Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2827066-3186718-3186720--1527-3187599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Es muß zwar ibetont werden, daß vielfach gerade die verantwortlichen Bundesbrüder damals mit anderen wichtigen Arbeiten belastet waren. Trotzdem wäre es anderen Bundesbrüdern möglich gewesen, hier ihrerseits mehr Aktivität zu zeigen. Besonders hätte dies in Jerusalem der Fall sein müssen. Es muß zugegeben werden, daß hier der Ausnahmezustand jede geregelte Arbeit unmöglich machte, da an Abenden Veranstaltungen nicht angesetzt werden konnten und auch am Schabbath eine regelmäßige Veranstaltung nicht möglich war. Das Präsidium forderte aber von der damaligen Leitung der Jerusalemer Gruppe, daß sie trotz der Schwierigkeiten einiges für den Zusammenhalt täte und auch einige wenige Aussprachen veranstaltete. Daß dies nicht geschah, rächte sich später dadurch, daß auch nach der Beendigung der Unruhen die Arbeitsaufnahme sich ungewöhnlich lange hinauszog, obwohl Bundesbrüder bereit waren, eine neue Leitung zu bilden. Diese neue Leitung begann mit der Durchorganisierung der Bundesbrüder, und es stellte sich heraus, daß die regelmäßigen Veranstaltungen auf das Interesse der Bundesbrüder rechnen konnten. In Tel Aviv und in Haifa lagen die Verhältnisse einfacher, da in diesen Städten durch die Unruhen keine einschneidenden äußeren Erschwerungen geschaffen wurden. Hier konnte ein mehr oder weniger geregelter Betrieb durchgeführt werden. In Tel Aviv kam hinzu, daß das Präsidium selbst eine Reihe von Veranstaltungen machte. Hier macht sich jedoch ein anderer Umstand erschwerend bemerkbar. Die Zahl der in Tel Aviv wohnenden Bundesbrüder ist derart gewachsen, daß es unmöglich ist, sie in der Gesamtheit zu erfassen. Der Vorstand der Gruppe ist daher bemüht, kleinere Kreise zu schaffen, durch die den Bundesbrüdern stärkerer Kontakt und eine eingehende Aussprache ermöglicht wird. Außer dem Chug ivri bestehen zur Zeit in Tel Aviv vier Gruppen, denen je 25 bis 30 Bundesbrüder angehören. Es wird in der Arbeit erzielt werden müssen, daß jeder in Tel Aviv wohnende Bundesbruder einer derartigen Gruppe zugehört. Zur weiteren Intensivierung der Arbeit und zur Vertiefung der notwendigen Kenntnisse organisierte das Präsidium mit dem Vorstand der Gruppe ein politisches Seminar, in dem wirtschaftliche, außenpolitische und zionistisch-organisatorische Probleme von, Sachkennern vorgetragen und von den Bundesbrüdern, die sich am Seminar beteiligten, durchgearbeitet wurden. Auch auf diesem Wege soll weiter gegangen werden. Daneben fanden in Tel Aviv größere Veranstaltungen mit und ohne Gäste zum größeren Teil in hebräischer Sprache statt. Hier stellte/ sich heraus, daß die Zahl der Bundesbrüder, die das Hebräische so weit beherrschen, daß sie Referaten folgen können, ständig wächst, wenn auch die Beteiligung an der Diskussion vorerst einer geringen Anzahl möglich zu sein scheint. Hier ist auch von dem in Tel Aviv arbeitenden Chug ivri zu berichten. Er ist immer noch ein verhältnismäßig kleiner Kreis von Bundesbrüdern, der regelmäßig zusammen kommt und sich mit Lesen von Agadoth und Mendele beschäftigt. Ihrem Einfluß ist es zu danken, daß in Tel Aviv die hebräische Sprache sich in den Veranstaltungen der Gruppe mehr und mehr durchgesetzt hat. Diese Gruppe ist auch die einzige, die sich systematisch mit Kulturarbeit innerhalb des K.J.V. beschäftigt. Es ist zweifellos als ein Manko zu bezeichnen, daß gerade die Tarbutharbeit im Kartell vernachlässigt wird. Auch das Präsidium hat in dieser Beziehung zu wenig geleistet und ist sich darüber klar, daß das Kartell bald hier zu einem Fortschritt kommen muß. Es kann gerade für das K.J.V. nicht genügen, allein die Sprache um ihrer selbst willen zu erlernen, sondern es wird notwendig sein, die Kulturgüter unseres Volkes sich zu erobern, um so in den Geist der Sprache ein- 127

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.