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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 29

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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wesentlichen auf die Berechnungen des jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Wilna, das, wie allgemein bekannt ist, mit mehr Erfolg als zureichenden Mitteln um eine Durchleuchtung vor allem der Fragen des osteuropäischen Judentums bemüht ist. VL Im Mittelpunkt der Arbeit Goldelmans steht, wie wir einleitend erwähnten, die Tatsache, daß das Verhältnis im der Berufsverteilung unter den Juden in der vom Verfasser betrachteten Periode nicht der beruflichen Entwicklung des Staatsvolkes parallel geht. Goldelman nennt dieses Verhältnis das „Gesetz der umgekehrten Abhängigkeit" und formuliert auf Grund des von ihm gebotenen Materials seine Schlußfolgerung (p. 29): „Dieses Verhältnis der umgekehrten Abhängigkeit der jüdischen Wirtschaftsstruktur von der der nichtjüdischen Mehrheitsvölker können wir somit auf Grund unserer bisherigen Betrachtungen als die Feststellung einer besonderen Gesetzmäßigkeit des jüdischen diasporalen Wirtschaftslebens erachten." Wir bitten Goldelman, im Interesse der Sache zu erlauben, auch hierauf mit einigen Worten eingehen zu dürfen. 1. Wie wir bereits bemerkten, ist es ein Fehler, die Entwicklung lediglich durch Relativziffern auszudrücken und dem Leser das Grundmaterial der absoluten Zahlen vorzuenthalten. Betrachten wir das von Goldelman gegebene Beispiel Preußens. Der Verfasser stellt fest, daß im Zeitraum 1861—1925, also während der letzten sechzig Jahre, der Anteil der im Handel tätigen Nichtjuden von 2 auf 10,5 v.H. gestiegen und der der Juden von 21,0 auf 5 v. H. der in dieser Gruppe Tätigen gesunken sei, und bemerkt hierzu: „Ein besseres Bild als das auf Tabelle XVI dargestellte wäre kaum noch möglich. Die Bedeutung des Händeis als Betätigungsfeld der Nichtjuden in Preußen steigt ununterbrochen und in einem raschen Tempo . . . Diesem Ansteigen der nichtjüdischen Händler folgt ununterbrochen eine Verringerung des Anteils der Juden im deutschen Handel." Es ist nur natürlich, daß der Anteil der Juden an der Gruppe „Handel" in dieser Periode relativ abgenommen hat, und diese Entwicklung steht auch gar nicht, wie der Verfasser sagt, „im Widerspruch zu den herrschenden Tendenzen der Wirtschaftentwicklung unserer Zeit". Goldelman hat nämlich den Faktor des nichtjüdischen und jüdischen Bevölkerungszuwachses in Rechnung stellen müssen. Wenn wir die Berufsstatistik durch die Bevölkerungsstatistik ergänzen, so ergibt sich, daß der Anteil der preußischen (wie der deutschen) Juden am Handel in Preußen (bzw. in Deutschland), am nicht jüdischen Anteil gemessen, zwar zurückgegangen ist, daß aber ihre zahlenmäßige Beteiligung an dieser Wirtschaftsgruppe im Zuge des eigenen Bevölkerungszuwachses in dieser Zeit gestiegen ist. Es möge auf den demographischen Faktor um so größeres Gewicht gelegt werden, als man bei Behandlung unseres Gegenstandes nicht nur nicht die Wachstumszahlen und absoluten Bestandsveränderungen berücksichtigt, sondern auch den anderen Fehler begeht, die wirtschaftliche Bedeutung der beruflichen Beteiligung der Juden an einem bestimmten Wirtschaftszweige an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung zu messen. Es besagt wenig die Feststellung, daß der Anteil der Juden am deutschen Handel ein Mehrfaches ihres Anteils an der deutschen Bevölkerung betrug. Diese Ziffer gibt uns keine Auskunft über die für die Beurteilung der jüdischen Wirtschaftsleistung maßgebenden Faktoren, nämlich die entsprechende Bewegung der jüdsicheh 110

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