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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 12

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Staatsweisheit als Richtlinie für die zukünftige Palästina-Politik ausgibt, für die Verwirklichung des Zionismus von schicksalhafter Bedeutung ist. Das ist wohl auch der Grund dafür, weshalb die Stellungnahme zu den Vorschlägen über die Teilung oder Kantonisierung Palästinas nicht zu einet Parteiangelegenheit geworden ist, vielmehr die Auffassungen hierüber quer durch alle Fraktionen der zionistischen Weltorganisation gehen. Es wäre unverantwortlich, wenn die zionistische Bewegung schon heute ihren Standpunkt zu den Gerüchten und nur andeutungsweise bekannten Plänen fixieren würden. Eines ist zweifellos, daß sie sich mit Recht gegen alle Pläne wenden muß, die imstande sind, die volle Verwirklichung des Zionismus zu verhindern. Vielleicht wird die Regelung mancher Fragen unabhängig von unserem Willen sein, aber keineswegs kann der Zionismus freiwillig Plänen seine Zustimmung leihen, die selbst bei nüchternster Abwägung des Für und Wider den Aufbau unseres jüdischen Staates, der nur Sinn haben wird, als ein Staat der jüdischen Massen und nicht als ein Zwerggebilde mit Scheinsouveränität und Fassaden-Regierung, in Wirklickeit in Frage stellen. Eine, nationale Bewegung, die das ganze Volk repräsentiert, hat nicht das Recht, anders zu reagieren. Die Zionistische Organisation ist nicht die Vertreterin der in ihr zusammengeschlossenen Menschen, auch nicht die Trägerin privater, partei-egoistischer Ideale, die man beliebig abstreichen oder abschwächen kann. Die Gefahr des Augenblicks ist eine doppelte. Bei den Vernehmungen vor der Kgl. Kommission schien es oftmals, als ob bestimmte Gruppen in Palästina bereit sind, Sonderwege zu gehen und Sondervereinbarungen zu treffen, wenn nur ein Faktor im englischen oder arabischen Lager vorhanden ist, der ihren Interessen entgegenkommt. Es scheint aber doch gelungen zu sein, in allen grundsätzlichen Fragen eine Einheitsfront aller Organisationen und Gruppen des Jischuw zu erzielen. Eine größere Gefahr sind Stimmungen und Auffassungen, die in der letzten Zeit im zionistischen Lager zutage getreten sind. Die Ereignisse in Palästina, die Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet, die Unmöglichkeit, die politische Entwicklung der nächsten Zeit vorauszusehen, haben bei manchen Menschen die Meinung aufkommen lassen, daß es in diesem Augenblick nur eine zentrale Aufgabe gibt, nämlich den Frieden in Erez Jisrael herzustellen, gleichgültig, ob dieser Friede mit großen Verzichten bezahlt werden muß oder nicht. In einem viel beachteten Artikel von Zioni in der „Jüdischen Rundschau" ist diese Auffassung in aller Klarheit vertreten worden. Wenn die zionistische Bewegung in dieser Situation bestehen will, dann muß sie sich in aller Deutlichkeit von dieser Auffassung distanzieren. Es handelt sich hierbei nicht um die Frage, ob man den Frieden will oder nicht, es handelt sich auch nicht darum, ob man für Verständigung ist oder nicht, sondern ausschließlich darum, daß die zionistische Bewegung ihnen Sinn verliert, wenn sie den Frieden durch Verzichte erkauft, die tatsächlich eine Lösung der Judenfrage unmöglich machen. Jede nationale Bewegung, die für die Freiheit ihres Volkes kämpft, steht einmal vor der Situation, in der sie durch Verzichte Scheinerfolge erringen kann oder aber gezwungen ist, unter Verzicht auf den augenblicklichen Erfolg den Kampf für die voll« Verwirklichung ihrer nationalen Vorstellung aufzunehmen. Wer die Entwicklung der Dinge aufmerksam beobachtet, muß zu dem Ergebnis kommen, daß die zionistische Bewegung unter Umständen vor diese Alternative gestellt wird. In einer solchen Zeit muß die zionistische Welt und das jüdische Volk darauf vorbereitet werden, daß möglicherweise wieder eine Leidensstation durchkämpft werden muß. Die Kraft der Bewegung wird geschwächt durch Friedensparolen, deren Verwirklichung zwar nicht die Gewähr für einen end- 93

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