Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Geist ein. Die religiöse Verpflichtung zum Handeln und Sich-ibe währen trieb die Puritaner in den Kampf. Zu Gottes Ruhm, das hieß für Protestantismus, Freiheit und England als den Hort dieser Freiheit. Der machtvolle Nationalismus dieser Zeit ist dem biblischen Messianismus eng verwandt. Er war nicht g e g e n andere gerichtet, sondern erfüllt von der großen Menschheitsaufgabe der Befreiung. Die Streiter Cromwells fühlten die Berufung, ihre Erkenntnisse in die Welt zu tragen zum Besten der im Un wissen und Unfreiheit gebliebenen Völker. So paarte sich der nationale Stolz «auf die besondere Fähigkeit und Erwähltheit mit dem demütigen Gefühl der Verpflichtung, „zu verstehen und zu helfen". Praktisch-militärisch hieß das, daß aus Söldnern begeisterte Freiwillige wurden. An die Stelle der ritterlichen Ehre trat die Pflicht, aus der Gelegenheitsaufgabe der Kriege wurde die dauernde Verpflichtung zur Bereitschaft, die stehende Kriegsflotte zum Schutz der Meere. Die sozialpolitische Dfeziplinierunig ist zumal den Quäkern zu danken, Armenfürsorge, Schulpflicht, Gesundheitspflege, Strafvollzugsreform, Genossenschaftswesen fanden dort ihre frühe Verwirklichung. Formen der Neuzeit Alle diese Kräfte wirkten durch die Jahrhunderte fort und fanden an allen Problemen des wachsenden Weltreichs ihre Anwendung. Die Formen, in denen sie noch heute bestehen, erhielten im vorigen Jahrhundert ihre Ausprägung. In der Viktorianischen Epoche (1837—1901) wurde der Imperialismus in der beginnenden Auseinandersetzung auch mit außereuropäischen Mächten zum bewußt gestellten Problem. In den Richtungen des Manchestertums und des bewußten Imperialismus stießen die Meinungen aufeinander. Sie sind die Fortsetzung der Reformationsauseinandersetzung, aber nicht so, daß etwa die eine, die negative, die andere, die positive Seite fortsetzten. Sondern in beiden schwingen alle die Kräfte, welche wir kennengelernt haben, sie durchdringen sich und stellen so insgeheim eine immer wieder verbindende Einheit her. Wir wollen die beiden Richtungen aus der Praxis britischer Staatsmänner und Kabinette darstellen. Kaufmann und Gottesstreiter Im Man ehest er tum treten die negativen Momente zunächst hervor, die Ablehnung aller Bindungen an irrationale Elemente. Das wirtschaftliche In¬ Interesse dominiert, die alten Traditionen werden daran gemessen und bekämpft. Das Recht auf Kolonisierung wird brüsk bestritten. Der Freihandel wird propagiert, weil er die Bande lockert, die das Imperium, diese „Gefahr für die Gegenwart", diese „Illusion für die Zukunft", zusammenhalten. Die Seeherrschaft wird als Anmaßung verurteilt, als ein Beispiel brutaler Gewalt. Die finanzielle Belastung, welche die Beherrschung der Kolonien mit sich bringt, ist das immer wiederkehrende Schreckgespenst, insbesondere die Indienpolitik gilt als hoffnunglos, ja verbrecherisch. Wir kennen aus unserer Zeit am Beispiel Palästinas die gleichen Stimmen, welche vor dem Experiment zurückschrecken und sich auf ein kleineres England zurückziehen wollen. Abrüstung um jeden Preis wird gepredigt, in der England selbst den Anfang machen soll. Hier freilich findet sich bereits der Übergang zur religiösen Begründung, Nicht nur der Verdienstwille ist die Triebfeder, sondern das Sehnen nach dem Gottesreich, nach Frieden und gutem Willen unter den Völkern. Die führenden Staatsmänner des Liberalismus wollen die private christliche Ethik auch auf das Völkerleben übertragen, ihre Lieblingsmethode war von je das Schiedsrichtersystem; Völkerbund, Friedenspakt, Rundtafelkonferenzen sind ihnen neben zweckmäßigen Mitteln zugleich Versuche religiöser Verwirklichung des allgemeinen Friedens. Praktisch mußte sich die Richtung mit dem Bestehen des Weltreichs abfinden. Ihr Kompromiß war 90