Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSEF HELLERMANN Als spätes mittelbares Opfer der Unruhen erlag Josef Hellermann seinem langen Leiden. Der Anfang fiel mit dem Anfang der Unruhen zusammen, wo er in allzu strenger Pflichterfüllung seinen Posten nicht verlassen wollte und in letzter Minute erst widerstrebend der dringenden Operation sich unterzog. Und einige Wochen später, als er noch nicht die Folgen über« wunden hatte, gönnte er sich nicht die notwendige Schonung, sondern über» nahm sofort wieder die Mühen seiner schweren Pflicht. Damals untergrub er die Reste seiner starken Gesundheit und setzte den Todeskeim in sich. Nach kurzer Unterbrechung mußte er wieder sein schweres Krankenlager aufsuchen, das er bis auf einige wenige Tage durch Monate hindurch nicht mehr verlassen sollte. Wir konnten mit ihm das Auf und Ab dieser langen qualvollen Zeit verfolgen, bewunderten an ihm auch hierbei seine stets gleichmäßige Ruhe das Gleichmaß und die Ruhe eines harmonisch ausgeglichenen Menschen, "auch in den vielen schweren, ja schwersten Stunden ein unendliches Maß von Dulderkraft und über allem sein leuchtender Optimismus, der besonders dem schwer ringenden Jischuw galt. Wenn wir versuchen wollten, sein Wesen, wie wir es in den fast 15 Jahren, in denen er zu uns gehörte, kennen und schätzen gelernt haben, hier dar* zustellen, werden wir mit Erstaunen gewahr werden, daß es sich zur Schilderung des Idealtyps eines modernen Juden in Palästina ausweitet. Denn die beiden Quellen, aus denen er in gleichem Maße gespeist wurde, sind auch die lebenspendenden für unseren Aufbau: das noch, vor allem im osteuropäischen Judentum lebendige, überlieferte jüdische Kulturgut und das moderne westliche Wissen. Josef Hellermann verstand es, diese beiden ihm kongruenten Gebiete zu einer höheren Einheit zu verschmelzen, und trotz glühender Hingabe an seinen Ingenieurberuf blieb ihm der jüdische Stoff seiner Kindheit und des hebräischen Gymnasiums in Litauen stets lebendig gegenwärtig. Und so können wir verfolgen, wie er zielbewußt seinen zionistischen Weg geht, sich wie nur wenige unserer Bundesbrüder, die dem Osten entstammen, sofort die Grundgedanken des Kartells zu eigen macht und von ihnen aus seine fruchtbare Arbeit in der zionistischen Sportbewegung, erst im Makkabi und später hier im Poel, leistet. Mit Stolz konnten wir ihn als unseren Exponenten dort empfinden, und er empfand mit Stolz seine Zu* gehörigkeit zum Kartell. 1933 vollzog er seine Alijah, fast zufällig im allgemeinen Strome der Neu* einwanderer. Nachdem er einige Zeit als einfacher Arbeiter sich betätigt hatte, findet er die Stellung, die seiner technischen und organisatorischen Begabung voll zusagt. Daneben, genauer gleichzeitig, widmet er sich, wie immer mit ganzer Hingabe, einer großen Erziehungsarbeit im Hapoel, wobei ihm gründliche Kenntnisse und außerordentliches Können sowie ein vorbildliches Hebräisch zugute kommen.