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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Unter demselben Leitstern entwickelt sich das Geschehen weiter. Es gibt einzelne Lichtblicke, günstige Verfügungen, aber sie besagen so wenig im Gesamtsystem wie der Schutz des Papstes anno 1349 im Gebiet von Avignon, während ganz Europa wütete. Von besonderem, wenn auch nicht derart dynamischem Interesse sind die Akten über den friedlichen und schiedlichen Verkehr der Juden tinter sich. Alles bis zu dem Höhepunkt von 1492. Seite 404 findet sich die betreffende Unglücksmeldung: „Granada, 1492, März 31. — Die Könige befehlen die Vertreibung der Juden aus Spanien." Dasselbe Jahr, Mai 22. „Die Könige geben Befehl zur Eintreibung der Summen, die (genannte Kommunen und Personen dem Ysaque Abravanel aus öffentlichen Abgaben schulden, da dieser wegen der allgemeinen Vertreibung der Juden das Land verlassen muß und den Königen zur Tilgung seiner Verpflichtungen, die er durch die Steuerpacht übernommen hat, die genannten Posten überweist." Ein.Vorgang, der vielen an Hand des Abravanei- Jubiläums verständlicher geworden ist. —• (1492, Mai bis Juli.) — Befehle wegen Verwaltung und Bewirtschaftung von Maqueda und Torrijos. 1. Feststellen, ob die Juden der beiden Ortschaftein sich zum Christentum bekehren wollen. 2. und 3. Anweisung wegen der Synagogen. 4. und 5. Aufnahme über Grundbesitz der Juden und Hypotheken. 6. Regelung der Schuldforderungen zwischen Christen und Juden, 7. und 8. Aufnahme über den dem Staat pachtpflichtigen Grundbesitz. 9. Die Juden können ihren Grundbesitz frei verkaufen, ,obwohl ich glaube, daß es wenige geben wird, die ihn kaufen'. 10. Anordnungen wegen Besiedlung der Ortschaften u. a. 11. Abrechnung mit Abravanel über seine Außenstände in Maqueda und Torrijos." Und endlich „Granada, 1492, Mai 23. — Die Könige befehlen den Steuerpächtern auf Wunsch des letzten Königs von Granada, einen Juden aus Granada mit sonst zur Ausfuhr verbotenen Gegenständen frei auswandern zu lassen." Bei dem nun folgenden Kapitel über die Inquisition tritt wie in der politischen Entwicklung als Lichtblick mitunter die freundlichere Haltung von Päpsten zutage, die schon früher manche Situation erleichterte. So scheint die Akte 304 gegen extreme Richtungen im spanischen Klerus zu sprechen, wenn Papst Nikolaus V., dem gemeldet worden ist, daß in Kastilien und Leon die Lehre verbreitet wird, daß die Conversos nicht zu Ehren und Würden zuzulassen seien und nicht Zeugen bei Rechtsstreitigkeiten der Christen sein dürften, die Verordnungen dreier Könige nachdrücklich bestätigt, daß zwischen den Conversos und Altchristen bezüglich der Bekleidung von kirchlichen und weltlichen Würden kein Unterschied gemacht werde. Wenn die Conversos sich als unzuverlässig im Glauben erweisen, soll vor dem zuständigen Richter ordnungsgemäß Klage geführt werden. — Selbst Nikolaus V., der den Juden im Prinzip günstig gesinnt war, erließ dank dem Wühlen Johann Gapistranos späterhin auch judenfeindliche Verfügungen. Unter einem seiner Vorgänger, Martin V. herrschte in Rom verhältnismäßig weitgehende Gerechtigkeit; er gewährte den italienischen Juden seinen Schutz, zwei Jahre später, 1421, erließ er eine Schutzbulle zugunsten der spanischen Juden (bei Baer nicht erwähnt), im Jahr darauf verbot er den Predigern, judenfeindliche Reden zu halten — zog jedoch unter dem Einfluß judenfeindlicher Elemente seine Bullen zurück, um sie bald darauf auf Intervention des italienischen Gemeindeverbandes zu erneuern. Oft sind auch die Könige tolerant, vor allem, da sie im Wirtschaftsprozeß und im öffentlichen Leben auf praktische Fragen, wenn nicht gar auf Nutzen, mehr Rücksicht nehmen als die Kirche. So befiehlt Enrique III. im Jahre 1392 der Stadt Burgos, nicht zu dulden, daß die Juden, welche in das yerp lassene Judenquartier zurückkehren wollen, von Christen oder Conversos mit Gewalt zum Christentum bekehrt werden, da dies die katholische Kirche 116

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