Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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Cheth, Teth, Koph, unterschiedlich von Aleph, Kaph ohne Dagesch, Taw, Kaph mit Dagesch auszusprechen. Er verweist nur auf den Unterschied in der Aussprache von Ssm und Ssamech, von Beth und Waw, Dinge, die dem Jischuw zu 99 v. H. unbekannt sind. Es ist gewiß beklagenswert, wenn sich zwischen Aussprache und Orthographie einer Sprache eine derartige, leicht zu Mißverständnissen führende Kluft auftut, wie dies nicht nur beim heutigen Hebräisch der Fall ist, aber wenn in einer Kompagnie nur der Gefreite Müller den richtigen Tritt hat, dann hat er eben den falschen. 'Und wenn auch die Grammatik des heutigen Hebräisch z, T. unter dem Einfluß des Jiddischen, zum Teil der anderen Stilelemente europäischer Sprachen gewisse Veränderungen aufzuweisen beginnt, so kann mansich zwar vom Standpunkt des Puristen in Sprachfragen dagegen stemmen, eine solche Entwicklung aufzuhalten aber wird sehr schwer sein. (Damit ist nicht gesagt, daß ein „Telawiwismus" nun auch bereits seine sprachliche Berechtigung im Hebräischen nachgewiesen hätte.) Ein Kamez-Katanals A-Laut auszusprechen, verrät einen gewissen Tiefstand der hebräischen Sprachkenntnisse. Auch der Unterschied von Schwa-Na und Schwa-Nach ist der hebräischen Sprache wesentlich zu eigen. Das Gesetz der Dageschierung dagegen ist, wenn man von den Lauten Begad-Kephath absieht (auch hier scheiden wieder Gimmel, Daleth und Taw aus), für die Aussprache eines Wortes irrelevant. Wer die Gesetze . des hebräischen Wrortes, den Umlaut, die Länge bzw. Kürze der Vokale freilich verstehen will, wird um die Einzelheiten der masoretischen Punktation nicht herumkommen. Es ist überhaupt besser, den konsonantischen, unpunktierten Text plene zu schreiben, wie das im Lande immer mehr geschieht. Eine einheitliche Aussprache des Iwrith, das in sephardisch-aschkenasischer Mischbetonung im Lande gesprochen wird, gibt es noch nicht. Während Torczyner hofft, daß teils die Entwicklung, teils die Erziehung (seine Radiovorträge waren dieser Aufgabe gewidmet) hier wieder die Annäherung an die Klassizität des Arabischen und Jemenitischen bringen wird, ist Sister gegen jede dieser „philologischen" Abstraktionen. Wie A. D. Gordon spricht er sich dafür aus, die Jiddischismen (etwa cherpot statt charaphot, sefer statt sefer) sich im erez-israelitischen Dialekt ruhig auswirken zu lassen. Dabei warnt er vor Experimenten der Torczynerschen Art, gibt jedoch zu, daß man die masoretische Betonung möglichst beibehalten soll. Wir empfehlen die Lektüre beider Bücher. Das leichte Iwrith des Torczynerschen Buches, das am Ende jedes Vortrags seine Zusammenfassung in altgewohnten Lernversen bringt, ermöglicht seine Lektüre in hebräischen Chugim und seine Vergleichung mit dem ,Sisterschen Buch, das gleichfalls aus einem Montagsvortrag sowie aus der Problematik eines Kollegs im vorigen Semester, an dem der Rezensent die Freude hatte, teilnehmen zu können, entstanden ist. K u r t M a y e r. Die zionistische Bewegung von Adolf Böhm (1. Band, Jüdischer Verlag, Berlin, 732 S.) Dieses Standardwerk der zionistischen Gedankenwelt in ihrer Dynamik erscheint in zweiter Auflage — erst in zweiter, während Kurzkommentare und Taschenausgaben in immer wachsender Zahl und Auflagenhöhe den „Interessenten" in einer Stunde in die Probleme des Judentums, Palästinas und des Transfers einführen. Geschichte ist heute nicht beliebt. Der Mensch denkt an seine Gegenwart und an seine Zukunft. Daß jeder auch an seine Zukunft denkt, ist biologisch verständlich. Aber die Zukunft des Volkes kommt doch in den Tagessorgen ein bißchen zu kurz. 137