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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 44

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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Erscheinung an allen Punkten des Kibbuz — an dem einen mehr, an dem anderen weniger —, daß zur Assefah, auch wenn es um entscheidend« Fragen des Kibbuz geht, nur em Teil der Chawerim erscheint. Manchmal nur ein verschwindend kleiner Teil Selbst von denen, die zur Ssichah kommen, beteiligen sich nicht alle an der Abstimmung, d. h. an der aktiven Mitentscheidung über das Schicksal des Kibbuz, (() Und ganz wenige sind es, meist dieselben, die in der Ssichah sprechen, die an den Beratungen aktiv teilnehmen. (!) Sehr viele Assefoth verlieren sich in unkonzentrierten oder abseitigen Debatten, oft führt die allgemeine Atmosphäre dazu, daß überhaupt keine fruchtbaren Besprechungen und Beschlüsse in der Assefah Zustandekommen, und daß daher die Leitung des Kibbuz notwendigerweise aus den Händen der Gesamtheit (war sie je dort?) in die Hände des* ausführenden Organs, der Moeza oder Hanhalah, gerät. Im Grunde ist dies dieselbe Frage wie die zweite: Wie kann man den einzelnen Chawer, alle einzelnen Chawerim des Kibbuz, dazu bringen, nicht nur im Kibbuz zu leben und zu arbeiten, sondern, wie es einzig und allein unseren Vorstellungen vom Leben des Kibbuz entspricht, auch aktiven Anteil an allen Fragen zu nehmen, für sich selbst und seine Arbeitskraft außer der allgemeinen Anteilnahme an allen Fragen des Kibbuz, einen besonderen Einsatzpunkt zu finden. Es ist klar, daß diese beiden Fragen das Schicksal . des Kibbuz weitgehend bestimmen, daß sie die Angelpunkte des gesamten Lebens im Kibbuz sind — (an denen man sich aufhängen kann) und sie standen denn auch, neben anderem, im Mittelpunkt der Besprechungen über die organisatorischen Fragen." (S. 45/46.) — Ich! komme zum Ergebnis: Der Kibbuz, sicher aber der sog. große Kibbuz war und ist eine Realität bei der ökonomischen Eroberung der Arbeitsplätze in Erez Israel; als geistiger Faktor ist er im Lande selbst unattraktiv, und nur die Propaganda in der Galut hat ihm eine gewisse magische Beleuchtung in den Hirnen von tausenden junger Menschen in Chuz-Laarez gegeben. Ich komme zum Letzten, der im Habonim vorhandenen Auffassung über das Wesen der Entscheidung, mit dem sich der gleichnamige Aufsatz von Arje L. (Leo Leibmann) auseinandersetzt. Leider befriedigt uns sein kalter Spinozismus keineswegs. Leibrntann versucht, das Wesen der Entscheidung aus der monologischen Sammlung des Sich-Entscheidenden zu erklären. Aber: der Entscheidende steht nic/ht allein, die Sammlung des Ich ist eine falsche, wenn sie monolo-gisch geschieht und die Entscheidung nicht als. Dialog mit der Außenwelt geschieht. Denn die Entscheidung entspringt dem großen, stets neuen Zwiegespräch mit der Gemeinschaft. Da aber alles Du im Ewigen Du mündet, ist die sittliche Entscheidung (einerlei ob sie in mittelbarem oder unmittelbarem Dialog sich ergibt) stets Entscheidung vor Gott. Das sittliche Gesetz ist kein vorgeformtes, apriorisch und objektiv igültiges, weil ja dies die Freiheit der Entscheidung, die ja noch und gerade vor Gott besteht, praktisch aufheben würde. Der Ernst einer Entscheidung beruht darin, daß, wie ja auch Leibmann den Relativisten richtig entgegenhält, die sittliche Forderung eben nicht als Folge gewisser Bedingungen unseres Lebens auftritt. Aber unsere Entscheidung ist auch keine absolut determinierte, es handelt sich bei der Entscheidung nicht um das Gerechtwerden vor einem absoluten sittlichen Gebot, das die jüdische Ethik nicht kennt. Es geht auch nie um die Entscheidung und Bewährung einer Gruppe, sondern eben letztlich um die im Dialog geschehene Entscheidung des Einzelnen. Dies ist der Sinn des Awoth-Spruches: AI tifrosch min hazibbur. Diese Entscheidung ist eine Frage der persönlichen Haltung, nicht des Gerechtwerdens vor einem sittlichen oder juristischen Soll. Wäre die Entscheidung determiniert, 125

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