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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 62

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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nen soll. Ob die hübsche Geschichte Agnons „Unter dem Baum", die von den unabhängigen jüdischen Stämmen in Arabien erzählt, ob den illustrierten Artikel A. Reifenbergs über die antike jüdische Stadt Nawe, der von alter jüdischer Kultur in Palästina aus der christlichen Zeit kündet, ob die Skizze Baers über die Vertreibung der Juden aus Spanien, in der die Geschichte des Austreibungsedikts vom Jahre 1492, das die ruhmvolle Epoche der Juden Spaniens abschließt, auf Grund der Archivalien dramatisch •dargestellt wird, ob den ausgezeichneten Aufsatz von G. Scholem "Zum Verständnis des Sabbatianismus", der die Zusammenhänge zwischen Mystik und Haskala deutlich aufhellt — man könnte so fortfahren und jeden Artikel einzeln aufzählen —: jeder Aufsatz wird nur das Verlangen danach erwecken, den größeren Teil und Zusammenhang, aus dem er stammt, zu erwerben und kennen zu lernen. Dies ist wohl' auch der Zweck dieses in ausgezeichneter drucktechnischer Ausstattung hergestellten Auswahlbüchleins des Schocken-Verlages, dessen Erscheinungen ein Zeichen für Lebensmut und die Notwendigkeit jüdischen Kulturschaffens auch in heutiger Zeit sind. Bernhard Brillin g. LAZARUS JUTKOWSKI Am 17. November 1936 ist Lazarus Jutkowski von uns gegangen. 40 Jahre war er Bundesbruder, mehr als 30 Jahre führte er das anstrengende Leben eines vielbeschäftigten Arztes in der kleinen Stadt. Nur selten, zumal in der letzten Zeit, konnte er sich aus seinem Arbeitskreise frei machen. Und in dieser langen Zeit und Abgeschlossenheit, in der ihm seine Frau eine verständnisvolle Kameradin war, blieb sein Zionismus immer lebendig. Jutkowski nahm an der Entwickelung des Zionismus von den Zeiten des Traumes bis zu den Problemen der Verwirklichung teil, und dieses Mitgehen war ihm leicht, weil es zu den jüdischen Grundlagen seines eigenen Wesens führte. Er hielt treu das Gesetz, Seine Kinder erzog er zu Zionisten. Er wurde der Führer seiner Gemeinde. Jede zionistische Forderung sah er als selbstverständliche Verpflichtung an. Jede Pathetik lag ihm fern, obgleich er voll Pathos war und mit liebevoller Wärme an allem menschlichen Geschehen Anteil nahm. Besonders deutlich zeigte sich seine Art, wenn man mit ihm über einen Kranken beriet. Ruhig, fast bescheiden vertrat er seine Ansicht, aber wenn man hörte, wie er in seltensten und schwierigsten Fällen seine richtige Diagnose stellte, und wenn man dann daran dachte, wieviel verantwortungsvolle Arbeit und Nachdenken des ganz auf sich selbst gestellten Mannes hinter dieser Diagnose standen, dann erkannte und bewunderte man seinen Wert. Er genoß allgemeine Liebe und Verehrung in seinem Kreise, wie es nicht alltäglich ist; so wurde er zuletzt noch zum Kämpfer für jüdische Ehre an seinem Platze, Sein letzter heißer Wunsch, solange zu arbeiten, bis er mit seiner Frau und seinem jüngsten Kinde den älteren drei Kindern nach Erez Israel folgen könnte, ging nicht in Erfüllung. Es war ein Leben der Bewährung, wie es unsere besten drüben in Erez Israel führen. Wir haben einen guten Juden und guten Freund verloren. Max.Preuß - Breslau. 62

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