Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2827066-3186718-3186720--1485-3187557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ruhe, aus -der sie erst seit kurzem stürmisch wieder erwacht, Die Achse der Weltpolitik drehte sich, die im Mittelmeer freigesetzten Energien wurden nicht lahmgelegt. Der positive Teil der W e 11 e n w e n d e war die Entdeckung der ozeanischen .Welt durch die Portugiesen und Spanier. Die „Neue Welt" löste die ,,Alte Welt" ab. Das war die geographische Revolution. Es gab aber daneben auch eine geistige Umwälzung, eine Zeitenwende. Die eindeutige Gebundenheit des Mittelalters in die Ordnungen der Religion lockerte sich, die Wissenschaften begannen sich zu differenzieren, die Entdeckungsfahrten auf den neugefundenen Meeren und die Eroberungszüge des Geistes in der Natur- und Geisteswissenschaft gaben dem Individuum ein neues Selbstbewußtsein und den Drang zur Freiheit von überkommenen Fesseln. Auch hier gab es eine „Neue Welt", welche die alte, die „Andere Welt" des Jenseits verdrängte. Der Januskopf Diese zwei Revolutionen bestimmten das englische Geschick. Ihre Entwicklung wollen wir verfolgen. England war plötzlich aus seiner Aschenbrödelrolle befreit und in die bevorzugteste Stellung gerückt. Ein Blick wieder auf die Erdkarte zeigt das deutlich. Die Lage am atlantischen Ozean, durch den Kanal getrennt vom europäischen Festland, bisher ein Fluch, wurde nun zum Segen. England wurde durch seine natürliche Lage zum Vorposten der Kolonisierung der transozeanischen Welt. Es wurde der vorkämpferische Exponent Europas, aber auch der Mittler der kulturellen Einflüsse von Seiten der Siedlungsgebiete, der sogenannten Gegenkolonisation. Teilhaftig im höchstem Maße der geistigen Kämpfe des werdenden Europa war es doch durch die Kanalgrenze von dessen mörderischen Selbstzerfletschungen . bewahrt. So begann die Janusrolle Englands, die Zwiegesichtigkeit seiner Politik in der Richtung auf Übersee und in der Richtung auf den altverwandten Kontinent. Die Bemühtingen um die ferne, werdende Welt des Imperiums wurde immer mehr das Ziel dieser Politik, die Teilnahme an den europäischen Geschehnissen war mehr als Mittel; denn zur Freizügigkeit in der kolonialen Tätigkeit bedurfte es der Ablenkung des mit sich selbst beschäftigten Kontinents, der Erhaltung des berühmten, aus dem britischen Interesse zu erklärenden europäischen Gleichgewichts. Die Morgenröte Es kam erst allmählich zu dieser Interessenlage. Es ist erst seit erstaunlich kurzer Zeit, daß Groß-Britannien das „Typische" seines Wesens und seiner Aufgabe in Angriff genommen hat. Selbst aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters besitzen wir kaum ein Zeugnis, in dem sich die Vorzeichen des Imperiums ankündigen. Wohl die einzige Erkenntnis dieser Art findet sich 1436 in The Libell of Englishe Policye: Wahrt denn die See auf jeden Fall. Denn sie ist Englands rechter Schirm und Wall. Denn England ist vergleichbar einer Stadt, die ringsherum die See als Mauer hat..... Der König soll als Herr rings auf dem Meere walten, im Zaum die Feinde drin und draußen halten, und heißen durch die ganze Christenheit des Meeres Herr und Meister weit und breit. Der Blick ist hier schon auf die See gerichtet, die Melodie von der Herrschaft der Meere klingt zum erstenmal auf, aber ohne konstruktive Gedanken und ohne bewußte Politik. Auch nach den Entdeckungen setzten diese erst zögernd ein. So langsam und spärlich, daß der programmatische Ge- 85

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.