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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 28

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Ad 3: Die Übersicht über die behandelten Fragen würde durch ein der Studie beigegebenes Inhaltsverzeichnis und das Verständnis für die Probleme durch ein stark verbessertes Literaturverzeichnis erleichtert werden, Goldelman mindert den Wert seiner Arbeit, wenn er dem deutschsprechenden Leser nur vier Titel angibt, die als eine Einführung in die jüdische Wirtschaftsgeschichte nur zum geringeren Teil angesehen werden können. Zunächst ist die Anführung ideologischer Schriften unbeschadet ihres Wertes in einer historischen Studie nicht ohne weiteres vertretbar (Borochow, des Verfassers eigene Schrift: Der Poale-Zionismus). Wenn der Verfasser Fragen -der Galuthwirtschaft behandelt und Zionismus und Palästinaarbeit notwendigerweise nur gestreift werden können, so erscheint diese Art des Literaturhinweises nicht erlaubt. Ein ähnlicher Einwand gilt für die von Goldelman zitierten jiddischen und ukrainischen Quellen. Außer dem einzigen von ihm genannten and repräsentativen Werk von Ruppin, der „Soziologie", hätte seine Literaturübersicht u. a. zu nennen: die instruktiven Einführungen in unseren Enzyklopädien, die Arbeiten von Garo, Theilhaber, Bonne, Ruppins verschiedene Untersuchungen zur Palästinawirtschaft. Hinzu käme das für die jüdische Wirtschaftsgeschichte unerläßliche Studium von Sombarts „Kapitalismus" und seines Buches: „Die Juden und das Wirtschaftsleben"/ Sombarts Schlußfolgerungen brauchen nicht immer geteilt zu werden, aber seine bedeutende Leistung liegt in der unbestrittenen Tatsache, daß er nahezu der erste Wirtschaftshistoriker ist, der seine Untersuchungen ganzer Epochen auf die statistische Auswertung des Queilenmaterials stützt. Ad 4: Die vorliegende Arbeit bedeutet schon aus dem Grunde einen großen Schritt vorwärts, weil trotz lebhafter Kontroversen über Detailfragen und wertvoller Vorarbeiten eine moderne sozialwissenschaftliche Analyse des jüdischen Volkslebens noch keineswegs in Angriff genommen ist. Die Rückständigkeit auf diesem für die praktische Tagesarbeit lebenswichtigen Gebiet möge an der sich ständig verfeinernden und. erfolgreichen jüdischen Sozialstatistikin Palästnia ermessen werden, die, wie es auch nicht anders sein kann, eines der wichtigsten Mittel beim Aufbau des Landes ist. Goldelman bemerkt gelegentlich mit Recht, daß das vorhandene statistische Material über das Diasporajudentum noch sehr unzureichend sei. Und es sei hier hinzugefügt, daß wir außer der Ruppinschen „Soziologie" über das brennende ostjüdische Problem, das eins der Sonderfragen jüdischer Sozialarbeit ist, bis zur Stunde kein Werk besitzen, das als eine spezielle und umfassende Wirtschaftsenquete angesprochen und dessen Material als eine wertvolle Unterlage konstruktiver Landespolitik in Osteuropa ■ dienen könnte. Diese Aussage ist überlegt. Soweit wir statistische Monographien über einzelne Teile des Galuthjudentums besitzen, begnügen sie sich mit einigen Grundzahlen über Bevölkerungsentwicklung und Berufsverteilung. Diese Beschränkung mag für kleine, atomisierte und wirtschaftlich schwache und nicht charakteristische Splitter des Diasporajudentums zu rechtfertigen sein, ist aber eine wissenschaftliche Nachlässigkeit gegenüber den jüdischen Grupperl der Diaspora, die wie die polnischen (in einem bestimmten Sinne auch die russischen) und amerikanischen Juden eine sozial und wirtschaftlich stark akzentuierte Sonderentwicklung aufweisen. Selbst dort, wo der quantitative Aspekt zurücktritt, harren die Fragen des qualitativen Aspekts einer exakten Analyse, wie etwa bei den südafrikanischen Juden*). Goldelman stützt sich neben eigenen statistischen Untersuchungen im *) Wird diese Fragestellung akzeptiert, so mögen denkende Zionisten erkennen, was noch an konstruktiver Gallith arbeit, nicht zuletzt zum Segen der Palast inaanb ei t, zu tun ist. 109

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