Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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oben zitierten Rundschauaufsatz in wesentlichen Punkten die gleichen Absichten vertritt. Es erscheint daher müßig, hier diese Dinge zu wiederholen, In zwei Punkten jedoch scheinen mir F.s Gedankengänge einer kritischen Stellungnahme bedürftig. Das eine ist eine Frage, die mancher vielleicht als nicht so sehr belangvoll ansehen mag, weil es eine taktische, keine grundsätzliche Frage ist. Aber die Neigung, das Schwergewicht auf die grundsätzlichen Dinge zu legen und die taktischen Fragen zu vernachlässigen, ist einer der Krebsschäden der zionistischen Politik. H. F. fordert eine Verständigung mit den Arabern Palästinas. Und unter den Vorschlägen, die er macht, um mit der arabischen Bevölkerung zu einem Vertrauensverhältnis und damit« zu einem modus vivendi zu gelangen, findet sich auch folgende Anregung: ,,Den schwersten wirtschaftlichen Schlag . . . hat es (sc. das arabische Volk in Palästina) durch die Stillegung des Hafens in Jaffa erhalten. Hier könnten wir Juden mit" einer großzügigen Geste unsere Hand zur Versöhnung ausstrecken. Unter der Voraussetzung der dauernden Wahrung der jüdischen Interessen und der Sicherung unserer Position könnten wir uns bereit erklären, nadi Jaffa zurückzukehren und Jaffa in den jüdischen Handel, den Orangenexport und den Warenimport sowie in die Landung von Einwanderern wieder einzubeziehen. Wenn im Verfolg dieser Tendenz und einer Vergrößerung unserer Siedlung es zu einem gemeinsamen Hafen Jaffa-T-el Aviv käme, so würde hier ein Weg beschritten werden, der eine ebenso großzügige Geste wie eine Wahrung der wirklichen Interessen beider Nationen darstellt." Es ist schwer, gegenüber diesem ernstgemeinten Vorchlag eines ernsthaften und verdienten Zionisten auf Sarkasmus zu verzichten. Das ist genau der Vorschlag, der unter gar keinen Umständen gemacht werden darf und schon gar nicht in dieser reichlich mißverständlichen Form. Zunächst einige Bemerkungen zur Form, Unter der Bereitschaft, nach Jaffa zurückzukehren und Jaffa in den jüdischen Handel und die Ausschiffung von Einwanderern wieder einzubeziehen, kann man verstehen, daß Jaffa neben Tel Aviv als jüdischer Hafen behandelt werden solle. Man. kann darunter aber auch verstehen, daß auf den Hafen Tel Aviv verzichtet und der alte Zustand vor den Unruhen wiederhergestellt werden solle. Jüdische Beteiligung am Hafen Jaffa unter Aufrechterhaltung des Hafens Tel Aviv ist ein wirtschaftlicher Unsinn. Das geht einfach nicht. Frachtdampfer legen niemals in zwei Häfen an, die noch keine fünf Seemeilen voneinander entfernt sind. Soviel kann kein Reeder verdienen, wie diese Doppellandung kosten würde. Für die Personendampfer. der großen Mittelmeerschiffahrtslinien gilt das erst recht. Es käme also darauf hinaus, daß die Reedereien ihre Schiffe turnusmäßig einmal in Jaffa und einmal in Tel Aviv anlegen ließen und die Aus- und Einschiffungen von Menschen und Frachten einmal in diesem und einmal in jenem Hafen erfolgten. Ob sich bei dem jüdischen Reisepublikum, dessen Abneigung gegen die Ausbootung in Jaffa nichts mit politischen Erwägungen, sondern nur mit der Frage der Sicherheit für Menschen und Gepäck etwas zu tun hat, große Begeisterung für die Landung in Jaffa wird wecken lassen, muß sehr zweifelhaft bleiben, zumal die Ausbootung in Jaffa noch die Kosten für die Autobusfahrt nach Tel Aviv in sich schließt, die bei der Landung in TelAviv selbst wegfallen. Noch viel schwieriger aber ist die Frage des Frachtverkehrs. Wer, wie die palästinensischen Citrus-Exporteure und die palästinensischen Fertigwaren-Importeure, einen bestimmten Markt beliefert, muß bei der technischen Abwicklung seiner /Transporte mit bestimmten Lagerhäusern und bestimmten Lagerfristen rechnen. Wechselt der Verschiffungshafen aber in regelmäßigem Turnus, so entsteht die Notwendigkkeit, mit verschiedenen Lagerfristen zu rechnen und doppelte Lagerhäuser zu 103