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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 72

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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Er erinnert an die Berechnungen des englischen Einwanderungskommissars Mills, die anläßlich der Shaw-Kommission angefertigt wurden. Denen zufolge würden die Juden bei einer Alijah von 25 000 Menschen im Jahre 1948, bei 20 000 im Jahre 1956, bei 15 000 im Jahre 1969 die Majorität bilden. Hielte sich also die Einwanderungsziffer auf dem Stand der letzten vier Jahre (was ja wohl, wie die Entwickung leider zeigt, bezweifelt werden muß), so würde der Termin der Majoritätsbildung bedeutend vorverlegt werden. Rosenblüth stellt nun die verschiedenen Ansichten dar, ohne daß man sagen könnte, daß mit einer bestimmten Meinung auch eine bestimmte Gruppe identifiziert werden kann. Die extremste Ansicht, die zu hören ist, ist die des Boykotts der Kommission. Anhänger dieser Ansicht meinen, daß alle Kommissionen uns bisher nur Schaden gebracht hätten und daß die Tätigkeit auch dieser Kommission von vornherein zum Schaden verurteilt sei. R. entgegnet darauf, daß wir zwar an der Einsetzung der Kommission kein Interesse hatten, denn die Grundlagen des Mandats sind im Churchillschen Weißbuch 1923 und im Mac Donald-Brief an Weizmann 1931 verankert. Aber wenn nun mal die Kommission eingesetzt war, war es unsere Pflicht, zum Besten unserer Interessen auf sie einzuwirken. Auch der Paßfieldsche Versuch, die Frage der Einwanderung zur Diskussion zu stellen, wurde durch den Mac Donald- Brief, in dem das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit Palästinas als Maßstab für die Alijah nochmals bestätigt wurde, entkräftet. Ein anderer Vorschlag ist die Begrenzung der Einwanderung für fünf oder zehn Jahre, nicht durch Gesetz, sondern auf dem Wege eines gegen* seitigen Abkommens zwischen Juden und Arabern, das uns eine befriedete Aufbauarbeit sichern soll. Wenn es möglich wäre, durch Verhandlung mit den Arabern eine derartige Vereinbarung zu treffen, so soll man sie nicht als absolut abwegig von der Hand weisen. Aber wir müssen uns darüber klar sein, daß auch eine zeitliche Lösung dieser Frage uns nicht der Notwendigkeit enthebt, die Grundlagen unseres Zusammenlebens mit den Arabern festzulegen. Rosenblüth identifiziert sich mit den von Bbr. Bileski geäußerten Gedankengängen in der jüdischen Rundschau (Politische Parität ohne Einwanderungsbeschränkung, nicht zahlenmäßige Parität). Diese unsere ehrliche Meinung bei den Engländern durchzusetzen, fällt uns aber schwer, wenn sie auf der anderen Seite durch Aufrufe Jabotinskys (Transjordanien) konterkariert werden. In diesem Zusammenhang ist es nötig, die Frage des gesetzgebenden Rates, den auf der Basis gleicher Vertreterzahl anzuerkennen uns auch Lord Amery empfohlen hatte, erneut zu prüfen. R. empfiehlt, der Kommission unsere Bereitwilligkeit hierzu zum Ausdruck zu geben. Ganz abwegig jedoch ist die Meinung derer, . die glauben, daß es jetzt möglich sei, eine neue Art von Balfourdeklaration zu bekommen. Die öffentliche Meinung Englands und die der Regierung ist untrennbar mit der doppelten Verpflichtung, die ihr aus der Mandatsübernahme erwachse, verbunden. R. wendet sich auch dagegen, daß man „mehr" verlangen solle, als man tatsächlich bekommen könne. Man dürfe nicht, wenn man politische Parität durchsetzen wolle, die Forderung nach Übergabe der Verwaltung, sofern eine Majorität vorhanden ist, stellen. R. warnt vor dieser Taktik, da man auch * darauf die Antwort erhalten könne: ,,Bevor ihr als Mehrheit über eine Minderheit regiert, ist es besser, daß ihr gar nicht zur Mehrheit werdet." Wichtiger erschien die Vorbereitung eines umfassenden Aufbauplanes, den wir der Kommission vorlegen mußten. Zur Zeit der Shaw-Kommission waren wir nicht genügend mit Material gerüstet. Auf die Behauptung der Araber, daß wir sie von ihrem Boden vertreiben, werden wir heute sehr präzis unter Beibringung stichhaltigen Materials antworten können. 72

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