu werden. Wer die geschichtlichen Grundlagen der jüdischen Nationalbewegung kennen will, wird sie hier finden. Der vorliegende Band behandelt die Entwicklung der zionistischen Bewegung bis zum Ausgang des Weltkrieges (Balfour-Deklaration, englische Militärverwaltung in Palästina)*), nicht ohne in zwei Einleitungsabschnitten die inneren Vorbedingungen des modernen Zionismus und die Gedankenwelt der Vor-Herzl'schen Epoche darzustellen. Wenn diese, unverschuldet leider verspäteten Zeilen in Druck gehen, erwartet die zionistische Welt bereits den zweiten Band, in dem der Verdienstvolle Autor die Darstellung der Zionistischen Geschichte bis in die Gegenwart fortführen wird. Arthur Bergmann *) Einen Irrtum, der gerade unseren Kreis angeht, dürfen wir berichtigen. Die jüd. Studentenverbindungen, aus denen 1914 das K.J.V. entstand, bestanden schon seit der Frühzeit des Zionismus, z. T. schon seit 1895; Martin Buber: Zion als Ziel und Aufgabe Bücherei des Schocken-Verlages, Nr. 62. 1936. Vor einiger Zeit entstand das Wort, das Judentum in Deutschland sei eine Generation ohne Erzieher. Das Wort stimmt. Es gibt nur. wenige Menschen im Judentum Deutschlands, die Profil haben; große, begabte, hinreißende Männer, die die Menschen ansprechen können und darum eine weitgehende erzieherische Bedeutung haben. Wir besitzen Wissenschaftler, Gelehrte, Theologen von Format. Wir sind, wie kaum die Judenheit eines anderen Landes reich an Menschen mit organisatorischen Qualitäten. Ihre Tätigkeit ist vielseitig, und sie haben in den letzten Jahren sehr viel gute und großartige Einzelarbeit geleistet. Aber die entscheidende Tatsache ist, dlaß es nur ganz wenige Männer gibt, deren Worte kraftvoll, mutig und tief genug sind, um bis ins Herz der Menschen zu dringen und Kräfte zu wecken. Man hat in den Versammlungsräumen und von den Kanzeln der Synagogen viele kluge und gute Worte gehört. Aber die große, überzeugende, leidenschaftliche und erzieherische Sinngebung des jüdischen Lebens, die das Gesicht des Judentums in Deutschland hätte entscheidend formen können, ist bisher nicht erfolgt. Martin Buber ist einer der wenigen, auf dessen Wort man immer wieder wartet, weil er die Klugheit, Leiden- 139

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