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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 52

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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schwieriger geschichtlicher Fragen aus dem Bibeltext geltend. Atierbach steht nicht auf dem Standpunkt des überlieferten Judentums. Er ist aber ebensowenig unter die radikalen Bibelkritiker zu zählen. Sein exegetischer Ort erklärt sich äußer aus der schlichten Ehrfurcht vor dem Bibelwort, das er nicht ohne Not skeptisch betrachtet, eben aus jener Vertrautheit mit der Landschaft Erez-Israels. Er fragt sich bei jedem Problem zunächst einmal, was mit der biblischen Quelle, so wie sie uns vorliegt, anzufangen ist. Er wendet sich mit aller Schärfe gegen den Standpunkt vieler Darsteller der biblischen Zeit, die jede Beschreibung der biblischen Quelle, weil sie eben eine biblische ist, kritisch und skeptisch betrachten. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß Auerbach eine Fülle von Problemen der alten israelitisch-jüdischen Geschichte neu aufrollt und beantwortet. Besonders wichtig und ansprechend sind die Fragen nach dem Wesen der Prophetie, nach der Reform des Königs Josia und dem Verbleib der zehn nordisraelitischen Stämme. Es wird die Sache der jüdischen Geschichtswissenschaft sein, zu untersuchen, inwieweit die Antwort, die Auerbach gibt, sich halten lassen wird. Unabhängig von dem Ergebnis dieser Untersuchung bleibt die erneute Aufrollung dieser Fragen und die Art des Lösungs Versuchs ein außerordentliches Verdienst Auerbachs. Gerade bei diesen Fragen zeigt sich die Achtung vor dem Bibelwort und die vorsichtige Deutung, die sich von kühnen Konstruktionen fernhält. Ein wie ausgezeichneter Darsteller der Prophetie Auerbach ist, wußten wir seit langem, da er ja schont vor über einem Jahrzehnt eine Monographie über dieses Thema geschrieben hat. Die sehr umfangreichen Kapitel über das schwierige Phänomen der jüdischen Prophetie in diesem neuen Werk sind viel mehr als eine Wiederholung der früheren Darstellung. Das Wesensmäßige der Prophetie sieht er weder in der Voraussage der Zukunft, noch in ihrer Stellung zum Kult, noch in der sozialen und politischen Situation des Volkes. Vielmehr sind ihm vier andere Punkte für die Wesenserkenntnis der einzigartigen Erscheinung der jüdischen Prophetie maßgebend: 1. Das Wüstenideal, 2. der sittliche Drang, 3. die Schau des Dichters, 4. die Sorge um das Volk. Die kritische Einstellung, die im allgemeinen die Historiker zur Auffindung des Gesetzbuches bei der Tempelrenovation zur Zeit des jüdischen Königs Josua haben, teilt Auerbach nicht. Er geht nicht, wie jene, von der Annahme aus, daß das Gesetzbuch in Wirklichkeit nicht gefunden, sondern von den Verfassern absichtlich dorthin gelegt worden sei, damit man dem Volke von einem Funde erzählen könne, und so eine Reform unter dem Deckmantel einer alten Überlieferung ohne große Widerstände des Volkes durchsetzen könne. Auerbach nimmt die Darstellung der Bibel so wie sie ist. Er legt auch überzeugend dar, wie die religiöse und geistige Haltung der Männer der Josiazeit gar nicht zu einer solchen Manipulation paßt. Ein solches Werk wie das aufgefundene, das er nicht wie die TradUion für die Thorat- Mosche hält, kann nur in einer Zeit dort im Nebenraum des Tempels niedergelegt worden sein, deren Könige nicht so Gott nahe waren wie König Josia. Er vermutet, vielmehr, daß fromme Priester aus der Zeit des Königs Manasse dieses Gesetzbuch, das neben alten Überlieferungen auch neue Hinzufügungen enthält, vor den Zugriffen der diesen Gedanken feindlichen Könige und Beamten gerettet und versteckt hatten, in der Hoffnung, daß es in einer ihren Gedankengängen günstigeren Zeit aufgefunden und verwirklicht werden würde. Ihre Hoffnung erfüllte sich tatsächlich in der Regierungszeit des Königs Josia. Das jüdische Volk hat sich immer sehr viel darum gemüht, zu wissen, was aus den verschollenen zehn Stämmen des israelitischen Nordreichs nach dem Jahre 722 geworden ist. Wie 52

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