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Der jüdische Wille · 1937-06-01 · Heft 3-4 (Juni 1937) · page 3

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 3-4 (Juni 1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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hielten. Daß der Beantwortung dieser Frage Grenzen gesetzt sind, ist klar. In die konkreten Veranlassungen der einzelnen Entscheidungen können wir nicht schauen, wir müssen unser Bemühen von vornherein dahin beschränken, nur grundsätzliche Linien erkennen zu wollen. In solcher Bescheidenheit aber darf man den Versuch wagen, ein wenig den Knoten des Geheimnisses zu lösen und die Vorurteile auf ihre Berechtigung zu prüfen. Die Aufgabe ist wichtig: Die Politik eines jeden Staates muß mit dem Britischen Weltreich rechnen, Palästina vor allem ist wesentlich ein Objekt dieses rätselvollen, gewaltigen Machtgebildes. Kurz währt das Menschenleben. Die Erfahrungen einer einzigen Gc* neration reichen nicht aus, um die Grundlagen einer solchen Untersuchung zu geben. Die Gesichte der Geschichte erst gestatten die Prüfung, ob es schon ähnliche Situationen gab, und wie ihnen England zu begegnen pflegte. Ob es eine bestimmbare englische Haltung gibt, ob sie einem sinnvollen System oder der Spannung zwischen polaren Gegensätzen entstammt, wie wir uns mit dem englischen Vorgehen in Palästina vertraut machen können, das soll ein Blick in die Entwicklung des British Empire verständlich machen. Junges Weltreich Das Empire ist das größte Weltreich, das die Geschichte kennt, es überflügelt weit das Imperium Romanum und das Alexanderreich. Es umfaßt mehr als 27 v. H. der Erdfläche und der Gesamtzahl der Menschen, es erstreckt sich von den gemäßigten Zonen, bis in die feuchte Glut der Tropen und die Eisnacht der polaren Gebiete. Das stolze Karlswort gilt in diesem Reich zu Recht, daß die Sonne in ihm nicht untergeht. Es gibt allen Rassen Raum, es beherbergt alle historischen Stufen der Herrschaftsorganisation und der Wirtschaft. Sein Energiezentrum Groß-Britannien (England, Schottland, Nordirland), um das sich die anderen Länder, die Dominien, die Herrschafts¬ und Wirtschaftskolonien verschiedenster Verwaltungsformen auch heute noch gruppieren, bedeutet kaum den hundertsten Teil des gesamten Landes, knapp den zehnten Teil der Bevölkerung. Es ist eine imposante Herrschaftsleistung. Die Geschichte ihrer Entstehung gibt uns weniger Rätsel auf als sehr viele der noch laufenden historischen Prozesse. Denn diese Geschichte gehört der wohl zu überblickenden Neuzeit an, deren wichtigstes Politicum sie bedeutet. Das Britische Weltreich ist eine junge Macht im abendländisch-europäischen Gesichtsbild. Seine Entwicklung beginnt erst' mit dem gewaltigen Einschnitt der Reformation und Renaissance. Bis dahin war England in die Äschenbrödelrolle gedrängt, an der Peripherie, der entscheidenden Ereignisse. Ein Blick auf die damalige Weltkarte erklärt das. Die Welt gruppierte sich um das Mittelmeer, Rom, Byzanz, Jerusalem waren ihre Mittelpunkte, der Macht- und Kulturkämpf mit dem Islam war die weltpolitische Auseinandersetzung. Das Inselreich lag den Punkten des Geschehens fern, durch den Kanal vom Festland getrennt, durch das Festland von Italien und gar der orientalischen Welt. Es war ein von inneren Kämpfen erschüttertes Land, in dem die einzelnen Bewohner- und Erobererschichten aus keltischem und germanischem Blut und römischer, nordischer, französischer Kultur sich allmählich erst zu einem einheitlichen Typ bildeten, es war kein reiches Land, Zwei Revolutionen In diesem Stadium fand es die geographische und geistige Revolution, die das Mittelalter beendete. Die geographische Umwälzung bedeutet negativ das Ende der politischen Rolle des Mittelmeers. Mit der endgültigen Festsetzung der Türkenherrschaft schlössen sich die alten Handelswege und der kulturelle Austausch mit dem Orient. Die alte Welt versank in die Todes- 84

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