Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Schluß warnt Rosenblüth, in den gleichen Fehler zu verfallen, wie seinerzeit, als wir uns vor -der Shaw-Kommission zu verantworten hatten. Hätten unsere Aussagen nur aus Anklagen gegen die Administration bestanden, so mußte man dadurch nur ein noch stärkeres Einschwenken der Administration zu den Arabern hin befürchten. Selbstverständlich sollen wir uns nicht allei- Kritik enthalten. Aber die Kritik muß konstruktiv sein und auf einem ökonomischen Aufbauplan basieren, immer eingedenk der Tatsache, daß wir mit der englischen Behörde zur Verwirklichung unserer Ziele zusammenarbeiten müssen. Bergmanns Aufsatz hat zum Ziel, das politische Kräftespiel zu untersuchen. Er beginnt mit den drei wichtigsten Forderungen des nationalen Aufbaus: 1. ländliche Konzentration jüdischer Volksmassen; 2. gesunde gesellschaftliche Struktur der Juden in ihrem Lande; 3. nationale Selbstverwaltung. Diese drei Forderungen können nicht zu gleicher Zeit erfüllt werden. Der Druck, der auf den jüdischen Massen lastet, treibt zur Auswanderung; um sie in Palästina eingliedern zu können, sind zwei Dinge nötig: 1. Bodenerwerb, 2. Industrie und Erweiterung des Exports nach den benachbarten Märkten. Die ökonomische Verwurzelung geht langsamer vor sich, als Menschen nach Palästina kommen, sie gibt uns aber die Kraft, ein politisches Gebilde zu schaffen, mag man es den Judenstaat, das siebente Dominion oder den binationalen Staat nennen. Herzl hingegen formulierte seinerzeit seine Forderung: Erwerb des Charters, Schaffung geeigneter Vorbereitungen für den Auswanderer, Masseneinwanderung in kurzer Zeit. Viele glaubten irrtümlich, daß die Balfourdeklaration der Charter sei. Palästina wird uns jedoch nicht als Geschenk gegeben. Die landläufige Meinung ist, England hat uns verraten, als ob England für die Lösung der Judenfrage verantwortlich sei! England hat seine Sorgen! Seit mehr als 70 Jahren konzentriert sich die östliche Politik Englands um die Sicherung des Weges nach Asien und die Sicherstellung der Versorgung der englischen Inseln mit Petroleum usw. Die Araber stellen die Mehrzahl der Bevölkerung der östlichen Länder dar. Und England nimmt seit seiner Niederlage in Persien den Arabern gegenüber eine andere Haltung ein. Nationale Freiheit, aber ökonomische Herrschaft über sie, ist die neue Parole. Und ob mit oder ohne Hilfe Europas, es muß gesagt werden, daß das nationale Erwachen der Araber Fortschritte macht. Die nationale Bewegung der Araber exstiert, ob man ihre Mittel und Wege, Bombenwerfen, Bäume vernichten, verdammt oder nicht. Wenn Selbstentäußerungen der Maßstab für die Aufrichtigkeit eines Ideals ist, dann bewiesen die Araber ihren ehrlichen Willen zur nationalen Wiedergeburt. Hafenarbeiter, Bauernsöhne usw. opferten durch Streik ihr Einkommen, und ihre Toten sprechen eine beredte Zahl. (Hier scheint mir Bergmanns an sich wichtiges Streben nach Objektivität in Voraussetzungen und Folgerungen fehl zu gehen!) Was sagt die hebräische Presse? Wir sind Banditen ausgeliefert (und dies ohne genügende Abwehr), die von den Effendis zu ihrem Tun angestiftet werden. Was können wir diesen beiden Faktoren (England und Arabern) 73