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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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sichtig genug, ihre Ablehnung mit positiven Gegenvorschlägen zu ergänzen. In früheren Jahren hätten die Araberunruhen und hätten die mutmaßlichen Vorschläge der Königlichen Kommission im zionistischen Lager einen ideologisch zugespitzten Streit um die zionistische Außenpolitik hervorgerufen. Es hat den Anschein, als sei die zionistische Bewegung jetzt endlich über dieses Stadium politischer Unerfahrenheit hinaus, wenigstens, soweit ihre führenden Persönlichkeiten in Betracht kommen. Ein überaus erfreuliches Dokument dieser Entwicklung ist die große grundlegende Rede, die Ben Gurion im Februar dieses Jahres auf der Histadruth-Konferenz in Tel Aviv gehalten hat*). Es hat fast den Anschein, als sei durch den Ar ab er auf stand der politische Reifungsprozeß des Jischuw und seiner Führer ganz erbeblich beschleunigt worden. Die nächsten Monate, insbesondere aber der Verlauf des Kongresses werden beweisen, ob dem wirklich so ist. Durch den Bericht, den die Königliche Kommission geben wird, entsteht eine politische Situation, die kein Ausweichen mehr zuläßt. Selbst wenn die Kommission ihre Stellungnahme überaus vorsichtig formulieren sollte, so wird sie doch unmißverständlich aussprechen, daß der gegenwärtige staatsrechtliche Zustand Baiästinas vom Standpunkte des British Empire aus unerwünscht ist. Bleibt der staatsrechtliche Zustand Palästinas unverändert, dann wird die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit nur durch einen verstärkten Einsatz britischen Militärs oder durch Bewaffnung des Jischuw gewährleistet werden können. Die Kommission muß beides zu vermeiden wünschen. Denn die dauernde Konzentration starker Truppenkontingente in einem einzigen kleinen Eckchen des Empire ist weder mit der öffentlichen Meinung in England noch mit den militärpolitischen Notwendigkeiten des britischen Weltreiches vereinbar. Die Bewaffnung des Jischuw aber könnte von arabischer Seite als eine eindeutige Stellungnahme zugunsten der Juden aufgefaßt werden. Und die Kommission hat — das zeigt schon die Form der Befragung der jüdischen Zeugen ganz deutlich — nicht die Absicht, etwas zu tun oder zu empfehlen, was als Stellungnahme zugunsten der Juden ausgelegt werden könnte. Die Gründe dafür sind deutlich. Die Kommissionsmitglieder gehören alle jener politischen Schule an, die mit Rücksicht auf die sehr große Zahl von Mohammedanern im britischen Weltreiche, vor allem auch in Indien, [jede unnötige Verärgerung islamischer Kreise zu vermeiden wünscht. Die neueste Entwicklung der italienischen Islam-Politik dürfte die Stellung der Anhänger dieser Auffassung zu verstärken geeignet sein. So wird man mit einer an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit erwarten dürfen, daß die Kommission eine einschneidende Änderung des staatsrechtlichen Zustandes Palästinas vorschlägt. Und es dürfte sich nicht vermeiden lassen, daß die englische Regierung, an deren Adresse die Kommissionsvorschläge gerichtet sind, dieser Anregung im Prinzip Folge leistet. Aufgabe der zionistischen Politik kann es mithin nicht sein, sich der Änderung des staatsrechtlichen Zustandes zu widersetzen. Sondern dje Aufgabe der zionistischen Politik besteht darin, eine Änderung herbeiführen zu helfen, *) „Zionistische Außenpoliti k", eine Rede von Ben Gurion, Berlin 1937. Hechaluz-Verlag. Wir machen unsere Bundesbrüder auf diese Rede besonders aufmerksam, vor allem auf die Abschnitte über die arabische Politik. Was hier ein Politiker vom Range Ben Gurions zum Thema der Parität, des binationalen Staates, der jüdisch-arabischen Verständigung, des Rechts von Juden und Arabern auf Palästina und schließlich zum Thema der panarabischen Bewegung äußert, geht über das Tagespolitische weit heraus und erweist eine eindeutig nationale Linie für die politische Willensbildung, wie sie nur begrüßt werden kann. 99

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