Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2827066-3186718-3186720--1486-3187558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Schichtsschreiber des britischen Imperialismus, Seeley, zur Erklärung des Mißverhältnisses zwischen Erstrebtem und Erreichtem gemeint hat, den Engländern sei ihr Reich in Anfällen von Geistesabwesenheit in den Schoß gefallen. Doch der Entwicklungsgang des Weltreichs läßt sich in der Geschichte seither gut verfolgen und erscheint dem abschließenden Urteil als ein folgerechter und sinner,füllter Weg, Seine wichtigen Stationen wollen wir ins Gedächtnis rufen« Unter Heinrich VIIL, dem Könige der Reformation, den seine sieben Frauen so populär gemacht haben, dämmert die Morgenröte des englischen Geschichtstages. Die Lossagung von der römischen Kirche befreit das Land aus den Religionskämpfen, welche die nächsten Jahrhunderte durchtoben, sie gibt ihm zugleich die Möglichkeit der Schiedsrichterrolle in diesen Kämpfen als Zünglein an der Wage. Gui adhaereo praeest steht auf einer Münze dieser Zeit, mein Bundesgenosse siegt. Das ist der Beginn der europäischen Rolle. Aber auch die Weltmacht meldet sich an. Der Märtyrerkanzler Thomas Morus veröffentlicht sein Werk Utopia, die Vision eines Inselreiches, das im Gegensatz zum Europa des Machiavell nach strengen sittlichen Gesetzen leben und die ganze Welt missionieren soll. Es ist keine Philosophenspekulation im leeren Raum, sondern ein Wegweiser an sein Volk von genialer Intuition. So läßt auch Shakespeare Heinrich schon von einem größeren Väterland träumen: ,„Wo immer helle Himmelssonne strahlt, Soll seines Namens Ehr' und Größe sein . Und neue Völker schaffen." Gott der Allmächtige blies Das war die Morgenröte. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter der Regierung Elisabeths zeichnen sich die Konturen schärfer ab. Die Niederringunig der großen Nebenbuhler im Kampf um die Weltherrschaft beginnt. England ist unter ihnen der Parvenü, der Nutznießer der Entdeckungen und Eroberungen der anderen. Rasch soll es ihr Meister werden. Der erste Rivale ist Spanien. Philipp II. ist auf dem Wege, die Katholische Universalmonarchie zu gründen. Keine Schranken scheinen seiner Macht mehr zu drohen. Da* zerschellt der gewaltige Plan durch die Vernichtung der einst unüberwindlichen Weltfahrerflotte Spaniens, der Armada. Die Vorsehung neigte sich dem Inselreiche zu, „Gott der Allmächtige blies und die Armada flog nach allen Winden". Die feindlichen Energien waren gebrochen, der Weg war frei. Ketzerische Flüchtlinge und englische Protestanten streben in die Schrankenlosigkeit der Meere. Mittel- und Nordamerika, Indien sind bald die ersten Stationen der neu sich regenden Kräfte. Unter Oliver Cromwells, des Löwen von Juda, Regiment werden diese Kräfte zur gewaltigen Macht, die Impulse dieser Tage wirken bis heute fort. Der holländische Welthandel wird durch deu rauhen Seemann Robert Blake und die Navigationsakte Cromwells gebrochen, Der zweite Gegner ist zur Strecke gebracht, und die Entwicklung auf dem Festland ist dem englischen Aufstieg günstig. Noch bluten dort die Wunden der grauenvollen Religionskriege, da findet England durch die glorious revolution schon seine endgültige innere Konsolidierung. Ein fremder Herrscher, Wilhelm von Oranien, kommt ins Land. Die Zugeständnisse, die er dem entwickelten Freiheitswillen der Bevölkerung machen muß, wenden die Grundlage zu einer weisen, elastischen Verfassung, die Generation auf Generation zum Segen werden sollte. Der Befreiung des religiösen Gewissens folgte so die Konstituierung der bürgerlichen Freiheit. 86

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.