Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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nur diese Gesinnung und diese Einsicht bewahren uns vor jenen schweren taktischen Fehlern, durch die wir den Eindruck der Schwäche bei Arabern und Engländern erwecken und durch die wir uns jede Möglichkeit nehmen, aktive und positive Politik zu treiben. Der zweite Vorschlag H, F.s,! der Bedenken erweckt, ist nicht formaler, sondern grundsätzlicher Art. Er führt uns mitten in die dicksten Schwierigkeiten des ijüdisch-arabischen Problems. F. sagt: „Das unerschlossene Gebiet des palästinensischen Südens (Negew), das ein Kolonisationsproblem sui generis darstellt, könnte Gegenstand einer großen jüdisch-arabischen Siedlungskooperation werden. Die Gründung einer jüdisch-arabischen Kolonisationsgesellschaft zur Erschließung des Südens, gemeinsame Wasserbohrungen und Inangriffnahme der Besiedlung dieses Gebietes würde eine Aufgabe von größter Bedeutung sein. Hier könnte jüdischer Pioniergeist .... nicht nur große Strecken für die jüdische Siedlung erschließen, sondern auch beim Aufbau arabischer Dörfer nach modernen Siedlungsgesichtspunkten helfen können und so Segen und Freundschaft unter die verelendete Bevölkerung dieses Gebiets bringen." Die kolonisatorische Möglichkeit im Negew ist gewiß richtig gesehen. Und es ist auch richtig, daß der infolge der unzulänglichen Bewässerungsverhältnisse besonders verarmten arabischen Bevölkerung dieses Gebietes durch moderne Kolonisationsmethoden viel geholfen werden könnte. Aber wie mächt man das? Wie kann denn eine gemeinsame jüdisch-arabische Siedllingsgesellschaft geschaffen werden? Die Voraussetzung dafür wäre doch das Vorhandensein eines arabischen Partners. Und den gibt es nicht. Weder die Beduinen, noch die Fellachen, noch die städtischen arabischen Arbeiter- und Handwerkerkreise besitzen heute schon die intellektuellen, die wirtschaftlichen und die geistig-kulturellen Voratissetzungen, um mit Menschen europäischen Lebensstils, also mit Juden in gemeinsamen wirtschaftspolitischen Organisationen zusammenzuarbeiten. -Diese Voraussetzungen sind — und auch da nur annäherungsweise — bei den großen Effendi-Familien und ihren intelligenzlerischen Trabanten und bei den wenigen großen arabischen Kaufleuten vorhanden. Aber diese beiden arabischen Kreise sind zur Zeit noch die' Vertreter des radikalen arabischen Nationalismus» Der arabische Partner für wirtschaftspolitische Kooperation fehlt also. Und wir können von uns aus unmittelbar fast nichts dazu tun, um ihn zu schaffen. Wir werden vielmehr immer den Umweg über die Palästina-Regierung wählen müssen. Unser Beitrag zur Lösung der Araberfrage wird darin zu bestehen haben, ein Kolonisationsregime in Palästina schaffen zu helfen, das für Juden und Araber die Möglichkeit bietet, sich ihr Leben im Lande zu gestalten. Das ist der einzige politische Weg, der heute gangbar ist. Er setzt voraus, daß die britischen Regenten Palästinas Menschen sind, denen die besondere Problematik dieses Landes klar ist und die Format genug besitzen, mit dieser Problematik fertig zu werden. Er setzt weiter voraus, daß die arabische Bevölkerung des Landes ebenso wie die jüdische die verfassungsmäßige Möglichkeit hat, an der Gesetzgebung des Landes mitzuwirken und die Initiative zur Einbringung von wirtschaftspolitischen Gesetzen zu ergreifen. Und er setzt schließlich voraus, daß man im zionistischen Lager mit aller Nüchternheit erkennt, welche unendlichen Schwierigkeiten für das Zusammenleben von Juden und Arabern in der Tatsache liegen, daß die Juden ihrer ganz überwiegenden .Mehrheit nach aufgeklärte Rationalisten sind, die aus städtisch-kapitalistischem Milieu stammen, während die Araber ihrer ganz überwiegenden Mehrheit nach fromme Moslem sind, die aus bäuerlich-feudalistischem Milieu stammen. Das sind zwei Welten, zwischen denen nicht nur die Verschiedenheit der Sprache, sondern auch der Kulturunterschied von Jahrhunderten klafft. Wir sollen uns hüten, diesen Unterschied durch eine 105