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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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unruhigen und hastigen Zeit immer spärlicher geworden. Heute fangen wir wieder an, Briefe zu schreiben, die mehr sind als Mitteilungen, die ein geistiges Band knüpfen sollen, um die durch die Schwere der Zeit auseinandergerissenen Glieder unserer Familien zu verbinden. Solche Briefe sind daher Bekenntnisse und Schilderungen, die dem, was man früher unter „Briefeschreiben" verstand, wieder nahekommen. Die vorliegenden, aus Palästina geschriebenen Briefe junger Menschen, zumeist Angehörige der Jugend-Alijah, waren, als sie geschrieben wurden, sicherlich nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Sie sind deshalb frei und rückhaltlos abgefaßt, und der Herausgeber hat sich Dank verdient, daß er sie uns ohne Zensur und Korrektur vorlegt, auch dann, wenn sie — wie könnte das bei der Jugend derer, von denen sie ausgehen, anders sein —Unklares, ja oft auch Unreifes zum Inhalt haben. Sie geben ein farbiges und plastisches Bild von der Arbeit und der Freude dieser neuen Menschen auf alter Erde, der Art Feste zu feiern, Wanderungen zu machen und über das, was in ihnen und um sie herum sich ihnen darstellt, nachzudenken. Wir sehen sie im Weinberg und beim Betongießen, in der Backstube und beim Ausruhen nach den Mühen des Tages, erleben mit ihnen Begegnungen mit Arabern, mit älteren Chaluzim, die das Land schon kennen, durchstreifen mit ihnen das Land und die Städte und fühlen mit ihnen ihre Sehnsucht, wenn sie an die Eltern und Freunde daheim denken. Vieles ist noch nicht ausgereift; eine bestimmte überhebliche Haltung gegenüber der alten Judengeneration an der Klagemauer, die Schwierigkeit gegenüber den Problemen der religiösen Tradition und der Feste, überhaupt die Frage, für Erholungsstunden und' Festtage neue Formen zu finden, sie alle werden in diesen Äußerungen offenbar. Auch ein Problem der Sprache wird sichtbar, wie wir es oft beobachten. Man kann nicht einen Satz bilden, wie diesen: „Die Chewra ist eine der Besten im Lande. Ich sage das nicht, weil ich unseren Kibbuz hervorheben will; .... wir sind mit unserem Iwrith jetzt schon so weit, daß wir uns mit den Chawerim des Meschek unterhalten können." Das ist weder Hebräisch noch Deutsch, ist aber die Folge einer sprachlichen Vernachlässigung, wie sie vielfach in unseren Jugendorganisationen und Gruppen herrscht. Auch unsere Presse hat daran schuld, die ebenfalls nicht genügend vermeidet, die hebräischen Ausdrücke in der deutschen Sprache auf den Umfang zu beschränken, der sich als unbedingt notwendig ergibt. Die willkürliche Vermengung aller möglichen hebräischen Vokabeln in die europäischen Sprachen hinein schafft einen neuen, unwillkommenen Jargon. Im ganzen aber freuen wir uns über diese Zusammenstellung lebendiger Zeugnisse aus dem Leben unserer Freunde. Wir wünschen ihnen viel Glück. Das Gefühl, das einer ausdrückt, der nun angekommen ist in dem Lande, für das er als kleiner Junge sein Taschengeld in die blaue Büchse des K. K. L. gesteckt hat, und in das zu kommen der Traum so vieler Jahre gewesen ist, wird, wir erleben das mit jedem Einzelnen der Briefschreiber mit, zu einer hohen Befriedigung durch das Bewußtsein, inmitten des Volkes und für des Volkes Zukunft und Freiheit mitzuschaffen. Hans Klee. Viktor Schwatter: „Meine Reise ins Heilige Land" 1936. Kanisiuswerk. Päpstliche Druckerei Freiburg (Schweiz). Dieses Buch hatte ich mir zur Beein katholischer Geistlicher aus der sprechung erbeten, weil es mich be- Schweiz, dem historischen Lande unsonders interessierte, zu erfahren, wie serer Zionisten-Kongresse, das neue 57

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