Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Was der Verfasser dagegen an dieser Stelle beschreibt, betrifft einen Tatbestand, der dem „Gesetz der Elastizität der Nachfrage" zu subsumieren ist. Dieses „Gesetz" behandelt die Korrelativität von Warenmenge und Preisbewegung. Goldelmans Beispiel selbst; Die Jüdische Rundschau mag das Inseratangebot noch so günstig festsetzen, von einem bestimmten Preise ab wird die „Nachfrage" nach Anzeigen (aus hier als bekannt vorausgesetzten Gründen) nicht mehr steigen, Der Preisnachlaß bewirkt keine Steigerung der Anzeigenaufgabe mehr. In der Theorie heißt dieser Fall: E < \. Ad, 2s Der Versuch des Autors, die Besonderheit im Rhythmus des jüdischen Wirtschaftslebens darzulegen, stützt sich ausschließlich auf statistisches Material aus der Wirtschaftsgeschichte Ost- und Mitteleuropas während der letzten 80 Jahre. Es fehlt zumindest also eine Analyse der qualitativ und quantitativ so bedeutenden jüdischen Wirtschaftssektoren der Vereinigten Staaten und Südafrikas. Die geographische Begrenzung ist noch als erlaubt und notwendig anzusehen, kaum jedoch, die Beschränkung auf einen Zeitabschnitt, der selbst vom Gesichtspunkt der allgemeinen europäischen Wirtschaftsgeschichte sehr kompliziert ist. Goldelman würde dem wissenschaftlichen, vor allem aber dem pädagogischen Ziel seiner Studie erheblich näher kommen, wenn er im Rahmen dieser oder einer besonderen Studie dem Schüler den notwendigen geschichtlichen Überblick vermittelt, ohne den jüdische Wirtschaftsgeschichte schwerlich verständlich erscheint. Es sei im Zusammenhang mit Goldelmans Darstellung nur an das für die jüdische Wirtschaftsgeschichte wichtige Kapitel des sog. jüdischen Zinswuchers erinnert, über den Klagen seitens der christlichen Umwelt erst nach Ende des neunten Jahrhunderts hörbar werden. Wir erwähnen dieses Beispiel aus zwei Gründen. Einmal betrifft es die wissenschaftlich bisher nur spärlich dokumentierten Fragen der jüdischen Wirtschaftsgeschichte im nichthellenischen Bezirk für den Zeitraum von mindestens vierhundert Jahren. Zweitens ist dieses Beispiel geeignet, die Frage des Geltungsbereiches einer historisch deduzierten These, wie etwa der Goldelmans von der „umgekehrten Abhängigkeit" zu prüfen, einer These, deren theoretischer Wert sich ja erst mit dem Reichtum an geschichtlichen Zeugnissen erhöht. Das verstärkte Eindringen der Juden zuerst in die westeuropäische Geldwirtschaft, von der wir noch nicht genau wissen, in welchem Maße es erzwungen war oder ob es in erster Linie eine Fortsetzung der durch die Entwicklungsbedingungen des westeuropäischen Geldwesens begünstigten jüdischen Wirtschaftstradition im Mittelmeerraum war, dieses Faktum auf der einen Seite, und die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden im Zeitalter des europäischen Hoch- und Spätkapitalismus auf der anderen Seite sind geschichtlich zu verschieden, als daß es erlaubt wäre, eine für einen bestimmten Zeitabschnitt geltende These so stillschweigend zu verallgemeinern, wie es der Verfasser tut. Es möge nicht vergessen werden, daß die wissenschaftliche Tradition auf dem Gebiet jüdischer Wirtschaftsgeschichte noch nicht ein halbes Jahrhundert alt ist. Der erste grundlegende Versuch von Caro, ein Torso, erschien vor knapp dreißig Jahren*) *) Die Pionierleistung von Caro nicht ganz zum Ausdruck bringend, belehrt uns das Jüdische Lexikon: „Großzügiger und in den Grundzügen auch gelungener Versuch, die Wirtschaftsgeschichte der Juden seit ihrer Zerstreuung auf Grund der Quellen darzustellen". (Artikel „Caro, Georg"). Das bleibende, von der späteren wissenschaftlichen Arbeit nicht gewürdigte Verdienst, als erster auf die Notwendigkeit einer soziologisch-statistischen Behandlung der jüdischen Geschichte hingewiesen zu haben, gebührte Zunz (vgL seine: „Grundlinien zu einer künftigen Statistik der Juden", 1823; zuerst erschienen in der Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums). 108