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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 21

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Aus diesen inneren, in der Geschichte unseres Volkes begründeten Ursachen müssen wir diesen Weg zur Schaffung eines jüdischen Dominions trotz alles politischen Verlockungen, ablehnen. Wir Juden sind ein Volk nach unserem blutmäßigen Ursprung und nach unserer geistigen Tradition. Aber wir sind — außerhalb Palästinas — kein Volk mehr und — innerhalb Palästinas — noch kein Volk nach der Wirklichkeit unseres täglichen Lebens. Diese Tragik ist das, was wir Judenfrage nennen. Wir lösen diese Judenfrage nicht, indem wir uns von England und den Mächten ein jüdisches Staatsgebilde im Taschenformat schenken lassen, sondern indem wir uns den größeren Judenstaat, indem wir Erez Israel in langsamer, zäher Arbeit aufbauen. Zu dieser Arbeit gehört die Erlösung des Bodens und die stetige Einwanderung ebenso wie die politische Tätigkeit, durch welche wir rechtlich, formal sichern, was unsere besten Menschen mit dem Einsatz ihrer Kraft und ihres Lebens errungen haben. Ausgangspunkt der politischen Tätigkeit ,aber muß für uns das Mandat sein. Es ist die einzige Rechtsgrundlage, die wir haben. Jedes Zipfelchen, das wir von ihm preisgeben, bedeutet einen Verzicht, zu dem wir vor der Geschichte nicht berechtigt sind. Deshalb kann es sich bei den zionistischen Bemühungen um die Schaffung eines neuen Rechtszustandes in Palästina nicht darum handeln, das Mandat im Grundsatz oder in irgend einem Punkte preiszugeben, sondern nur darum, das Mandat anders als bisher auszulegen. Unsere bisherige Auslegung des Mandates war eng. Wir lehnten jeden Versuch, zu einer über den Bereich der palästinensischen Gemeinden hinausgehenden Selbtverwaltung der Bewohner des Landes zu kommen, beharrlich ab. Es gab eine Zeit, in der das politisch notwendig und deshalb richtig war. Das war die Zeit bis 1935, die Zeit, in der wir zahlenmäßig noch sehr schwach waren. Seitdem wir aber ein Drittel der Landesbevölkerung ausmachen, seitdem wir die Küstenebenen, die Jesreelebene, das Hulegebiet fast ganz besitzen, kurz seitdem wir ein Machtfaktor im Lande geworden sind, beginnt diese Politik der Ablehnung sich als zu starr zu erweisen. Der politische Sinn aller A-Mandate ist der, daß aus diesen Gebieten einmal autonome Staaten werden sollen. Auch in den Bestimmungen des Palästina- Mandates ist dieser Sinn unverkennbar. Und wenn wir heute diesem immanenten Sinn des Mandatstextes Rechnung zu tragen beginnen, so verlassen wir damit nicht die Rechtsgrundlage, auf welcher unsere Aufbauarbeit ruht, sondern wir erweitern sie nur. Es war der schwerste Fehler, welchen die1 zionistische Politik seit langem begangen hat, daß sie 1936 den Vorschlagdes High Commissionar auf Schaffung eines Gesetzgebenden Rates ohne jeden Versuch einer Diskussion ablehnte. Gewiß, in der Form, in der Sir Arthur Wauchope den Rat vorschlug, konnte er nicht angenommen weiden. Aber vielleicht hätte es die Möglichkeit gegeben, ihn anders zu gestalten. Wenn heute von zionistischer Seite der notwendige Versuch unternommen wird (so von H. F. in einem Leitartikel der „Jüdischen Rundschau", Nr. 32), die Schaffung eines Gesetzgebenden Rates anzuregen, so entbehrt das nicht einer gewissen Peinlichkeit, die unsere verhandlungstaktische Position beeinträchtigt. Aber wir müssen das in Kauf nehmen. Wir müssen vor die englische Regierung mit einem umfassenden positiven Programm treten, wenn wir zu den Vorschlägen der Königlichen Kommission nach deren Veröffentlichung Stellung nehmen. Es geht nicht mehr an, nur „Nein" zu sagen. Denn dann wird ohne uns, das heißt, gegen uns entschieden werden. Ich habe im letzten Heft des „J. W." bei meinen Ausführungen zur Frage der Kantonalisierung in Abrissen angedeutet, in welcher Richtung positive Vorschläge gehen müßten, und konnte mit Freude feststellen, daß H. F. in dem 102

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