Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesamtleistung der einzelnen wird dann eine Kollektivleistung herausgebildet werden, die sich aus viel kleinen Mosaiksteinen zusammensetzt, aber doch eine gewisse Prägung erfährt durch unsere gemeinsame Art zionistischer Haltung und idealistischer Einstellung. — Es sind auch Versuche gemacht worden, Außenstehende an uns heranzuziehen, Gäste nahmen an Veranstaltungen teil Die Bildung eines klubartigen Kreises von K.J.V.ern und Nicht- K,J,V,ern wurde auch durch die Unruhen unmöglich gemacht, müßte aber wiederum versucht werden, — Es scheint auch die Möglichkeit zu bestehen, daß eine Anzahl früherer Bundesbrüder wieder den Anschluß an uns finden werden. Als Facit des vergangenen Jahres kann man sagen, daß die Zeit der Konsolidierung vielleicht noch nicht ganz abgeschlossen, aber fast vollendet ist, so daß man wahrscheinlich schon im neuen Arbeitsjahr an größere Aufgaben herangehen wird, Als äußeres Zeichen dieser Konsolidierung wird das Präsidium dem Kartelltag einen neuen Statutenentwurf vorlegen, der die Gesetze unseres Bundes festlegen soll. Es wird weiter einen hebräischen Namen vorschlagen. Statut und Name sind äußere Zeichen, können aber ihren inneren Sinn erweisen und bewahren. Der neue Name wird mit unserem alten verknüpft bleiben. Dies möge eine Mahnung und ein Zeichen sein, daß beste K.J.V.- Tradition weiter sich entwickeln wird, daß der zionistisch-nationale Sinn unseres K.J.V. weiter auf uns alle und vielleicht auch über unseren Kreis hinaus wirken wird und wirken soll. Buchbesprechungen Jüdisches Fest — Jüdisdfier Brauch Ein herrliches Buch ist dieses Sammelwerk, das Friedrich T h i e - b e r g e r unter Mitwirkung von Else R a b i n im Jüdischen Verlag, Berlin, herausgegeben hat (482 S. mit zahlreichen Tafeln, Abbildungen und Noten, Kalendertabelle, Register; Preis 12.— RM. in geschmackvollem Leinenband). Überwältigend zeigt das Werk, so in den einzelnen Darstellungen wie durch die Gesamtschau, die die vielgliedrige Architektur vermittelt, die Wirksamkeit des Symbolcharakters im Judentum über die Jahrtausende hinweg. Man hat die Juden das „Volk des Buches'' genannt. Mit ebensoviel und mit vielleicht noch mehr Recht könnte man sie das ,,V o 1 k d ie s Symbols" nennen. Indem das Symbol Ausdruck des Seelischen ist, ist es eine Schwester der Sprache. (Auch Geste und Habitus sind Ausdruck des Seelischen, aber mehr individuell; Symbol und Sprache haben nationalen und allgemeingiltigen Ausdruckscharakter). Bachofen, der große soziologische Rechtshistoriker und Entdecker des „Mutterrechts", meinte, das Symbol sei nach innen gerichtet, die Sprache nach außen. Das ist wohl nicht unbedingt richtig; denn auch das Symbol, als stumme Rede, spricht aus und offenbart, und auch die Sprache ist oft nur stammelnder und unzulänglicher Versuch der Extravertierung von Unaussprechbarem., Aber eine andere Frage ist es, ob das Symbol nur späteres Sinnbild, sinnliche Gestaltung eines Gefühls oder Gedankens ist — oder ob es, wie Bachofen glaubt, als seelische Urtatsache schon da war, bevor es seine formale Inkarnation erfuhr. 130