Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Gestalten und ihre Eine Geschichte des jüdischen Geistes Verlag, Berlin 1936.) Mit gutem Recht geht man heute vielfach dazu über, Aufsätze, die zunächst in Tages- oder Wochenzeitungen erschienen sind, in Sammelbänden erneut abzudrucken, weil man der Meinung ist, daß diese Aufsätze nicht nur zum einmaligen Lesen bestimmt sind, sondern eine tiefere Wirkung in sich tragen. Dies gilt auch für eine Reihe von Aufsätzen, die in den Jahren 1935 und 1936 erstmalig in der CV-Zeitung erschienen. Der Sammelband enthält Aufsätze über Moses, König David, Jesaja, Josia, Esra, Philon, Bar Kochba, Jehuda Hanassi, Mar Samuel, den Gaon Saadia, Chasdai ibn Schaprut, Jehuda Halewi, Raschi, das Buch der Frommen, Josel von Rosheim, Manasse ben Israel, Isaak Lurja, Jizchak Abrabanel, Esther Liebmann, Cerfberr, Moses Mendelssohn. Diese Zusammenstellung ist sehr interessant und aufschlußreich. In dieser langen Reihe von Mosche Rabbenu bis Moses Mendelssohn fehlt zum Beispiel ein so bedeutender Mann wie Mosche ben Maimon. Beinahe können wir es uns nur als Versehen erklären, wenn man ihn darzustellen unterlassen hat, vielleicht deshalb, Zeit von Moses bis Mendelssohn, (Philoweil 1935 in seinem Jubiläumsjahr so viel über ihn veröffentlicht worden ist. Alle Persönlichkeiten, die hier dargestellt werden, werden mit ihrer Zeit konfrontiert. Es wird herausgestellt, wie Zeit und Zeitgeist die Richtung ihrer Gedanken bestimmt, wie sie auf ihre Zeit gewirkt haben. Die biographischen Einzelheiten treten dabei mit Recht in den Hintergrund. Bei jeder Persönlichkeit wird versucht, den tragenden Gedanken ihres Lebenswerkes herauszuarbeiten und ihn in Beziehung zu Umwelt und Zeitgeist zu setzen. Daß das bei der Fülle der Persönlichkeiten und der Verschiedenheit der Verfasser keine ganz einheitliche Darstellung und Linie gegeben hat, ist selbstverständlich. Alle Aufsätze sind geeignet, als Grundlage für Arbeitsgemeinschaften zur jüdischen Geschichte zu dienen. Der Ort des Erscheinens ist ohne Einfluß auf die unabhängige Darstellung der Verfasser geblieben, so daß diese Aufsätze auch in einem zionistischen Kreis ohne Vorbehalt als Grundlage für Arbeitskreise und Aussprachezirkel benutzt werden können. Alfred Philipp. „Die soziale Fürsorge im Alten Testament" Von Dr. Norbert Peters, Professor der Theologie an der Erzbischöflichen philosophisch-theologischen Akademie, facius-Druckerei, Paderborn 1936.) Für den traditionsbewußten Juden ist die Sozialgesetzgebung der Thora nichts zeitlich Gebundenes. Sie enthält für ihn die Grundsätze einer Sozialordnung, die nicht nur einmalig für die Zeit der Selbständigkeit des jüdischen Volkes im eigenen Lande gegeben waren. Sie ist, wie alles, was Objekt der gesetzlichen Regelung durch die mündliche und schriftliche Lehre ist, überzeitlich, für jede Zeit und Generation verpflichtend. Die heutige jüdische Generation weiß von dieser unendlich erhabenen Sozial- Domkapitular in Paderborn. (Bonigesetzgebung — die übrigens keinen abgegrenzten Einzelteil der Thora bildet, sondern die mit ihrer Forderung der ausgeprägtesten sozialen Gerechtigkeit die ganze Lehre systematisch durchzieht — oft nur allzu wenig. Dabei hat diese Lehre in einer Zeit, wo die gesamte antike Kulturwelt nur den Leibeigenen und Sklaven kannte, der nichts als Ware war und dessen Leben und Rechte völlig ungeschützt, bzw. nicht existent waren, als erste den freien Arbeiter geschaffen, hat die Bodenspekulation durch 55