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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 23

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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unterhalten. Die Folgen für die Preiskalkulation liegen auf der Hand. Auch das geht nicht. Es ist wirtschaftlich ebenso unmöglich, turnusmäßig beide Häfen abwechselnd für den jüdischen Transportbedarf heranzuziehen, wie es unmöglich ist, beide Häfen gleichzeitig zu benutzen. Ob der arabische Hafen Jaffa neben dem jüdischen Hafen Tel Aviv aus der eigenen wirtschaftlichen Kraft der Araber Palästinas oder mit Regierungssubvention bestehen bleiben kann, ist schwef zu beurteilen. Daß aber ein Nebeneinanderbestehen beider Häfen mit Hilfe der jüdischen Wirtschaft nicht möglich ist, glaube ich dargetan zu haben. Aber sehen wir einmal von dem wirtschaftlichen Widersinn ganz ab, der allein schon das Vorbringen dieses Vorschlages hätte verbieten müssen. Sehen wir ganz davon ab, daß unendlich viel sauere jüdische Arbeit und ein nicht ganz kleiner Betrag in schwerster Notzeit mutig riskierten jüdischen Kapitals in dem Hafen von Tel Aviv steckt. Betrachten wir nun einmal die politisch-taktische Seite der Sache. Welches Bild bietet sich da? Die Araber Palästinas haben den Wirtschaftskrieg gegen die Juden begonnen. Sie haben der jüdischen Stadt Tel Aviv den einzigen Hafen, auf den sie angewiesen war, den Hafen von Jaffa gesperrt, Als die Araber den Wirtschaftskrieg abbrechen, weil sie ihn nicht mehr weiterführen können, ihn also praktisch verloren haben, besitzt Tel Aviv aus eigener Kraft einen eigenen Hafen, Und während die arabischen Seeleute nach Abbruch des Streiks keine Arbeit in ihrem Hafen finden können, haben die jüdischen Seeleute in Tel Aviv reichlich zu tun. Einhandgreiflicherer Anschauungsunterricht für die Unzweckmäßigkeit ihres gegen die Juden gerichteten Wirtschaftskrieges kann den Arabern also gar nicht erteilt werden. Und just in diesem Augenblick, in dem sie anfangen können, ein wenig über die Unzweckmäßigkeit ihres Tuns nachzudenken, da kommt ein Jude, klopft ihnen freundschaftlich auf die Schulter und sagt: „Ihr habt euch nebbich mit eurem gegen mich gerichteten Streik ins eigene Fleisch geschnitten. Ich will euch helfen, damit ihr aus den selbstverschuldeten Sorgen, die ihr eigentlich ja mir zugedacht hattet, recht schnell herauskommt." Es gibt kein normal funktionierendes arabisches Gehirn, das dieses Angebot nicht als ein Schwächebekenntnis auffassen muß, S o kann unsere Verständigungspolitik mit den Arabern niemals begonnen werden. Was durch jüdische Arbeit unter schwierigsten Bedingungen im Lande an Werten geschaffen und an Leistungen vollbracht wurde, das darf nicht um der Verständigung willen verschleudert werden. Mit einem Partner, der aus Willensschwäche auf das verzichtet, was er selbst geschaffen hat, gibt es in der ganzen weiten Welt keine Verständigung. Einen solchen Partner bestiehlt man, aber man paktiert nicht mit ihm. Daß es heute auch führende zionistische Politiker gibt, denen diese Erkenntnis geläufig ist, zeigen Ben Gurions Ausführungen zur Frage des Tel Aviver Hafens; „Wenn die Leitung der Agency in den zwei Jahren nach dem Kongreß von Luzern keinen anderen Erfolg aufzuweisen hätte als die Schaffung des Hafens von Tel Aviv, so würde sie sich schon allein dadurch einen ehrenvollen Platz in der jüdischen Geschichte sichern.....Es bestand die Gefahr, daß in dem Augenblick, da .... . der Streik abgebrochen wurde, das junge Werk zerstört würde und die Juden eilends nach Jaffa zurückkehrten. ..... Wenn nicht das junge jüdische Staatsgefühl gewesen wäre, das den ungeheuren Wert der Selbständigkeit auf dem Meere für uns und für unsere Zukunft richtig einzuschätzen wußte, wir wären unter diesen Bedingungen imstande gewesen, das Hafenwerk wieder zu vernichten." Nur mit dieser Gesinnung und mit dieser Einsicht können wir an den Versuch gehen, einen Ausgleich mit den Arabern Palästinas herbeizuführen. Denn 104

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