Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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zusetzen versucht. Gerade in den letzten Wochen ist es zu erheblichen Konflikten zwischen dem Industriellen-Verband und der Gewerkschaft gekommen. Sie hatte ursprünglich zugestanden, daß in allen Betrieben nur 75 v. H. der Arbeiter ihren Verbänden angehören müssen, während 25 v. H. aus anderen Gewerkschaften rekrutiert werden konnten. Sie hat dieses Zugeständnis dann in der Richtung interpretiert, daß die sogenannte freie Quote sich nur auf solche Facharbeiter beziehe, die aus ihrem eigenen Kreis nicht gestellt werden können. Es ist eine Lebensfrage für den jüdischen Jischuw, daß die Arbeitsbeziehungen unter Voranstellung des nationalen Gesamtinteresses gelöst werden. Es gibt wohl kaum einen Staat in der Welt, in dem ei n« Gewerkschaft das Monopol auf Arbeit für ihre Mitglieder mit Erfolg in Anspruch nimmt und in dem Arbeitskonflikte nicht durch staatlichen Schiedsspruch geschlichtet werden. Die Situation wäre noch anders, wenn die Histadruth Haklaiith ein Berufsverband wäre, dem die Aufgabe zufiele, die Interessen aller Arbeiter zu vertreten. Sie ist aber nach Herkommen und Gesinnung mehr als eine Berufsvertretung. Sie ist zu einer Fraktion innerhalb der zionistischen Bewegung geworden. Warum die Lösung dieses Problems nicht vorwärtsgetrieben wird, liegt klar auf der Hand. Die die zionistische Exekutive tatsächlich bestimmende Gruppe hat kein besonderes Interesse daran, einen Teil ihrer — was man objektiv zugeben muß — durch Leistung und Arbeit erworbenen Machtstellung aufzugeben. Das jüdische Sc hui werk in Erez Jisrael differenziert sich zusehends. Es zerfällt in drei klar von einander geschiedene Gruppen. Die Arbeiterschaft hat ihre eigene Schule, der Misrachi gleichfalls, während die übrigbleibende Schule als sogenannte Schule allgemeiner Richtung angesprochen wird. In parteipolitischer Übertreibung könnte man behaupten, daß durch diese Differenzierung des Schulwerkes drei verschiedene Völker in Palästina erzogen werden. Tatsache ist, daß in diesen Schulen drei verschiedene Welten vorhanden sind. Die Kluft zwischen der Jugend des jüdischen Jischuw wird damit vertieft und die ohnedies in diesem kleinen Lande schon allzu stark vorhandene Spannung verschärft. Von einer einheitlich nationalen Erziehung kann daher nicht mehr die Rede sein. Die Entfremdung durch die Schulsysteme führt zur Feindschaft und die Feindschaft zur Radikalisierung. Der 19. Zionistenkongreß hatte die Einsetzung eines Wirtschaftsrates beschlossen, in dem alle Wirtschaftsverbände von Erez Jisrael vertreten sein sollten. Die Versuche zur Schaffung eines Wirtschaftsrates sind in ihren Anfängen steckengeblieben. Es war von vornherein klar, daß ein solcher Wirts chafts rat nicht nach kongreßpolitischen Gesichtspunkten zusammengesetzt werden könnte. Die Pflanzer, Industriellen und Bankleute würden es zweifellos begrüßt haben, wenn ein solches Gremium geschaffen worden wäre, aber sie werden es von vornherein ablehnen, in dieses Gremium einzutreten, wenn es nichts anderes werden sollte als ein neues Forum, vor dem wichtige Fragen des jüdischen Lebens unter kongreßpolitischen Gesichtspunkten ausgetragen werden sollen. Unter diesen Umständen dürfte die in der Zionistischen Exekutive ausschlaggebende Gruppe kein großes Interesse an der Gründung des Wirtschaftsrates gehabt haben. In den letzten Wochen und Monaten ist gegen die zionistische Exekutive und die verantwortlichen Instanzen des KKL. der Vorwurf erhoben worden, daß bei der Ansiedlung die Gruppen des Misrachi und der allgemeinen Zionisten benachteiligt werden. In der Zeitschrift yfDer zionistische Arbeiter" (März 1937), dem Organ der allgemeinzionistischen Fraktion innerhalb der H is t a dr u t hiHak l a I i t h / heißt es: „Nach 95