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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Ober die Galuth Von Bbr. Lothar Rothschild - Saarbrücken. Die wertvollen Studien von Fritz Baer über Spanien sind in letzter Linie nichts anderes als Beiträge zur Galutkunde. Man könnte einwenden, daß überall und immer jüdische Geschichte nichts anderes sei als dieses, doch soll dann darauf hingewiesen werden, daß es Bestrebungen in unserer Vergangenheit und in unserer Gegenwart <gibt, — dies sei ohne etwas abzuschätzen festgehalten — die der Gahit ihr Lebensrecht nehmen wollten, und durch ihr eigenes Leben suchten solche Ausschnitte in den in Frage kommenden Generationen die Notwendigkeit der Galut zu widerlegen. Notwendigkeit auch als theoretische Erkenntnis, denn als praktisch feststehende Tatsache kann man sie ja schon ansetzen in dem Moment, wo Juden in der Zerstreuung leben, gleichviel ob sie diese Zerstreuung nun in bürgerlichem und immer mit einer gewissen Saturiertheit aind philosophischer .Ruhe verbundenem Sinne nur als Diaspora werten, eine Wertung, die nicht unbedingt mit Sehnsucht und Aufbruch verbunden sein muß, oder ob sie die Galut empfinden als das was sie ist: als ,,Colus", als eine Durchgangsform und als solche nach dem Willen des Herrn der Geschichte notwendig. Man spricht oft von der Assimilation der Juden während der spanischen Epoche, worunter die Juden im maurischen Spanien zu verstehen sind und zitiert diesen einmaligen Zustand während des Mittelalters als Kronzeugen für das Wollen des 19. Jahrhunderts. Hätte das 19. Jahrhundert von den Juden des westlichen Europa nicht mehr verlangt, als die Geisteshaltung der spanischen Epoche nachfühlend und lebend zu bejahen, ich glaube, dann könnte man dieses lebendigste Jahrhundert und das vielseitigste noch als völlig wertvoll bezeichnen, während wir so einige Vorbehalte machen müssen. Aber man verdamme es nicht in Bausch und Bogen, wie es oft demagogischerweise, selten von Historikern, geschieht, denn wir können dieser Weite des gedanklichen Blicks heute nichts Wertvolleres an die Seite stellen. Galut, die sich bejahte und damit aufgab, lebte in Alexandrien; Diaspora, die man als Glück empfand, ging unter, weil sich eine Kolonie selbständig gemacht hatte. Wir sind der Gefahr des* Selbständigmachens entronnen, nicht durch das Jahr 1933, sondern durch die Bestrebungen, die das zeitliche Lebein darauf hinwiesen, daß das Judentum als Lebeniswert und -gestaltung „suj? specie aeterni" zu betrachten ist. Der Weg zu dieser „Species" wäre auch von innen heraus gefunden worden; wohl nicht so rasch hätte er die theoretische Bejahung so vieler für sich gehabt, aber Kräfte gegen die Verselbständigung Westeuropas als Kolonie waren zur Genüge da. Hier setzen wir ein und verstehen die spanische Zeit als ein hervorragendes Beispiel der Galutgeschichte. Der Gedanke an ein Selbständigmachen dieser Kolonie kam nie, man war volksverbunden, man lebte glücklich und in äußerem Wohlstand und empfand trotzdem lebendig die Not, die andere Glieder desselben Volkes ergriff, man fühlte sich verbunden, man erwartete den Messias, weil die diesseitige. Glücklichkeit nicht genügte und man in Galutgesinnung wußte, daß sie nicht halten mußte, man sann über das Verbleiben der Zehn Stämme nach, nicht aus wissenschaftlichem Rätselraten, sondern aus dem traurigen Gefühl der Volksverstümmelung heraus, man trauerte noch um Zion, denn man vergaß Jerusalem nicht, man sehnte sich nach Zion und zog auch hin, aus der Schönheit eines Lebens im glücklichen Land nach der Umgepflegtheit eines Abenteurerdaseins im verlassenen Land, man suchte inneres Glück und Übereinstimmung des Lebens mit der Lehre. Das ist Galutgesinnung, die nicht trist sein muß, die nicht weitabgewandt sein muß, die dazu neigen kann, weil diese Lichtblicke, ja doch nur selten sind, und die wenigen Jahrhunderte glücklicheren 113

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