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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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Eine kritische Bemerkung verdient das höhere Schulwesen. Unter den 343 Schulen gibt es, wie bereits oben erwähnt, sechs höhere Schulen (darunter die drei bereits vor -dem Kriege gegründeten Gymnasien in Tel-Aviv und Jerusalem und die Realschule in Haifa), die dem Schulnetz des Waad Leumi angehören. Daneben gibt es aber weitere vierzehn höhere Schulen, die private Gründungen sind, eine verhältnismäßig große Zahl für das kleine Land. Mit Recht weisen die Bearbeiter des Erziehungsratgebers auf die Gefahr hin, die in der Überschätzung der höheren Bildung besteht: ,,Die verschiedenen privaten höheren Schulen sind nur selten aus dem tatsächlichen Bedürfnis des Landes erwachsen, sondern vielmehr aus der geistigen Mentalität und Lebenseinstellung einer in den letzten Jahren eingewanderten zahlreichen Elternschaft, die sich noch im Traume des „Gymnasialbildungszeitalters" wiegt, . . . ohne die konkreten Verhältnisse und Bedürfnisse des Landes als ausschlaggebend zu betrachten". Es wäre im Interesse der Zukunft der neueingewanderten Jugend zu wünschen, wenn die H. 0. G. und das palästinensische K. J. V. den übertriebenen Bildungsdrang ein wenig bremsten, um eine weitere Verstädterung der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu verhindern. Paul Michaelis. Die unsichtbare Kette Von Herbert Friedenthal. (Verlag Atid Die „unsichtbare Kette" ist, wie man sofort vermutet, das magische Juden« Schicksal, dem kein Angehöriger unserer Gemeinschaft entfliehen kann, so gern mancher es möchte .... Kai <der Name ist von seiner Freundin spielerisch zu^ sammengezogen), die Hauptfigur des „Romans eines Juden", glaubt der Aus* einandersetzung mit dem Judenproblem, das auf ihn mit plötzlicher Wucht herab*» prallt, zu entrinnen, seine Zuflucht suchend, in blutleeren Verstandeskonstruktionen, in einer Italienreise, in einem Liebes* erlebnis am Gardasee und in Venedig vergebens, die unsichtbare Kette hält ihn fest und führt ihn zum Juden« tum zurück. Er ist nunmehr gewillt, aus seinem Judesein positive Folgerungen zu ziehen,« er wird daraus die Kraft gewinnen, die Zeit zu überstehen, und seine Zukunft stark und freudig zu gestalten. Berlin 1936) Das Erstlingswerk des Autors, s. Zt. in der „Rundschau7' erschienen, versucht darzustellen, wie eine bestimmte jüdische Schicht — denn Kai und sein Kreis sind jüdische „Intellektuelle" — auf das Gegen* wartsgeschehen reagiert. Schade, daß die übrigen Menschen des Romans zu wenig umrissen, zu substanzlos erscheinen, während die besondere Farbe und Armos* Sphäre der Landschaft außerordentlich fein aufgegangen sind. Vielleicht das Schönste der Abschied der Chaluzim auf dem Berliner Bahnhof..... Das Buch liest sich gut, es ist, wenn auch manches nicht mit der letzten Klarheit formuliert ist, hin und wieder auch eine gewisse Saloppheit stört, doch zum min« desten geeignet, den Leser an die Prob« lematik unseres Schicksals heranzuführen. Alles in allem ist die Lektüre des Romans durchaus zu empfehlen. Julius Jarosch Almanadi des Sdiockenverl; In seinem letzten Almanach hat der rührige Schocken-Verlag eine außerordentliche Kostprobe aus den wertvollen Erscheinungen des Verlages dargeboten. Es ist sozusagen eine Heerschau jüdischer Kultur. Alle vielfältigen jüdischen Lebenserscheinuns auf das Jahr 5697 gen finden in diesem Almanach wie in den Werken dieses Verlages ihren Ausdruck. Religion und Geschichte, Poesie und Literatur, Grammatik und Volkskunde, Palästina und Zionismus — nichts ist darin vergessen. Man weiß gar nicht, was man zuerst nen- 61

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