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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 45

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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so wäre die einzige Konsequenz nur Gehorsam oder Abfall, Aber nicht das Soll, sondern der Wille herrscht. Durch die persönliche Entscheidung des Einzelnen, .die die wirkliche ist, geschieht die scheinbare Entscheidung der Gruppe. Die „Erziehung zum Inhalt", die Leibmann der „Erziehung zur Form" entgegenstellt, wird von ihm falsch versianden, wenn er sie absolut nimmt. Wir leben nicht in der Idee, im Judentum, in einer Entscheidung, sondern durch die Idee, durch das Judentum, durch eine Entscheidung. Der Leibmannsche Standpunkt ist eine verkappte Resignation der Frage der persönlichen Freiheit gegenüber einer Frage, an der die jüdische Jugendbewegung groß geworden ist. Es ist vieles Ausgezeichnete und Scharfdurchdachte in dieser kleinen Broschüre beisammen. Ich mache noch auf die Würdigung von David Schimonowitz durch Rachel Kaznelson aufmerksam, auf die feinen Übertragungen S. Schaloms und Tschernikowskys durch 1 ial<o\v Simon, auf dessen ausgezeichnete „Reschimot" ich schon oben mehrfach verwiesen habe. Das Bild des Kampfes um das Gesicht des Menschen der jüdischen Renaissance wird so vor uns wach, ein Kampf, in dem an uns der Ruf zur Parteinahme ergeht. Rechenschaftsbericht des Palästina^Präsidiums Es braucht nicht betont zu werden, daß die gesamte Arbeit des Kartells in der Berichtsperiode durch die Ereignisse des vergangenen Jahres aufs tiefste beeindruckt wurde. Dabei soll sofort ein wesentlicher Gesichtspunkt hervorgehoben werden. Es muß festgestellt werden, daß heute — hoffen wir sagen zu dürfen —das Kartell zwar beeindruckt wird von den Geschehnissen, aber aktiv keinerlei Einfluß auf irgendwelche Entscheidungen hat, sei deren Reichweite auch noch so klein. Wir ^befinden uns noch in dem Übergangsstadium der Vorbereitung. Man muß zugeben, daß unsere Arbeit, vom reinen K.J.V.-Gesichtspunkt aus betrachtet, durch die Ereignisse negativ beeinflußt wurde, daß sie Verzögerungen und Unterbrechungen erfahren hat, daß eine gewisse Aktivität bei einzelnen Bundesbrüdern, vielleicht Kreisen spürbar war, sich für notwendige Dienste und Arbeiten zur Verfügung zu stellen, daß aber das Kartell zwar rezeptiv und vielleicht erörternd an den Ereignissen beteiligt war, aber als Gesamtheit nicht reagierte und aiuch nicht reagieren konnte. So war es natürlich, daß das Arbeitsprogramm des Präsidiums, das, nach dem letzten Kartelltag eine ruhige Entwicklung des Aufbaues voraussetzend, vielfache Gebiete zur Bearbeitung voraussah, nicht ausgeführt werden konnte. Trotzdem, glauben wir, ist in diesem Jahr ein gewisser Fortschritt in der Konsolidierung des Kartells, in seiner Verankerung im Leben des Jischuw zu konstatieren. Trotz der Schwere der Zeit sind wir weiter gekommen und wären noch weiter gekommen, wenn die einzelnen Gruppen mehr eigene Initiative entwickelt hätten. Es ist verständlich, daß in den Zeiten der Unruhen die Präsidialmitglieder keine Reisen unternehmen konnten. Die Ortsgruppen durften daher nicht warten, bis sie Richtlinien erhielten, was bei den lokal verschiedenen Verhältnissen für die Zentrale gar nicht möglich war. Wenn an bestimmten Orten die Gruppenvorstände die Arbeit nicht durchführen konnten, so wäre es die Aufgabe verantwortungsbereiter Bundesbrüder gewesen, einzuspringen und die Arbeiten der Gruppen durchzuführen. 126

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