Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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schmackes: wenn etwa drei gute Goethekenner die 20 schönsten Gedichte Goethes oder die besten 10 Geschichten Hebels für Schulzwecke auswählen sollen, so werden sich ihre Auswahlen niemals ganz decken. Das gilt cum grano salis auf allen Gebieten, Es erübrigt sich daher, Einzelheiten zu besprechen oder eingehende Gegenvorschläge zu machen. Immerhin sei folgender kurze Hinweis gestattet: Auch in eine Volks- und Wanderbücherei sollte man die großen Ausgaben der Geschichtswerke von Graetz und Dubnow aufnehmen. — Unter den Dichtwerken usw. von Israel Z a n g w i 11 vermissen wir sein schönstes, die „Kinder des Ghetto" (deutsche Übers, in 2 Bänden Berlin 1897 Cronbach), das merkwürdigerweise auch in den Gedenkaufsätzen der jüdischen Zeitungen Deutschlands zum 10. Todestage des Dichters überhaupt nicht erwähnt worden ist. — Außerordentlich zu bedauern ist, daß, wie in allen neueren Auswahlbüchern, so auch hier wieder Ludwig Philippson völlig vergessen worden ist. Das hat er nicht verdient. Seine stoffreichen und spannenden jüdischen Novellen und geschichtlichen Romane (Jacob Tirado 1867, Sepphoris und Rom 1866, Saron, Dichtungen und Novellen, 6 Bände 1843— 1870 usw., inbesondere aber die prächtigen „jüdischen Märlein" sind noch heute durchaus nicht für den Papierkorb reif. Bei dem außerordentlichen Mangel an guten jüdischen Jugend- und Volksbüchern sollten wir uns einen derartigen Verzicht nicht leisten. Conrad Kaiser. Cfiinuch (herausgegeben vom Palästina-Amt Berlin der Jewish Agency for Palestine und der Hitachduth Olej Germania Tel-Aviv, 1937. Preis 90 Pf.) Nach dem Gesund he its ratgeber für Palästina, „Briuth", erscheint nun, ebenfalls vom Palästina-Amt Berlin herausgegeben, ein Führer durch das hebräische Schul- und Erziehung swesen in Palästina, „Chinuch". Diese Zusammenstellung ist mehr als der übliche Leitfaden über das hebräische Schulwesen mit dürren Zahlen und statistischen Angaben; denn in einer umfangreichen und sorgfältig abgewogenen Einleitung wird von den beiden Bearbeitern, Jakob Sandbank und Curt Wormann, Geschichte und Aufbau des hebräischen Unterrichtswesens in Palästina von den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart geschildert. Dabei erfährt man, daß im Jahre 1936 das Schulnetz des Waad Leumi 39 701 Kinder in 343 Schulen mit 1458 Lehrkräften umfaßt; unter diesen Erziehungsanstalten befinden sich 176 Kindergärten, 154 Volksschulen und 6 höhere Schulen. In privaten Schulen erhalten außerdem etwa 20 000 Kinder Unterricht. In sechs Kapiteln informiert der Führer über das, was einwandernde Eltern über die Beschulungsmöglichkeiten für ihre Kinder und auch über ihre eigene Fortbildung wissen müssen. Daher enthält das Büchlein eine fast vollständige Liste der in Palästina vorhandenen Bildungsstätten vom hebräischen Kindergarten bis zur hebräischen Universität', nämlich ein Verzeichnis (mit genauen Angaben über Höhe des Schulgeldes, Anzahl der Klassen, Lehrer und Schüler) der Kindergärten, Kinderheime, Kinderhäuser, Volksschulen, höheren Schulen (dabei der Lehrplan des jüdischen Unterrichts der Haifaer Realschule), Fachschulen (für Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Technik und Handwerk, Handel, Kunst und Kunstgewerbe, Musik), Waisenhäuser, Seminare und Hochschulen (technische Hochschule in Haifa, hebräische Universität). In zwei Anhängen wird über Jugendbewegung und Jugendpflege sowie über die Möglichkeiten der Erwachsenenbildung (hebräische Sprachkurse, Bibliothek, Vortragswesen, Theater- und Konzertveranstaltungen, Museum in Tel-Aviv) berichtet. 60