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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 42

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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nur, daß durch die immer erneuerte und immer vertiefte Kenntnis der Sprache sich neue Möglichkeiten des Verständnisses und des Eindringens auftun, — auch das Hiersein, das Hier-Leben, das In-dieser-Landschaft-Stehen eröffnet neue Möglichkeiten. Erst jetzt begreift man den T'nach — und ich meine nicht das religiöse oder philosophische Begreifen, sondern das einfache, nahe Mitfühlen, das Verstehen der Bilder und des Geschehens. Und auch die — wenn auch noch überaus oberflächliche — Begegnung mit den Arabern macht vieles verständlich. Alles bekommt ein neues Gesicht. Alles ist aus dem Studierstübchen, aus der Schule, aus dem Kurs, hierherversetzt, in diese Landschaft, in dieses Klima, in dieses Land. Und man beginnt, zu begreifen. . . Hier ist wenig hinzuzufügen, nur vor einer großen Gefahr, der man leicht verfallen kann, wenn man sich bemüht, das Erlebnis der Bibel mit den Augen des Landes zu sehen, muß gewarnt werden. Man darf nie vergessen, daß der Maßstab, den die jüdisch-historische Betrachtung an diese Dinge anlegt, igerade umgekehrt das Land mit den Augen der Schrift sieht! Martin Buber ist es, der in seinem „Königtum Gottes" uns diesen für das jüdische Geschichtsdenken konstituierenden Prozeß aufweist. Immer wieder und wieder droht das Volk dem erschlaffenden und betörenden Zauber der vegetativen Welt auf diesem Boden" zu erliegen, und schon damals in der Riohterzeit — sicher aber, wenn man Buber nicht in seiner Quellenansetzung folgen will —, in der Zeit der prophetischen Redaktion unserer ^Geschichtsbücher, ist der zur Umkehr und Besinnung mahnende Beruf unserer Sendung immer aufs neue verstanden worden. Gegen einen falschverstandenen Palästinozentrismus darf hier gesagt werden, daß vieles vom Wesen des jüdischen Volksgeistes in diesem Kampf gegen das restlose Heimischwerden, gegen das restlose Überwiegen der stoff- und erdgebundenen, nur bewirkenden Faktoren, entstand. Das noch heute fortwirkende geistige Erbe dieser unserer Vorzeit, auf das sich das Judentum in diesem Geschichtsmoment seines Einzuges in Erez Israel »zu besinnen hat, heißt, daß die großen Schöpfungen des jüdischen Geistes, die auf dem Boden dieses Landes — und nur dieses Landes — geboren werden konnten, zugleich doch im Kampf gegen dieses Land entstanden. In weiten Kreisen herrscht der Irrtum, daß der Zionismus im Lande ein jüdisches Kannanitertum als Endziel wünsche, und manche berufen sich auf das Gedicht eines jüdischen Dichters an Baal. Lo su haderech! Dieser Sinn unserer religiösen Feste, die Zeichen und Erinnerung der steten Bereitschaft des Menschen zur inneren Umkehr sein sollen, kann einer solchen, zutiefst ungläubigen Wesenshaltung, nicht eingehen. So lesen wir denn an anderer Stelle der „Reschimot" dieses Bekenntnis . Jaakow Simons, das typisch für die Geisteshaltung des ganzen Kreises ist: „Von Ende September bis etwa Anfang November finden bei uns die ,Assefoth Schnatioth?, die Jahresversammlungen, statt: Berichte der Maskiruth und der Waadoth — überhaupt Generalabrechnung, Generaldebatte über das vergangene Jahr in allen seinen Erscheinungen und Ereignissen im Leben des Meschek und der Chewrah, sowie Planung des neuen Jahres. Es ist das auch die Form, die wir für das Rosch-Haschanah gefunden haben, das uns in seinem religiösen Sinn keinen Sinn und keine Lebensform mehr geben kann." (S. 45.) Man kann einwenden, daß es in einer realen und nüchternen Welt keinen Rückweg zu Glauben und religiöser Sinngebung gäbe. Aber Erkenntnis und Wissenschaft sind nicht die Gegner der Gläubigkeit, sondern stehen zu ihr in dienendem Verhältnis. Die Welt des Realen bedarf einer letzten religiösen Veranschaulichung, erst der Glauben aktiviert den jungen 123

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