Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2827066-3186718-3186719--1470-3187541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

oberen Klassen der Gymnasien wenden und versuchen, diese Jugend an uns heranzuziehen. Reinhold Cohn erwidert in längeren Ausführungen. Die Vorschläge von Isserlin gingen nicht über das hinaus, was bisher im KJV. getan worden sei. Wir hätten z. B. versucht, kleine Kreise zu bilden, der Versuch sei aber noch nicht voll gelungen. Er ist auch der Meinung, daß wir diesen Versuch weiterführen sollen. Zur Frage der Hebraisierung bemerkt er, daß in den Ausführungen von Isserlin ein Kern von Berechtigung stecke. Jedoch müsse das Kartell darauf sehen, daß die offiziellen Veranstaltungen und Äußerungen hebräisch gehalten werden. Komme man zu schwierigeren Aussprachen im engeren Kreise, so sei es selbstverständlich, daß man diese in deutscher Sprache zulasse, da es selbst guten Kennern der hebräichen Sprache nur schwer möglich sei, komplizierte Gedankengänge in hebräisch auszudrücken. Zur Frage der Jugendarbeit nimmt er sehr scharf ablehnend Stellung. Wir hätten kein Ziel, auf das wir diese Jugend hin erziehen könnten. Er glaubt nicht, daß wir gemeinsame politische Aufgaben finden können. Das habe nichts mit der Frage der Existenzberechtigung des KJV. zu tun. Zwar ist sie für ihn auch noch nicht in irgendeiner bestimmten Richtung entschieden, aber der Bund müsse als solcher unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Die Gemeinschaft bedeute dem Einzelnen einen Rückhalt bei der Auseinandersetzung mit dem ihm in jeder Beziehung fremden Milieu. Wir haben bereits vor Jahren die Frage diskutiert, ob wir an die hier bestehenden Gruppen und Parteien uns kritiklos assimilieren und in sie hineingehen sollen. Cohn verneint dies durchaus. Es gibt kein festgefügtes Volksleben, in das wir uns einfach eingliedern könnten, sondern der Aufbau vollzieht sich zentripolär von den verschiedensten Herkunftsländern aus. Es sei für ihn feststehend, daß wir vorläufig auf keinem Gebiet irgendeine führende Rolle übernehmen könnten. Unsere Hauptaufgabe neben der Aufrechterhaltung der Gemeinschaft als Stütze für den Einzelnen sei, einen Kreis von Menschen gesteigerter Verantwortung für das eigene zionistische und allgemeine Verhalten in Palästina zusammenzuhalten, Menschen um uns zu scharen, die bereit sind, unserm Kreis über sich Rechenschaft zu geben. Diese Kontrolle zu finden, erscheint uns nicht nur als lohnend, sondern als einzig mögliche Aufgabe des KJV. R. Cohn nennt es ein Streben nach Selbstkontrolle. Er zählt eine Reihe von konkreten Gebieten auf, auf die sich diese Kontrolle zu erstrecken habe, Erfüllung unserer Pflichten gegenüber den nationalen Fonds, Waad Kehilla, Einbürgerung in Erez Israel, Beobachtung der Berufsehre, Frage der Kindererziehung. Er appelliert an alle, mitzumachen, damit wir den Willen sehen, daß alle das KJV. noch erhalten wollen. Max Hirsch unterstreicht den Standpunkt von Reinhold Cohn, schildert eingehend die Arbeitsmethode, nach der in den Seminaren gearbeitet werden soll und schlägt im übrigen vor, einen besonderen Diskussionsabend über die von Isserlin und Reinhold Cohn aufgeworfenen Fragen zu veranstalten. Dieser Vorschlag wird angenommen. Max Stern sieht in der Betonung der Hebraisierung des Kartells eine überspitzte Forderung, die mehr auf die Form als auf den Inhalt Wert lege. Er ist erstaunt über die Sterilität der Diskussion. Er schildert seine Erfahrungen mit hebräisch sprechenden Studenten in Beiruth, deren Eindruck deprimierend gewesen sei. Ferner verweist er auf die ungeheure Aktivität der Araber, die für ihre nationale Bewegung erstaunliche Energie entwickeln. Stern vermißt, daß die eigentlichen jüdischen Kulturprobleme, die die aus Deutschland hierher gekommenen Olim beschäftigen, hier nicht zur Erörterung stehen. 70

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.