Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 3-4 (Juni 1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bahn ist irei Ein Mitbewerber stand noch tinbesiegt, der Nachbar und Gegner aus jahrhundertalten Kämpfen. Frankreich strebte nach der Hegemonie, seit Colbert war es nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich und kolonial die führende Macht. Zwei Höhepunkte kennzeichnen das bittere Ringen, der Siebenjährige Krieg und das gigantische Kapitel der Herrschaft Napoleons, des Eingangsturms der neuen weitpolitischen Zeit, Den „Kontinentaldegen" Englands hat der bedeutende Staatsmann Pitt Friedrich den Großen genannt, dessen strategischer Genius das Gesicht des Festlandes verwandelte. Das alte Deutsche Reich zerbrach, das britische Imperium wurde in diesen Tagen geschaffen. Frankreichs Kräfte waren gebunden, und auch sein Schicksal wurde so durch den schlesischen Krieg besiegelt. Der Pariser Friede von 1763 macht England zum Herrn im französischen Nordamerika und Indien; Clive beginnt dort den Siegeszug. Die beiden Leitsätze der englischen Politik zeichnen sich sichtbar ab: Ausspielen der kontinentalen Kräfte gegeneinander und zugleich überseeische Expansion. Ein Mann erkannte dies mit unbestechlichem Blick: Die weltpolitische Bedeutung Bonapartes liegt in der bis in die letzte Konsequenz getriebenen Auseinandersetzung mit England, Die Vernichtung der französischen Flotte durch die Revolution sprach das Urteil in diesem Kampf und vereitelte den großangelegten Plan. Der Angriff auf das Empire brach in Palästina zusammen, die gewaltsame Einigung Europas durch Bonaparte, der Versuch der Unüberwindlichmachung, scheiterte am Setzen des Schlußsteins, an dem Ausgang des russischen Krieges. Abukir, Trafalgar, Waterloo — es sind bezeichnenderweise auch militärisch vorwiegend die Kämpfe mit England, die den Niedergang des Korsen herbeiführten. Das war die letzte entscheidende Etappe. Sie ließ, wiewohl sie den von Napoleon geknechteten. Völkern die Befreiung brachte, ein zerrissenes Europa zurück und ein sich bald endgültig konsolidierendes Groß-Britannien. Die Epoche des bewußten Imperialismus beginnt, der jetzt zuerst seine Chance erkennt und systematisch auszubauen sucht. Die Grundlinien der britischen Entwicklung, die wir bereits für die frühere Zeit erkannten, werden zum Programm. Es folgt der gewaltige Aufstieg des Empires, dem erst in dem neuesten Stadium bedrohliche Widerstände durch neue Weltmächte gesetzt worden sind. Der Ferne Osten, die pazifische Welt ergänzen das Riesenmaß des Reiches, Disraeli krönt die Viktorianische Glanzepoche mit dem Juwel der indischen Kaiserkrone. Erste Rechenschaft So viel an Daten der äußeren Geschichte Englands muß man wissen, um die Grundlage zu einem ersten Urteil zu finden. Es drängt sich von selbt auf: Die Frage, ob System in der britischen Politik des Aufstiegs gelegen habe, muß noch unbeantwortet bleiben, sie ist von den Resultaten her nicht zu «klären. Dazu tut ein Blick in das Innere des britischen Menschen not. Aber deutlich ergibt sich aus der auf einen so kurzen Zeitraum zusammengedrängten Geschichte, daß eine einheitliche Grundlinie vorhanden ist. Die britische Expansion hat nacheinander alle Mitbewerber der Kolonisation aus dem Feld geschlagen und auf allen fernen Gebieten ihren Einfluß durchgesetzt. Die Methode der überseeischen Ausbreitung war die Freisetzung der britischen Kräfte zu dieser Aufgabe durch Ausnützen und Ausspielen des Gleichgewichts unter den rivalisierenden Mächten. Die Bindung und Schwächung dieser Mächte hinwiederum gelang durch die Besetzung und Eroberung der Reichtum spendenden kolonialen Gebiete. Mit dieser Feststellung ist schon etwas gewonnen für die Frage nach der Richtung 87